Papiermützen für 3 Pfennige, ein Paket Konfetti für 9 Pfennige, moderne Scherzartikel oder Punschgläser – das Silvester-Angebot des Fürstenwalder Kaufhauses Otto Flatauer ließ vor 110 Jahren wenig Wünsche offen.
Der Anzeigenteil der Fürstenwalder Zeitung verrät dem Leser noch heute, was die Menschen damals gern für die Party einkauften. Aber wie beliebt waren eigentlich in den Jahren nach 1900 Knallfrösche, Tischbomben, Raketen, Fontänen und Co.?

1838 erste Feuerwerksfabrik in Deutschland gegründet

Ein Jahreswechsel ohne Knallerei ist für viele Menschen unserer Zeit kaum vorstellbar. Dabei ist die Tradition des privaten Feuerwerks noch gar nicht so alt. Die „Lust- oder Kunstfeuerwerkerei“, wie sie 1906 in Meyers Großem Konversations-Lexikon bezeichnet wird, hatte einst in China ihren Ursprung und wurde im 14. Jahrhundert in Italien verfeinert.
Im Barock dienten große Feuerwerke der höfischen Repräsentation. Bald darauf wurden zu besonderen Anlässen auch in unserer Region öffentliche Feuerwerke entzündet. Die Gründung der ersten deutschen Feuerwerksfirma fällt aber erst in das Jahr 1838.

Öffentliche Vorführungen erfreuen die Menschen zu Silvester

Überraschenderweise finden sich in verfügbaren Quellen wie Adressbüchern und historischen Tageszeitungen kaum konkrete Hinweise auf die Feuerwerkstradition in Fürstenwalde und Umgebung. Zunächst erfreuten sich die Spreestädter offenbar wie anderswo auch an öffentlichen Vorführungen im Rahmen von Feierlichkeiten. So geschehen zum Beispiel beim Einweihungsfest des umgebauten Schützenhauses an der Müncheberger Chaussee (heutige Ernst-Thälmann-Straße) im Juni 1908. In einem Zeitungsartikel heißt es, dass der Wirt zur Eröffnung ein Militärkonzert mit Feuerwerk veranstaltete.
Spätestens nach dem Ersten Weltkrieg muss es aber auch hier Verkaufsstellen für Privatpersonen gegeben haben. Darauf lässt eine kurze Zeitungsmeldung vom 29. Dezember 1925 schließen: „Wer am Silvesterabend Feuerwerk abbrennen will, muß dazu die Genehmigung der Polizei haben. Geschäftsleute, die Minderjährigen Feuerwerkskörper verkaufen, machen sich strafbar.“

Knallbonbons und Springkästen in Fürstenwalde beliebt

Im Silvester-Anzeigenteil der Fürstenwalder Zeitung finden sich in den Jahrgängen zwischen 1895 und 1912 keine Annoncen für den Verkauf von Raketen, Kanonenschlägen und Fontänen. Beliebt waren bei den Partygängern zum Jahreswechsel demnach eher Knallbonbons, Knallbriefe und sogenannte Springkästen.
Anzeige zum Verkauf von Knallbonbons, Bleigießen und Glücksfiguren in Fürstenwalde: Kaufmann Ludwig Glenk aus der Junkerstraße warb im Jahr 1905 damit.
Anzeige zum Verkauf von Knallbonbons, Bleigießen und Glücksfiguren in Fürstenwalde: Kaufmann Ludwig Glenk aus der Junkerstraße warb im Jahr 1905 damit.
© Foto: Henriette Brendler
Dafür werben neben den großen Kaufhäusern der Stadt auch Inhaber kleinerer Geschäfte. Über Jahre präsent mit einer Anzeige für Knallbonbons und Figuren zum Bleigießen ist beispielsweise der Fürstenwalder Kaufmann Ludwig Glenk aus der Junkerstraße 27 (heutige Reinheimer Straße).

Zeitung warnt vor den Folgen der Silvesterschießerei

In den Tagen vor und nach dem 31. Dezember wurde in den 1920er-Jahren aber dennoch ordentlich geböllert. „Da durch den Unfug der Silvesterschießerei schon oft verhängnisvolle Folgen entstanden sind, muß davor nachdrücklich gewarnt werden“, schreibt die Redaktion 1925.
Die mahnende Stimme der Zeitung blieb oft ungehört: In der Silvesternacht des Jahres 1927 „krakeelte ein halbes Dutzend Unreifer“ in der Tuchmacherstraße, als ein junges Mädchen vorbeilief. „Die Burschen bombardierten das Mädchen mit Feuerwerkskörpern. Dabei geriet das Kleid der Bedrängten in Brand“, heißt es im Artikel. Nur durch das Eingreifen „einiger kurzentschlossener Frauen“ konnte Schlimmeres verhindert werden.

Kanonenschläge krachten durch die Straßen

Und Silvester vor 100 Jahren? Das Wetter war regnerisch-mild bei acht Grad. Das hielt die Leute aber nicht vom Feiern ab. „Der Abschied vom alten Jahr vollzog sich in den üblichen Formen. Schon im Laufe des Nachmittags krachten in den Straßen die üblichen ‚Kanonenschläge‘. Dazu explodierten ‚Frösche‘ und bengalische Feuer leuchteten auf“, beschreibt das Lokalblatt am 3. Januar 1923.