Demo gegen rechts in Velten
: Rechtsextremes Magazin Compact feiert Fest – Gegendemo mit vielen Teilnehmenden

Velten wird zum Demo-Hotspot. Das rechtsextreme Compact-Magazin wirbt für eine prorussische Kundgebung. Dagegen richten sich zwei andere Demonstrationen. Alle Entwicklungen gibt es hier im Liveticker.
Von
Roland Becker,
Jürgen Liebezeit
Velten
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  • Velten wird zum Demo-Hotspot: Es wurde zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die einen Kontrapunkt gegen die Kundgebung des Compact-Magazins setzen wollen. Die erste Demo in Velten hat begonnen. Etwa 300 Menschen haben sich zum Start am Bahnhof versammelt.

    Velten wird zum Demo-Hotspot: Es wurde zu zwei Kundgebungen aufgerufen, die einen Kontrapunkt gegen die Kundgebung des Compact-Magazins setzen wollen. Die erste Demo in Velten hat begonnen. Etwa 300 Menschen haben sich zum Start am Bahnhof versammelt.

    Roland Becker
  • Mit Musik beginnt vor geschätzt 300 Besuchern das Fest des rechtsextremen Magazin "Compact" am Bahnhof in Velten.

    Mit Musik beginnt vor geschätzt 300 Besuchern das Fest des rechtsextremen Magazin "Compact" am Bahnhof in Velten.

    Jürgen Liebezeit
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Steht Velten ein heißer Tag bevor? Wenige hundert Meter voneinander entfernt werden drei Demonstrationen stattfinden. Das Spektrum reicht von der Kundgebung eines rechtsgerichteten Magazins über eine Demo für Toleranz bis zu einer linken Demonstration.

Letztere wollen lautstark die Kundgebung des rechtsextremen Compact-Magazins stören. Die Polizei rechnet damit, dass eine größere Zahl von Demonstranten aus Berlin und dem Umland nach Velten kommt. Alle aktuellen Infos dazu gibt es in einem Liveticker.

Hier die Tageszusammenfassung:

Aus Protest gegen eine Veranstaltung des rechtsextrem eingestuften Magazins „Compact“ sind in Velten am Ostersonnabend mehr als 300 Menschen gegen Rechtsextremismus sowie für Dialog und Toleranz auf die Straße gegangen. „Compact“-Herausgeber Jürgen Elsässer hatte unter dem Motto „Frieden mit Russland“ zu einer Kundgebung aufgerufen. Auch dort erschienen mehr als 300 Zuhörerinnen und Zuhörer.

Weniger Teilnehmende als erwartet

Die Polizei, die die Gruppen mit starker Präsenz auseinanderhielt, bestätigt die Zahl der Teilnehmenden grundsätzlich nicht, widersprach diesen aber auch nicht. Damit kamen weit weniger Menschen zu den verschiedenen Veranstaltungen, als im Vorfeld angenommen und teilweise befürchtet wurde. Die Veranstalter zeigten sich dagegen jeweils zufrieden mit der Resonanz.

Am Ende des Tages, an dem mehr als 600 Menschen in Velten auf den Straßen unterwegs waren, registrierte die Polizei keine nennenswerten Zwischenfälle. Lediglich am Marktplatz gab es nachmittags auf dem Holi-Fest der Stadt eine Provokation von örtlichen AfD-Anhängern in Velten. Sie erschienen als maskierte Schlümpfe und zündeten eigene blaue Farbbomben. Die Polizei ließ sie trotz Maskierung gewähren, weil kaum einer Notiz von der kleinen Gruppe genommen hatte.

Redner vom rechten Rand

Die „Contact“-Veranstaltung in Velten ist nach Angaben des Magazins im Wahljahr 2024 der Auftakt für eine Reihe von Aktionen in Deutschland. Sie steht unter dem Motto „Blaue Welle“, das die Nähe zur AfD symbolisieren könnte. Dieser These wird jedoch offiziell vehement widersprochen. Als Redner trat in der Ofenstadt unter anderem Ex-AfD-Politiker André Poggenburg auf. Er war Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt und gemeinsam mit Björn Höcke ein Gründer des inzwischen formal aufgelösten rechte Flügels in der AfD. Weitere Rednerin war Doris von Sayn-Wittgenstein, die sich bislang erfolgreich juristisch gegen einen Ausschluss aus der AfD wehren konnte. Zu ihrer aktiven Zeit zählte Sayn-Wittgenstein laut „Spiegel“ als Führungsfigur zum äußersten rechten Teil der AfD.

Statistik widerlegt These

In der Stadt Velten schwelt schon länger ein Konflikt mit „Compact“. Bürgermeisterin Ines Hübner (SPD), die aus persönlichen Gründen am Sonnabend nicht vor Ort war, wurde im vergangenen Dezember in einem Video des Rechtsaußen-Mediums massiv angegriffen, weil sie angeblich nichts gegen den Kriminalitäts-Hotspot Bahnhof unternehme.

Hübner hat danach handfeste Drohmails erhalten. Die Rathauschefin wies die Vorwürfe zurück. Statistiken der Polizei widerlegen die These des Magazins.