Nach mehr als 30 Jahren auf dem Chefposten vom Löwenberger Land hat er genug: Bürgermeister Bernd-Christian Schneck (SPD) zieht sich freiwillig zurück. Bei der Bürgermeisterwahl am Sonntag, 18. September, kandidierte er nicht mehr. Die Auszählung ist erfolgt, das Ergebnis steht fest. Wie ist die Wahl ausgegangen? Muss eine Stichwahl erfolgen? Wer waren die vier Kandidaten für die Nachfolge?
Die Wahllokale im Löwenberger Land schlossen um 18 Uhr. Danach begannt sofort die Auszählung. Diese war auch von Kandidaten, die sich um die Nachfolge von Schneck bewerben, mit Spannung verfolgt worden. Ins Rennen gegangen waren Michaela Erdner (Familien stärken; Demokratieleben, FDL), Vasco Piehl (AfD), Stephan Richter (Bürger für das Löwenberger Land) und Pieter Schneider (BVB/Freie Wähler – Gemeinsam für Löwenberger Land).

Auszählung der Stimmen – Endstand

(ausgezählte Gebiete: 15/15)
(Wahlbeteiligung 56,9 Prozent)
Stephan Richter (BLL) 1860 Stimmen - 45,2 Prozent
● Pieter Schneider (BVB/Freie Wähler) 1561 Stimmen - 37,9 Prozent
● Vasco Piehl (AfD) 522 Stimmen - 12,7 Prozent
● Michaela Erdner (FDL) 176 Stimmen - 4,3 Prozent

Gute Wahlbeteiligung im Löwenberger Land

Die Wahlleiterin im Löwenberger Land, Martina Kranich, war in den nachmittagsstunden zufrieden. „Bis jetzt lief alles glatt und ruhig“, sagte sie gegen 16 Uhr. Von den 1064 ausgelieferten Briefwahlunterlagen seien bis zu diesem Zeitpunkt schon 1019 im Amt gelandet. „Das sind 95,77 Prozent“, so Kranich. Gegen 15.30 Uhr hatte sich die Wahlleiterin in einigen Wahllokalen nach der Wahlbeteiligung erkundigt. Das waren die Ergebnisse:
Löwenberg: 34 Prozent
Neulöwenberg: 55 Prozent
Linde: 49 Prozent
Liebenberg: 54 Prozent
Gutengermendorf: 51,5 Prozent
Grüneberg: 35,3 Prozent
Teschendorf: 44 Prozent
Hoppenrade: 43,4 Prozent
Falkenthal: 42,6 Prozent
Häsen: 43,5 Prozent und
Hoppenrade: 42 Prozent
„Erfahrungsgemäß passiert da aber noch ein bisschen was, wenn die Leute mit Kaffeetrinken fertig sind“, sagt Martina Kranich.

109 Wahlhelfer waren im Einsatz

Im Löwenberger Land hatte am Sonntag die erfahrene Wahlleiterin Martina Kranich das Heft in der Hand. Seit 30 Jahren kümmert die Fachdienstleiterin im Hauptamt im Löwenberger Land um die korrekten Wahlabläufe. Zuerst als stellvertretende Wahlleiterin und seit 2008 als Leiterin. Insgesamt 109 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer hatte sie am Sonntag in 14 Wahllokalen im Löwenberger Land im Einsatz. Morgens um 8 Uhr hatte sie von allen Wahllokalen in den Ortsteilen eine Rückmeldung erhalten: „Wir sind startklar.“
Für die Bürgermeisterwahl im Löwenberger Wahl gab es nur einen Wahlzettel mit den vier Kandidaten. Kommt es zur Stichwahl müssen neue Zettel gedruckt werden.
Für die Bürgermeisterwahl im Löwenberger Wahl gab es nur einen Wahlzettel mit den vier Kandidaten. Kommt es zur Stichwahl müssen neue Zettel gedruckt werden.
© Foto: Burkhard Keeve

