Während die Bereitschaft weiterhin sehr groß ist, den Menschen in der Ukraine durch Sach- und Geldspenden zu helfen, sei es zurzeit extrem schwierig, Kriegsflüchtlinge privat unterzubringen. Einige kamen in dieser Woche zwar schon in Grüneberg unter, mittlerweile sei es aber schon deutlich schwieriger, private Quartiere in der Umgebung zu finden, sagte Anja Steinleger aus Zehdenick-Neuhof, die zusammen mit ihrem Mann Martin die Hilfsaktion der in Marienthal lebenden Ukrainerin Maryna Kruschel seit einer Woche unterstützt.

Mit Spenden hin, mit Flüchtlingen zurück

Sie müsse sich jedes Mal die Finger wund telefonieren, wenn Helfer auf dem Rückweg von der polnisch-ukrainische Grenze nahe der Stadt Budomierz Menschen mitbringen, die vor dem Krieg in ihrem Land flüchten, berichtete Anja Steinleger am Sonnabend, während auf ihrem Grundstück in der Waldfriedenstraße 6b in Neuhof gerade mal wieder ein Kleintransporter mit Hilfsgütern beladen wurde. Auf schnelle Hilfe hatten Anja Steinleger und ihr Mann Martin unter anderem vom Landkreis Oberhavel gehofft, der in dieser Woche verkündet hatte, kurzfristig in Oranienburg 200 Kriegsflüchtlinge unterbringen zu können. Doch konkrete Hilfe habe sie bei der Hotline nicht bekommen. Sie habe dann ihre E-Mail-Adresse wie gewünscht hinterlassen, bislang aber keine Reaktion erfahren. Unterstützung erhoffte sich Anja Steinleger aber auch von der Stadt Zehdenick. Nicht einer habe sich gemeldet, um in Erfahrung zu bringen, wo die Kommune möglicherweise Unterstützung geben könne. Es wäre wichtig, wenn sich Einwohner irgendwo registrieren lassen könnten, die ein privates Quartier zur Verfügung stellen wollen. Dann könne viel schneller reagiert werden. „Da hätte ich mir mehr Unterstützung von der Stadt erwartet“, so Steinleger. „Es fehlt einfach an Koordination, um den Menschen hier vor Ort schnell zu helfen“, so Steinleger.
Anja Steinleger und ihr Mann Martin unterstützen die Hilfsaktion von Maryna Kruschel in Zehdenick. Helfer bringen die Sachspenden zur Übergabe an die polnisch-ukrainische Grenze und bringen von dort Kriegsflüchtlinge mit nach Deutschland.
Anja Steinleger und ihr Mann Martin unterstützen die Hilfsaktion von Maryna Kruschel in Zehdenick. Helfer bringen die Sachspenden zur Übergabe an die polnisch-ukrainische Grenze und bringen von dort Kriegsflüchtlinge mit nach Deutschland.
© Foto: Martin Risken

Spenden werden von Zehdenick ins Lager nach Fürstenberg gefahren

Weil ihr Keller bereits voll mit Sachspenden ist und der Doppel-Carport bis unters Dach voll gestellt ist mit Kleidung, Hygieneartikel und haltbaren Lebensmittel, die in Kartons verpackt sind, müssen die Spenden immer wieder verladen und in ein Lager gebracht werden, das sich auf dem Gelände der Alten Reederei in Fürstenberg befindet. Auch dabei sind die Organisatoren auf fremde Hilfe angewiesen, auf Fuhr- und Taxiunternehmen, die ihre Fahrzeuge mit Fahrern zur Verfügung stellen. So wie die Firma Personenbeförderung Andre Witte aus Fürstenberg, die am Sonnabend Sachspenden aus Wulkow nach Zehdenick gebracht hatte. Doch anstatt auszuladen, nahm der Fahrer noch Hilfsgüter mit ins Lager nach Fürstenberg.

