Wahltag im Löwenberger Land: Am Sonntag, 9. Oktober, soll die Frage beantwortet werden, wer die Nachfolge von Bürgermeister Bernd-Christian Schneck antritt. In der Stichwahl kommt es zum Duell zwischen Stephan Richter (Wählergruppe Bürger für das Löwenberger Land/BLL) und dem unabhängigen Kandidaten (BVB/Freie Wähler). Die Auszählung ist beendet. Der Sieger steht fest. Das sind die ersten Reaktionen.
Amtsinhaber Bernd-Christian Schneck, der 1992 zunächst als Amtsdirektor die Geschicke übernahm und sechs Jahre später Bürgermeister im Löwenberger Land wurde, hatte im Februar angekündigt, für eine weitere Legislaturperiode nicht zur Verfügung zu stehen. Um die Nachfolge des SPD-Politikers bewarben sich eine Frau und drei Männer. Michaela Erdner (Familien stärken; Demokratie leben) und Vasco Piehl (AfD) mussten sich nach der ersten Wahlrunde am 18. September verabschieden.

Auszählung der Stichwahl – Endergebnis

Wahlgebiete ausgezählt: 15/15
Wahlbeteiligung: 39,5 Prozent
● Stephan Richter (BLL) 1951 Stimmen (49,5 Prozent)
● Pieter Schneider (BVB/Freie Wähler) 1990 Stimmen (50,5 Prozent)

So wählte das Löwenberger Land

● Stephan Richter gewann in: Briefwahl, Grieben; Großmutz und Glambeck; Linde; Löwenberg; Neulöwenberg
● Pieter Schneider gewann in: Falkenthal; Grüneberg; Häsen, Klevesche Häuser und Neuhäsen; Hoppenrade; Liebenberg; Nassenheide; Neuendorf; Teschendorf
● Unentschieden: Gutengermendorf

Spannung bis zum Schluss

Die Stichwahl entwickelt sich zu einem Krimi. Schon 34 Minuten nach Schließung der Wahllokale waren 13 von 15 Wahlgebieten ausgezählt. Schneider führte zu diesem Zeitpunkt mit 56,3 Prozent. Sein Vorsprung: 315 Stimmen. Noch nicht ausgezählt waren der Bereich Löwenberg und die Briefwähler. 19:08 Uhr flogen die Ergebnisse aus Löwenberg ein: Richter gewann mit 233:138 Stimmen und verkürzte auf einen Rückstand von 217. Die Briefwahl musste entscheiden. Richter holte 492 Stimmen. Zu wenig, um Schneider noch abzufangen (451).

Das sagt der neue Bürgermeister

Der frisch gewählte Bürgermeister Pieter Schneider dankt allen Wählern, Unterstützern, Freunden und besonders seiner Familie. Alle hätten sich in den letzten Wochen für diesen Wahlsieg engagiert. „Vielen Dank für dieses Ergebnis. Ich bin sehr glücklich und freue mich auf den Neustart im Löwenberger Land.“ Eine wahrlich aufregende, aufreibende und sehr anstrengende Wahlkampfzeit gehe zu Ende. „Mit großer Demut gehe ich in das Amt des Bürgermeisters und werde alles geben, um die in mich gesetzten Erwartungen auch zu erfüllen.“
Péter Vida, Landesvorsitzender BVB/Freie Wähler, freut sich über den Wahlerfolg: „Pieter Schneider ist eine große Sensation gelungen. Sich in der Stichwahl gegen den Favoriten durchzusetzen, der von gleich drei Parteien (BLL, SPD und CDU) unterstützt wurde, ist ein starkes persönliches Ergebnis und macht den Veränderungswillen in der Gemeinde überdeutlich.“ Die Wählerinnen und Wähler hätten sich mit für einen Neustart entschieden. Der Neustart bedeutet nach Schneiders Motto: „Mehr Mut, Mehr Tempo und Mehr Wir.“ Dafür sei der Mann aus Liebenberg angetreten „und möchte das gemeinsam mit Verwaltung, Politik und den Bürgern im Löwenberger Land umsetzen“.
Nach dem anstrengenden Wahlkampf stehe jetzt die konstruktive Sacharbeit im Vordergrund. Das ist es, was die Bevölkerung von allen politischen Akteuren erwarte. „Ich wünsche mir, dass haupt- und ehrenamtliche Politik die Kraft und Stärke finden, im Sinne der Menschen und unserer Gemeinde an einem Strang zu ziehen. Wir leben in aktuell schwierigen Zeiten und leider sieht es noch nicht nach einer Besserung in der nahen Zukunft aus.“ Deshalb gelte es, in der Sache nach der besten Lösung zu suchen und sie mit vereinten Kräften in die Tat umzusetzen. „Damit dies gelingt, werde ich in den nächsten Wochen mit der Gemeindevertretung und den demokratischen Fraktionen in den Dialog treten. Ebenso mit Bernd-Christian Schneck, um einen guten Übergang zu gewährleisten,“ so Schneider.