Hohe Zahl an Briefwählern

Schon am Freitag zeichnete sich für Martina Kranich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Sie macht das am Rücklauf der Briefwahlunterlagen fest, die bislang im Amt landeten. „Schon jetzt sind rund 90 Prozent aller Briefwahlunterlagen bei uns eingetroffen. Das ist wider Erwarten viel“, sagte Kranich am Freitag. Insgesamt waren das 1060 Stimmzettel. „Bei den vergangenen Wahlen hatten wir deutlich weniger, so um die 890.“
Ob es zur Stichwahl am 9. Oktober kommt, wird erst nach Auszählen der Stimmen ab 18 Uhr klar. Doch schon jetzt die Briefwahlunterlagen dafür da. Was fehlt, sind dann nur noch die entsprechenden Stimmzettel mit den beiden Bewerbern, die am Sonntag die meisten Stimmen erhalten haben. Liegt das aktuelle Ergebnis vor und ist kein eindeutiges Votum abgegeben worden, „müssen die Stimmzettel nachgedruckt werden“, so Martina Kranich. „Die Druckerei ist natürlich informiert.“
Die Wahlurne (hier in Grüneberg) ist mehrfach versiegelt worden.
Die Wahlurne (hier in Grüneberg) ist mehrfach versiegelt worden.
© Foto: Burkhard Keeve
Alles ist zur Stimmzettelauszählung im Löwenberger Land organisiert und abgestimmt. Um 15 Uhr trifft am Sonntag der siebenköpfige Briefwahlvorstand in der Löwenberger Verwaltung. Ab 15.30 Uhr werden die Briefe dann geöffnet. Aber nur die äußeren Umschläge. Der Umschlag mit dem Stimmzettel landet in der Wahlurne. Kurz zuvor schaut Martina Kranich noch einmal in den Briefkasten der Verwaltung, ob dort noch Briefwahlunterlagen enthalten sind.

Löwenberg

Punkt 18 Uhr beginnt dann die Auszählung. Für Martina Kranich ist die Bürgermeisterwahl der letzte Abstimmungsmarathon. „Bei der nächsten Wahl bin ich nicht mehr dabei“, sagt sie. Dann sei sie im Ruhestand. Am heutigen Sonntag wird sie von ihrer Kollegin Ramona Kubale, ebenfalls Mitarbeiterin im Hauptamt.

Mit der Lupe in der Wahlkabine

Kurz vor dem Mittagessen ist auch Christel Walter aus Löwenberg wählen gegangen. Die schwer sehbehinderte 82-Jährige wurde von ihrer Tochter ins barrierefreie Wahllokal in der Verwaltung des Löwenberger Lands begleitet. In der Wahlkabine hat sie mit einer Lupe den Stimmzettel angeschaut und ihr Kreuz gesetzt. „Ich habe mich gut informiert gefühlt. Zu uns ist die Kandidatin Michaela Erdner gekommen und hat sich vorgestellt. Wir hatten aber auch Prospekte von den anderen Kandidaten. Der Wahlzettel war schnell ausgefüllt. Das war einfach“, so die 82-Jährige.
Die 82-jährige Christel Walter aus Löwenberg überprüft mit einer Lupe den Wahlzettel.
Die 82-jährige Christel Walter aus Löwenberg überprüft mit einer Lupe den Wahlzettel.
© Foto: Burkhard Keeve

