Krebs in Fürstenwalde
: Leon (16) hat Hirntumor – Mutter sucht verzweifelt eine Wohnung

Ina Hebert aus Fürstenwalde ist eine stille Frau. Doch für ihren krebskranken Sohn Leon kämpft sie wie eine Löwin. Händeringend sucht sie seit Monaten eine behindertengerechte Wohnung.
Von
Joachim Eggers
Fürstenwalde
Jetzt in der App anhören

Ina Hebert mit ihrem schwer kranken Sohn Leon zu Weihnachten in einem Berliner Hospiz, das der Junge bald verlassen muss. Die Mutter sucht mit allen Mitteln nach einer Wohnung.

Ina Hebert

Die Verlegung war schon angesetzt für Donnerstag, den 14. März. Nach gut einem halben Jahr in einem Hospiz in Berlin sollte Leon Hebert in eine Wohngruppe mit Intensivpflege nach Frankfurt (Oder) verlegt werden. Doch die Verlegung wurde ausgesetzt.

Leon Hebert ist schwerstkrank. Der 16-Jährige leidet an einem Hirntumor und hat während eines Aufenthalts in der Berliner Charité einen Schlaganfall erlitten. Er kann sich, wenn überhaupt, nur im Rollstuhl bewegen, oder bewegt werden.

Nach Monaten in einer Reha-Klinik in Brandenburg/Havel kam der Junge Anfang Oktober 2023 in ein Berliner Kinderhospiz. Der Herzenswunsch seiner Mutter Ina Hebert ist, dass sie ihn zu sich nach Hause holen kann, nach Fürstenwalde. Doch Ina Hebert lebt in einer Wohnung, die sich nicht so umbauen lässt, dass sie für Leon geeignet wäre. Dabei ist die Mutter selbst mit gesundheitlichen Problemen geschlagen und lebt als Alleinerziehende von Bürgergeld.

Krebskranker Leon: Seine Mutter verzweifelt an der Wohnungssuche

Deshalb sucht sie seit Monaten nach einer geeigneten Wohnung, auf der Straße, im Internet, meldet sich bei Vermietern. Im November glaubte sie am Ziel zu sein. Sie durfte eine Wohnung in einem Neubau der Genossenschaft in der Bergstraße besichtigen, bei der sie auch jetzt Mieterin ist. Ina Hebert berichtet davon, dass sie sogar ein zweites Mal die Wohnung besichtigt und alles ausgemessen habe. Dann kam die Absage.

Auf Nachfrage von MOZ.de widerspricht die Genossenschaft dieser Darstellung. Es habe sich um eine Drei-Raum-Wohnung mit 84,40 Quadratmetern und einer Gesamtmiete von ca. 1.300 Euro gehandelt. „Frau Hebert wurde die Wohnung nicht in Aussicht gestellt. Sie konnte wie jeder andere Interessent die Wohnungen besichtigen, wobei allen Interessenten spätestens am Besichtigungstermin die Kaltmiete pro Quadratmeter Wohnfläche mitgeteilt wurde.“

Nach dem Termin habe Ina Hebert der Genossenschaft über das Amt eine Bescheinigung zukommen lassen, wonach ihr ab Januar 2024 560 Euro Miete bewilligt werden; das ist nach Angaben der Genossenschaft auch der Mietbetrag, der für ihre jetzige Wohnung direkt vom Amt überwiesen wird.

Für die gewünschte Wohnung hätte sich eine Differenz in Höhe von 740 Euro ergeben. Eine Erklärung zur Kostenübernahme habe nicht vorgelegen. „Wir gehen davon aus, dass die Wohnung für zwei Personen zu groß und zu teuer ist und aus diesem Grund das Amt die Kosten nicht übernimmt“, heißt es in der Antwort der Genossenschaft.