Das sagt der Wahlverlierer

Stephan Richter äußerte sich kurz nach dem Ende der Auszählung. „Natürlich bin ich enttäuscht – vor allem, weil das Ergebnis so knapp ausgefallen ist.“ Einen Grund dafür könne er nicht benennen. „Vielleicht habe ich die Menschen mit meinen sachlichen und fachlichen Argumenten doch nicht so erreicht, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Den Kopf werde er deshalb nicht hängen lassen. „Jetzt werde ich mich erst einmal auf das Wichtigste in meinem Leben konzentrieren, auf meine Kinder und meine Lebensgefährtin.“ Der Wahlkampf habe eigentlich schon im April begonnen, „sie haben oft auf mich verzichten müssen“. Nun hätten sie ein Anrecht, „dass ich mich wieder ganz ihnen widme. Das will ich machen, darauf freue ich mich.“

So geht es nach der Wahl weiter

Noch-Bürgermeister Bernd-Christian Schneck (SPD) spach über das weitere Prozedere. „Als Nächstes muss nun der Wahlausschuss tagen, damit aus dem vorläufigen das amtliche Endergebnis wird.“ Für Dienstag, 25. Oktober, sei eine Sondersitzung des Löwenberger Gemeindeparlamentes angesetzt, in der das Ergebnis offiziell bekannt gegeben und der Gewinner der Wahl als neuer Bürgermeister benannt wird. Bis zum Ausscheiden von Bernd-Christian Schneck am 15. November muss dann die Amtsübergabe erfolgen.
Vor dem Hintergrund, dass in den zuständigen Gremien möglichst schnell der Haushaltsplan für das Jahr 2023 besprochen werden kann, lädt Schneck seinen Nachfolger zu ersten Gesprächen in die Verwaltung ein. „Ich gratuliere Pieter Schneider nach dem ausgesprochen intensiv geführten Wahlkampf, bei dem nach meiner Wahrnehmung die beiden Kandidaten an die Grenze des physisch und psychisch Leistbaren gegangen sind.“

So lief die erste Runde der Wahl

Am Sonntag, 9. Oktober, kam es zur Stichwahl. In diese zogen Stephan Richter (Wählergruppe Bürger für das Löwenberger Land/BLL) mit dem besten Ergebnis ein. Der Familienvater aus Linde, der als Planungsingenieur für Strom- und Telekommunikationstrassen in Groß Dölln tätig ist, holte 1860 Stimmen (45,2 Prozent). Sein Kontrahent auf dem Wahlzettel ist Pieter Schneider (1561 Stimmen/37,9 Prozent).

Zahlen rund um den Wahltag

Alle Wahllokale im Löwenberger Land hatten pünktlich öffnen können. Es fehlte kein Schlüssel, die Wahllokale waren eingerichtet, die Urnen standen bereit. Martina Kranich, Wahlleiterin der Großgemeinde, war mit der Arbeit der Helfer zufrieden.
108 Wahlhelfer waren im Einsatz, damit die 7292 wahlberechtigten Einwohner in ihren Ortsteilen an der Wahl des neuen Bürgermeisters teilnehmen konnten. „Ich freue mich, dass wir inzwischen einen festen Stamm an Helfern haben, auf den wir zurückgreifen können. Das ist toll“, so Martina Kranich. In den letzten Tagen hatten sich einige Helfer krankheitsbedingt abgemeldet. „Da muss ich schnell reagieren können. Aber das hat gut geklappt.“ Denn auch die Zahl der jüngeren Helfer steige stetig, berichtet sie weiter. Es seien viele Hinzugezogene, die sich auf diese Weise in ihren Ortsteilen und für die Gemeinde engagieren wollten. Insofern läuft die Wahl.

Erste Zahlen zur Wahlbeteiligung

Zufrieden war die Wahlleiterin auch mit der Wahlbeteiligung, die sie stichpunktartig zwischen 13.30 und 14.20 Uhr erfragt hatte. Danach hatten zu diesem Zeitpunkt in Liebenberg bereits 52,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben, in Falkenthal und Häsen je 43,5 Prozent, in Gutengermendorf 41,8, in Glambeck/Großmutz 35,7 Prozent, in Teschendorf 32,8 Prozent und in Grüneberg immerhin schon 31,8 Prozent. Schlusslicht mit einem Wert von 19,4 Prozent war Nassenheide.
Zufrieden war Martina Kranich, weil die Zahlen durchaus als Indiz dafür gewertet werden können, dass das erforderliche Quorum von 15 Prozent für die Bürgermeisterwahl erfüllt werden kann.

