Ähnliches berichtet Marina Runge von der Villa Contessa. "Das Telefon steht kaum still, die Leute lechzen nach Urlaub", sagt sie. Pfingsten seien ihre beiden Häuser voll, und auch für die Zeit danach sei sie ausgebucht. Mit den geltenden Vorschriften, unter denen der Hotelbetrieb stattfinden darf, komme sie gut zurecht. Hygiene habe in der Branche auch schon vor Ausbruch der Pandemie eine große Rolle gespielt; dass ihre Mitarbeiterinnen bei Kosmetik-Behandlungen eine Schutzmaske tragen, sei nichts Neues. Andererseits muss sie, wie alle Kollegen aus der Branche, noch mit Einschränkungen leben: Der Wellnessbereich ist nach wie vor geschlossen.
Beim Thema Abstand im Restaurantbereich kommt Marina Runge das Konzept zugute, dass sie schon seit einer Weile verfolgt. Das Frühstück wird den Gästen aufs Zimmer serviert. Wo dies nicht möglich ist, wird es kompliziert, wie Jörn Peters vom Landhaus Alte Eichen berichtet. Das Frühstück lasse er auf Tabletts an die Tische bringen, alles sei abgepackt, nach jedem Gast müsse alles desinfiziert werden. Und es gebe ein Kapazitätsproblem, weil weniger Tische genutzt werden dürfen als zu normalen Zeiten. "Wir müssen das Frühstück in zwei Durchläufen organisieren", beschreibt Peters. Damit das überhaupt funktionieren kann, habe er die Frühstückszeit um eine Stunde verlängert. "Alles muss viel genauer durchgeplant werden", ist eine seiner Erkenntnisse in der Corona-Zeit.
Für eine ganz andere Strategie haben sich unterdessen die drei größten Häuser im Kurort entschieden. Sowohl das Hotel Esplanade als auch das Arosa- und das Aja-Resort sind vorerst weiterhin geschlossen. "Wir öffnen erst ab 12. Juni wieder", kündigt Esplanade-Direktor Tom Cudok an. Er wolle nicht "hauruck" wieder aufmachen, sondern sich zunächst um Infektionsschutzmaßnahmen kümmern. Dazu gehörten unter anderem Wegeleitsysteme. Für die gastronomischen Bereiche arbeite man an Alternativen zu den derzeit verbotenen Bufetts. Die Schließzeit werde für Baumaßnahmen genutzt, unter anderem im Spa-Bereich. Im Einsatz sei derzeit ein Teil der insgesamt 132 Mitarbeiter. Sie kümmern sich unter anderem um Buchungsanfragen und um die Instandhaltung der Immobilie.
Eine ähnliche Strategie fahren das Arosa und das Aja, die beide zur DSR Hotel Holding gehören. "Damit wir gemeinsam in eine neue und sichere ,Normalität‘ starten können, arbeiten wir bis voraussichtlich Ende Juni an Schutz- und Hygienekonzepten, die unseren Gästen einen weitgehend störungsfreien Urlaub ermöglichen, aber auch alle Mitarbeiter und Gäste umfangreich schützen", sagt Unternehmenssprecherin Michaela Störr. Dafür werde auch ein eigener medizinischer Beirat aus Experten eingerichtet. Ein genaues Datum für den Neustart im Arosa und Aja steht noch nicht fest. Ab Anfang Juli wolle man wieder Gäste begrüßen.

Auch Langzeit-Buchungen

Wer mit den Hoteliers spricht, stößt auf eine Mischung aus Optimismus und Zweifel. Nicht nur das Hotel Am Werl und die Villa Contessa, auch das Landhaus Alte Eichen berichtet von starken Buchungszahlen. "Am Pfingstwochenende sind wir ausgebucht, und ein großer Teil unserer Gäste bucht für einen längeren Zeitraum von bis zu drei Wochen", sagt Peters. Nach seiner Vermutung liegt dies daran, dass zurzeit noch keine Urlaubsreisen ins Ausland möglich sind. Auf der anderen Seite bedeuteten weniger Tische im Restaurant auch weniger Umsatz, ebenso wie abgesagte Familienfeiern. Auch Marina Runge erwähnt die Verluste, die die Branche bereits gemacht habe. Jetzt hoffe sie, dass die Lage sich normalisiert.