Leons Zustand verschlechterte sich zuletzt – Tumor bildete Zyste

Immer wieder habe das Hospiz sie darauf angesprochen, Leon anderswo unterzubringen, erzählt Ina Hebert. Zwischenzeitlich sei es ihm augenscheinlich besser gegangen, erzählte sie im Januar. Doch in jüngster Zeit hat sich sein Zustand verschlechtert, er hatte keinen Stuhlgang mehr, die Herzfrequenz war sehr hoch. Der Junge kam erneut ins Krankenhaus, dort wurde eine neuerliche Tomographie gemacht.

Das Ergebnis, so Ina Hebert: Der Tumor habe eine Zyste gebildet, die zu einer Schwellung der Hirnhälfte geführt habe. „Die haben gesagt, es ist gut, dass die Schädeldecke nicht drauf ist.“ Die wurde vor etwa einem Jahr bei einer Operation entfernt. Die Vermutung sei, dass eine Fehlsteuerung des Gehirns für die Verdauungs-Thematik verantwortlich sei. „Er bekommt jetzt viel Schmerzmittel, außerdem Medikamente, um die Verdauung zu aktivieren.“

Leons Umzug in eine Wohngruppe scheiterte an einer Operation

Wegen dieser Zuspitzung sei die schon vorbereitete Verlegung in die Wohngruppe aufgeschoben worden – wieder einmal. Im Januar war sie auch schon geplant, damals wollte aber Ina Hebert nicht, weil sie sich selbst einer Operation unterziehen musste.

Jetzt läuft die Fürstenwalderin von Pontius nach Pilatus. Bei Bürgermeister Matthias Rudolph habe sie ein offenes Ohr gefunden. Bisher aber habe sich auch bei der städtischen Wohnungswirtschaft keine Lösung ergeben. Bei privaten Vermietern genüge oft das Stichwort „Job-Center“, um das Gespräch zu beenden.

Unterstützung erhält sie, wie schon beim Stadtfest im vorigen Sommer, von Andreas Engel, der als Peter-Maffay-Double auftritt. Sein Versuch, beim Fest Spenden zu sammeln, war ein Schlag ins Wasser. Immerhin ist bei anderen Auftritten genügend Geld zusammengekommen, um davon einen modernen Fernseher zu kaufen. Bilder und Geräusche sollen Leons Wahrnehmung stärken, sagt Ina Hebert.

Das war ein Hoffnungszeichen: Ina Hebert und Maffay-Double Andreas Engel am Krankenbett von Leon - mit dem Fernseher, der aus Spendengeld gekauft werden konnte. Er soll helfen, Leons Wahrnehmung zu fördern.

Ina Hebert

Andreas Engel unterstützt Ina Hebert auch jetzt noch. „Leon ist mir ans Herz gewachsen“, sagt er. Ihn stimme traurig, wie Mutter und Kind hin- und hergeschubst werden. Er hat bei seinem Einsatz für Leon auch schon Enttäuschungen einstecken müssen, nicht nur beim Auftritt in Fürstenwalde. Andreas Engel hat schon versucht, Peter Maffay selbst einzuspannen. „Aber am Ende war immer etwas anderes wichtiger.“

Über Spendenkonto kann Leon unterstützt werden

Als Bürgergeld-Empfängerin ist das Geld bei Ina Hebert chronisch knapp, sie müsse zum Beispiel beim Job-Center um die Finanzierung für Medikamente nachsuchen, die von der Krankenkasse abgelehnt würden. Wo Geld hereinkommt, wie bei den Unterhaltszahlungen des Vaters, werde es sofort auf die Zahlungen angerechnet. Eine legale Ausnahme gibt es: ein Spendenkonto, das Leon-Luka Hebert selbst gehört. (IBAN: DE 67170550504135 389711). Derweil achtet Ina Hebert darauf, im Internet kein neues Wohnungsangebot zu verpassen, schaut sich auf den Straßen um. „Ich lasse nichts unversucht.“

Kein Newsletter ausgewählt
Melden Sie sich jetzt unkompliziert an und bleiben Sie automatisch informiert.