Das sind die beiden Kandidaten

Der Falkenthaler Pieter Schneider trat als unabhängiger Kandidat an und wurde von den Freien Wähler unterstützt. Die Mitglieder der Fraktion Linke/FDL hatten Schneider (der 50-Jährige ist Gründungsmitglied der Falkenthaler Füchse) in der Stichwahl unterstützt, wie Fraktionschef Ralf Ulrich Steinberg mitteilte. Sie hatten zuvor Michaela Erdner unterstützt. Ralf Wunderlich, Ortsvorsitzender im Löwenberger Land, betont aber, dass seine Partei keine Wahlempfehlung, „außer zur Wahl zu gehen“, abgeben werde.

Der Werdegang der Kandidaten

■ Stephan Richter ist Kandidat der Wählergruppe „Bürger für das Löwenberger Land“. Unterstützt wird der gebürtige Kyritzer von CDU und SPD.
In Linde lebt Richter (Jahrgang 1982) in einer langjährigen Lebensgemeinschaft (zwei Kinder, 9 und 5 Jahre). Er fungiert in seiner Freizeit als Vorsitzender des Löwenberger SV.
Nach der Ausbildung zum Vermessungstechniker folgten Anstellungen im Katasteramt sowie bei einem öffentlich bestellten Vermessungsingenieur.
2005 holte Richter die Fachhochschulreife nach, um ein Bachelorstudium im Bereich Geoinformation sowie das Masterstudium zum Geoinformatiker anzuschließen.
Nach einer freiberuflichen Tätigkeit und einem Engagement bei den Stadtwerken Zehdenick ist Richter nun als Planungsingenieur für Strom- und Telekommunikationstrassen in Groß Dölln tätig.
■ Pieter Schneider tritt als unabhängiger Kandidat an. Unterstützung kommt von den Freien Wählern.
Der 50-Jährige bezeichnet sich als glücklicher Vater in einer Patchworkfamilie mit zwei Kindern (25 und 12 Jahre alt).
Aufgewachsen in Häsen und Bergsdorf, lebte Schneider 16 Jahre in Falkenthal (o er Gründungsmitglied des Fußballvereins war) und seit 2006 in Liebenberg.
Im beruflichen Bereich sammelte er viele Jahre Führungserfahrung in der Entwicklung von Geschäftsfeldern und Teams, unter anderem im Handwerk und Bau, in der Hotellerie, im Eventbereich, der Landwirtschaft, im Versandhandel und im Bereich Medien und IT.
Stephan Richter, Vorsitzender des Löwenberger SV, konnte sich über die Unterstützung von CDU und SPD freuen. Beide hatten sich schon vor dem ersten Wahlgang auf die Seite des gebürtige Kyritzers geschlagen.

So wird im Löwenberger Land gewählt

Knapp 7500 Bürgerinnen und Bürger des Löwenberger Landes waren stimmberechtigt. Am 18. September hatte die Wahlbeteiligung 56,9 Prozent betragen. Wahlberechtigt waren auch diesmal alle Einwohner ab 16 Jahren. In den 17 Ortsteilen gab es 14 Wahllokale, die um 8 Uhr öffneten. Zehn Stunden später begann die Auszählung.

Quorum muss erreicht werden

Der hauptamtliche Bürgermeister wird nach den Grundsätzen der Mehrheitswahl für die Dauer von acht Jahren gewählt. Der Kandidat, der die meisten Stimmen auf sich vereint, gewinnt. Die Mehrheit muss jedoch mindestens 15 Prozent der wahlberechtigten Personen umfassen. Erhält kein Bewerber diese Mehrheit, so wählt die Gemeindevertretung den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin.

Wo sind die Wahllokale?

● Löwenberg (Sitzungsraum der Gemeinde, barrierefrei), Alte Schulstraße 5
● Linde (Dorfgemeinschaftshaus), Griebener Chaussee 9
● Grüneberg (Alte Schule), Dorfanger 61
● Neulöwenberg (Gaststätte „Charlottenhof“), Neulöwenberger Straße 26
● Liebenberg (Gemeinderaum), Parkweg 4
● Grieben (Gemeindehaus), Dorfstraße 37b
● Großmutz (Gemeindehaus), Großmutzer Dorfstraße 75
● Hoppenrade (Schlosszimmer/Kircheneingang), Parkstraße 2
● Falkenthal (Gemeindezentrum), Am Dorfzentrum 4
● Klevesche Häuser Versammlungsraum der freiwilligen Feuerwehr), Klevesche Häuser 22
● Teschendorf (Kantine), Haupstraße 39
● Gutengermendorf (Gemeindezentrum), Gutengermendorf 104
● Neuendorf (Gemeinderaum), Weg zum See 1
● Nassenheide (Dorfgemeinschaftshaus), Am Dorfanger 25
In Großmutz wählen auch die Glambecker mit, in Klevesche Häuser wählen die Häsener und Neuhäsener mit.