Den Kopf leicht aus dem Fenster des Löschfahrzeugs gelehnt, setzt Volker Woltersdorf an – rückwärts seitlich einparken und das ohne Kamera und technische Hilfssysteme. Was für viele Autofahrer wohl ein Albtraum wäre, zumal mit einem Fahrzeug dieser Größe, ist für den 50-jährigen Maschinisten der Freiwilligen Feuerwehr Berkenbrück leichtes Spiel. „Das hat gut geklappt“, sagt Wolterdorf nach Abschluss der Übung. Er ist das Fahren ohne Hilfsmittel gewohnt, denn sein 19 Jahre altes Einsatzfahrzeug verfügt ohnehin über keine.
An verschiedenen Orten hat die Feuerwehr Fürstenwalde Übungstationen aufgebaut. Mit dem Schlauchboot über die Spree an der Großen Tränke, ein Unfalleinsatz am OSZ Palmnicken, ein Einsatz in einem verrauchten Gebäude in Berkenbrück und vor der Wache in der Frankfurter Straße ein Fahrsicherheitstraining sind die Stationen an denen sich die Kameraden aus Fürstenwalde und Berkenbrück messen. Vier Teams mit einer je sechsköpfigen Besetzung treten an. „Das ist unsere erste Fürstenwalder Feuerwehr-Rally“, sagt Ausbildungsleiter Jens Günther. Eigentlich wollten er und seine Kollegen an diesem Sonnabend das 140-jährige Bestehen der Fürstenwalder Feuerwehr feiern, doch Corona machte die Pläne zunichte. Nun verbringen sie den Tag damit, sich weiterzubilden.

Schulung zum Umgang mit Elektrofahrzeugen

Während ihre Kollegen mit den Einsatzfahrzeugen durch die Stadt fahren, haben sich etwa 15 Feuerwehrleute aus Wendisch Rietz, Storkow, Bad Saarow, Fürstenwalde und Berlin Hellersdorf aus einem ganz anderen Grund auf der Wache eingefunden. In den nächsten zwei Stunden werden sie den richtigen Umgang mit havarierten Elektrofahrzeugen lernen. Im Hof warten derweil zwei E-Autos und ein Hybrid der Marken VW und Audi auf die genaue Inspektion der Kameraden. Zwei Vertreter der Autohersteller sind anwesend und erklären, wie genau sich die Hochspannungssysteme der Fahrzeuge im Ernstfall abschalten lassen und Brände gelöscht werden können.
Der Leiter der Fürstenwalder Feuerwehr, Jörn Müller, wirft einen Blick unter die Motorhaube eines der Elektroautos. Die Hochvolt-Leitungen sind klar an ihrer grell-orangenen Farbe zu erkennen. Wie genau sie im Fahrzeug verlaufen ist den sogenannten Rettungsdatenblättern der jeweiligen Hersteller zu entnehmen. „Es gibt einige Leitstellen, die über das Kennzeichen den Autotyp und die passenden Rettungsdatenblätter ermitteln können“, erklärt Müller. Denn bei einer Havarie ist es wichtig, den Fahrzeugtyp zu kennen. Doch Müller sagt auch: „Grundsätzlich besteht kein Unterschied beim Löschen eines Elektrofahrzeugs und eines normalen Autos.“ Die verbauten Materialien seien die gleichen.

Ziel ist es, einen Batterie-Brand zu vermeiden

Wenn ein Elektrofahrzeug Feuer fängt, müssten die Einsatzkräfte den Brand so schnell wie möglich unter Kontrolle bringen. „Wir wollen verhindern, dass die Batterie reagiert“, betont Müller. Durch das Kühlen mit Wasser soll die thermische Reaktion innerhalb des Lithium-Ionen-Akkus, der in den meisten E-Autos verbaut ist, unterbunden werden. „Wir gehen davon aus, dass wenn die Batterie nicht selbst betroffen ist, wir Elektrofahrzeuge mit normalen Verfahren löschen können.“ Müller spricht aus Erfahrung. „Einen kleinen Brand hatten wir schon“, sagt er. Um die Jahreswende war ein E-Auto gegen einen Baum gefahren und hatte gebrannt. Doch die Batterie sei verschont geblieben und die Einsatzkräfte hätten konventionell mit Wasser und Schaum gelöscht.
Für Alexander Fischbach von der Freiwilligen Feuerwehr in Berlin Hellersdorf – Jörn Müller hatte ihn aus Berlin mitgenommen – hat sich die Schulung gelohnt. „Es war sehr hilfreich“, sagt er. „Für mich war vieles neu.“ Er wäre froh, wenn es solche Schulungen öfters gäbe. Auch Ausbildungsleiter Jens Günther ist zufrieden mit dem Tag. „Die Kollegen haben alle Aufgaben gut gemeistert“, sagt er. Jetzt wartet nur noch der gemeinsame Ausklang mit den Kameraden und deren Familien. Ein kleiner Trost für das ausgefallene Jubiläumsfest.