Demo in Velten
: Am Bahnhof ein Zeichen für Demokratie setzen – Bündnis für Toleranz ruft auf

In Oranienburg und Gransee wurde bereits für Demokratie und Toleranz sowie gegen Rechtsextremismus demonstriert. Jetzt ist eine solche Kundgebung in Velten geplant.
Von
Roland Becker
Velten
Jetzt in der App anhören

Nach den ersten Demonstrationen in Oberhavel gegen rechte Hetze und für die Stärkung der Demokratie, die im Januar in Oranienburg (Foto) und Anfang Februar in Gransee stattfanden, wird nun auch zu einer Kundgebung in Velten aufgerufen.

Stefan Zwahr

Unter dem Motto „Wofür stehst Du?“ ruft das neu gegründete Bündnis für Dialog und Toleranz zu einer Demonstration in Velten auf. Vonseiten der Organisatoren heißt es: „Ziel ist es, ein deutliches Zeichen für Demokratie und gegen Rassismus, Hass und Hetze zu setzen.“ Zu den Erstunterzeichnern gehören die Pastorin Nele Poldrack aus Leegebruch, Jens-Martin Krieg aus Velten und Annike Knackstedt, bündnisgrüne Abgeordnete von Oberkrämer.

Jens-Martin Krieg gehörte bereits zu denen, die im Mai 2023 zur Gegendemonstration zu einer AfD-Kundgebung auf dem Veltener Marktplatz aufgerufen hatten. Genau aus dieser seit damals noch bestehenden WhatsApp-Gruppe sei Anfang Februar die Idee geboren worden, dass sich auch Velten in die Reihe Hunderter Städte in Deutschland einreihen soll, in denen für die Verteidigung der Demokratie auf die Straße gegangen wird.

Veranstalter hoffen auf mehr 100 Demonstranten

Die Polizeidirektion Nord in Neuruppin bestätigte, dass für Sonnabend, 17. Februar, ab 14 Uhr eine Demonstration auf dem Bahnhofsvorplatz (in Höhe Bäckerei Plentz) angemeldet wurde. Krieg hat der Polizei vorerst eine Teilnehmerzahl von 100 avisiert, hofft aber, dass sich dem Aufruf mehr Menschen aus Velten, Leegebruch, Oberkrämer, Hennigsdorf und umliegenden Orten anschließen: „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es vielleicht mehr werden.“ In Oranienburg hatten im Januar 1500 Menschen, in Gransee am 3. Februar 500 Frauen, Männer und Kinder demonstriert.

Laut Mitorganisatorin Nele Poldrack sind es sowohl die evangelische und katholische Kirchengemeinde als auch die Parteien des gesamten demokratischen Spektrums, die die Demonstration unterstützen. Unter den 15 Initiatoren sind aber auch Bürger und Bürgerinnen, die sich keiner Partei oder Kirche zugehörig fühlen.

Entsprechend bunt soll auch die Rednerliste ausfallen, die im Laufe dieser Woche festgelegt wird. Laut Krieg werden nicht nur, aber auch Vertreter von Parteien sprechen. Rechtsextreme Kreise bis hin zur AfD unterstellen ob der Statements von Politikern auf diesen Kundgebungen immer wieder, dass die Demokratie-Demonstrationen von Staat und Parteien organisiert werden.

Krieg ficht das nicht an: „Wir leben in einer Demokratie. Wo kommen wir hin, wenn auf einer Demo Vertreter demokratischer Parteien nicht mehr reden dürfen.“ Ein offenes Mikrophon wird es nicht geben. Dies hatte – unter anderem jüngst in Kyritz – einige, die ganz andere politische Vorstellungen propagieren wollten dazu verleitet, aufs Podest zu steigen.

Gemeinsam Plakate gestalten

Zwischen den kurzen Redebeiträgen wird es Livemusik geben. Gegen möglicherweise nicht gerade frühlingshafte Temperaturen sollen Kaffee und Tee helfen. Die Demonstration soll gegen 16 Uhr beendet sein.

Wer im Vorfeld der Kundgebung mithelfen möchte, Plakate zu gestalten, ist für Freitag (16. Februar) eingeladen, ins evangelische Gemeindezentrum in der Breiten Straße 17 in Velten zu kommen. Dort werden ab 19 Uhr Transparente gestaltet.

Für Jens-Martin Krieg wird die Demonstration am 17. Februar auch eine Art Feuertaufe sein. Denn schon jetzt ist ihm klar, dass das Bündnis alsbald zu einer weiteren Demonstration aufrufen muss, für die er sich landesweite Unterstützung erhofft.

Auch Protest gegen Compact-Demo geplant

Dabei handelt es sich um eine Gegenveranstaltung zu einem sogenannten Volksfest, das das vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Compact TV Magazin am 30. März (Karsamstag) veranstalten will. Compact hat Velten seit einigen Monaten im Visier und stellt den Ort als eine von migrantischer Kriminalität beherrschte Kleinstadt an den Pranger. Ohne einzelne Straftaten außer Acht zu lassen ist, ist von Polizeiseite korrigiert worden, dass es in Velten keine Häufung von Raub und Gewalt gibt, die von Migranten begangen wird.

Auf der Theresienwiese in München fand am Sonntag (11. Februar) ein Lichtermeer für Demokratie, gegen Rassismus, Antisemitismus und Hetze statt, an dem sich mindestens 100.000 Menschen beteiligten.

Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Da Compact den Velten-Termin als Auftakt für eine sogenannte „Blaue Welle“ propagiert, die vor allem ostdeutsche Kleinstädte ansteuert, will das Bündnis für Dialog und Toleranz für den 30. März landesweit für die Gegen-Demo in Velten werben. Krieg sieht hierbei das gesamte demokratische Spektrum von Brandenburg in der Pflicht: „Das ist ein ganz klarer Auftrag, an Sportvereine, Gewerkschaften, Parteien und Kirchen, sich zu beteiligen.“