Schneck will keine Stichwahl im Löwenberger Land

Kurz vor neun Uhr machte sich der aktuelle Bürgermeister Bernd-Christian Schneck mit seiner Frau Jutta auf den Weg ins Wahllokal. Der 61-Jährige war merklich gut gelaunt. Geht es doch jetzt nicht mehr um seine Person, wie bei den vergangenen Wahlen. Noch einmal acht Jahre als hauptamtlicher Bürgermeister, das konnte er sich nicht vorstellen. Jüngere sollen jetzt übernehmen, so sein Credo. Doch mit seiner Ankündigung nicht mehr antreten zu wollen, machte er es den Wähler im Löwenberger Land nicht einfach. Plötzlich haben sie die Qual der Wahl.
Noch ist Bernd-Christian Schneck (SPD) Bürgermeister im Löwenberger Land. Hier bei seiner Stimmabgabe im Grüneberger Wahllokal.
Noch ist Bernd-Christian Schneck (SPD) Bürgermeister im Löwenberger Land. Hier bei seiner Stimmabgabe im Grüneberger Wahllokal.
© Foto: Burkhard Keeve
Denn bislang war Schneck stets der einzige Kandidat um das Bürgermeisteramt im Löwenberger Land gewesen. Und so überraschte es am Sonntag nicht, als Schneck vor dem Wahllokal in der alten Grüneberger Schule von einem Landwirt auf dem Weg zur Stimmabgabe angesprochen wird. „Du hättest einfach weitermachen sollen. So machst du es uns jetzt schwer, vorher war es schön einfach.“ Schneck nimmt das schmunzelnd zur Kenntnis. Er rief schließlich noch alle Wählerinnen und Wähler auf, ihre Stimmzettel auch abzugeben. Denn mit einer hohen Wahlbeteiligung hofft Schneck noch am Abend auf ein eindeutiges Ergebnis. Schneck: „Es wäre schön, wenn uns und den Wahlhelfern eine Stichwahl erspart bleibt.“

So läuft die Bürgermeisterwahl im Löwenberger Land

■ Knapp 7500 Bürgerinnen und Bürger sind stimmberechtigt. Wahlberechtigt sind alle Einwohner des Löwenberger Landes ab 16 Jahren.
■ Die hauptamtliche Bürgermeisterin oder der hauptamtliche Bürgermeister wird nach den Grundsätzen der Mehrheitswahl für die Dauer von acht Jahren gewählt. Bernd-Christian Schneck war über 30 Jahre im Amt.
■ Zur Wahl ist eine absolute Mehrheit der gültigen Stimmen notwendig. Erzielt keiner der Kandidaten diese im ersten Wahlgang, kommt es zu einer Stichwahl der beiden Bewerber mit den meisten Stimmen. Termin: 9. Oktober.
■ Quorum: Die Mehrheit muss jeweils mindestens 15 Prozent der wahlberechtigten Personen umfassen. Erhält kein Bewerber diese Mehrheit, so wählt in diesem Fall die Gemeindevertretung den Bürgermeister oder die Bürgermeisterin.

Wo sind die Wahllokale?

110 Wahlhelferinnen und -helfer sind im Einsatz. Insgesamt gibt es in den 17 Ortsteilen des Löwenberger Landes 14 Wahllokale.
● Löwenberg (Sitzungsraum der Gemeinde, barrierefrei), Alte Schulstraße 5
● Linde (Dorfgemeinschaftshaus), Griebener Chaussee 9
● Grüneberg (Alte Schule), Dorfanger 61
● Neulöwenberg (Gaststätte „Charlottenhof“), Neulöwenberger Straße 26
● Liebenberg (Gemeinderaum), Parkweg 4
● Grieben (Gemeindehaus), Dorfstraße 37b
● Großmutz (Gemeindehaus), Großmutzer Dorfstraße 75
● Hoppenrade (Schlosszimmer/Kircheneingang), Parkstraße 2
● Falkenthal (Gemeindezentrum), Am Dorfzentrum 4
● Klevesche Häuser Versammlungsraum der freiwilligen Feuerwehr), Klevesche Häuser 22
● Teschendorf (Kantine), Haupstraße 39
● Gutengermendorf (Gemeindezentrum), Gutengermendorf 104
● Neuendorf (Gemeinderaum), Weg zum See 1
● Nassenheide (Dorfgemeinschaftshaus), Am Dorfanger 25
In Großmutz wählen auch die Glambecker mit, in Klevesche Häuser wählen die Häsener und Neuhäsener mit.