Frankfurt (Oder)/ Cottbus

In Neuhof gelten jetzt eingeschränkte Annahmezeiten

Seit dem Start ihrer Sammelaktion am Sonntag, 27. Februar, sind allein in Neuhof mindestens 30 Kubikmeter Hilfsgüter abgegeben worden, zum Teil sogar aus Neuruppin kamen Leute in Neuhof vorbei, um die Aktion mit ihren Spenden zu unterstützen. Mittlerweile mussten die Annahmezeiten verkürzt werden, weil der Ansturm in den ersten Tagen enorm gewesen sei. Bis auf Widerruf nehmen sie jetzt täglich von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 18 Uhr Sachspenden in der Waldfriedenstraße 6b in Neuhof an. Vom Lager in Fürstenberg aus werden die Spenden dann direkt an die polnisch-ukrainische Grenze gefahren und von dort aus Flüchtlinge mit nach Deutschland gebracht. Nicht alle wollen in Zehdenick und der Umgebung bleiben, einige konnten ihre Reise zu Verwandten nach Hamburg oder Magdeburg fortsetzen.
Ines Fischer, Nadine Reinicke, Anette Uhde und Sabine Thomalla von der DRK-Katastrophenschutzeinheit Betreuung und Verpflegung haben am Sonnabend in Gransee Sachspenden für Kriegsflüchtlinge entgegen genommen, die in den nächsten Tagen in der Region erwartet werden.
Ines Fischer, Nadine Reinicke, Anette Uhde und Sabine Thomalla von der DRK-Katastrophenschutzeinheit Betreuung und Verpflegung haben am Sonnabend in Gransee Sachspenden für Kriegsflüchtlinge entgegen genommen, die in den nächsten Tagen in der Region erwartet werden.
© Foto: Martin Risken

DRK richtet Sammelstellen in Zehdenick und Gransee ein

Nicht nur in Neuhof wurden am Sonnabend Spenden gesammelt, sondern auch in Zehdenick und Gransee, wo sich erstmalig Ehrenamtler der Katastrophenschutzeinheit „Betreuung und Verpflegung“ des DRK-Kreisverbandes Gransee in den Dienst der guten Sache gestellt hatten. Während es in der alten Havelland-Grundschule in der Hospitalstraße 1 bis Mittag recht schleppend lief, wie Gruppenführer Frank Taubert berichtete, erfreute sich die Annahmestelle in der Friedrich-Wilhelm-Passage in Gransee großer Beliebtheit. „Wir sind echt überwältigt von der Spendenbereitschaft der Granseer“, sagte Ines Fischer vom DRK, die zusammen mit Nadine Reinicke, Anette Uhde und Sabine Thomalla die Annahme organisierte. Einige Spender kamen erst vorbei, um sich zu erkundigen, was konkret gebraucht wird, um gezielt einzukaufen und mit vollen Kisten zurückzukehren. Die vom DRK in Zehdenick und Gransee abgegebenen Sachspenden bleiben aber vor Ort und sollen an die Kriegsflüchtlinge verteilt werden, die in den nächsten Tagen und Wochen in der Region unterkommen sollen. Die Aktion wird kommende Woche Sonnabend in der Zeit von 10 bis 15 Uhr fortgesetzt.
Sybille Trampisch (links) und Sylvia Köhler unterstützen Melanie Jung (Mitte) von der DRK-Katastrophenschutzeinheit, die seit Sonnabend in Zehdenick Sachspenden für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sammelt.
Sybille Trampisch (links) und Sylvia Köhler unterstützen Melanie Jung (Mitte) von der DRK-Katastrophenschutzeinheit, die seit Sonnabend in Zehdenick Sachspenden für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sammelt.
© Foto: Martin Risken

Fußballbegeisterte in Mildenberg mit eigener Sammelaktion

Zu einer spontanen Hilfsaktion hatten sich in dieser Woche auch Mitglieder der SG Mildenberg 23 entschlossen. Bambini-Fußballtrainerin Melissa Baumeister und ihr Freund Justus Schulz erklärten sich bereit, am Sonnabend auf dem Sportplatz in Mildenberg Hilfsgüter anzunehmen. Justus Schulz, Spieler der 1. Männermannschaft der SG Mildenberg, hatte sich dazu einen Kleintransporter bei seinem Arbeitgeber ausgeliehen. Sie brachten die Sachspenden zu einer Ukrainerin beim Pilecki-Institut für polnische Kulturgeschichte nach Berlin-Tegel, wo ein Sammellager eingerichtet worden sei.
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