Nur unter polizeilicher Begleitung können Gäste am kommenden Sonnabend in der Stadtbibliothek von Hennigsdorf ihre Plätze für eine ganz besondere Lesung einnehmen. Hochsicherheitsstufe für die Bücherei? Mitnichten! Die persönliche Begleitung durch Männer, die in historischen Polizeiuniformen stecken, soll auf das Thema der Lesung einstimmen.
Seit Jahrzehnten sammelt Andreas Skala aus Hennigsdorf vor allem Polizeimützen, aber auch Uniformen und Dienstabzeichen aus aller Welt. Sein spezielles Interesse aber gilt der Berliner Polizei, in der einst selbst arbeitete. Aus diesem Hobby heraus, das ihn mit seiner Polizeimützen-Sammlung bis ins Guinessbuch der Rekorde führte, ist Skala nun zum Schriftsteller geworden. Jüngst erschien sein Buch „Die Uniformierung und Effekten der Berliner Polizei 1945-2021“, das er am Sonnabend (29. Oktober) ab 16 Uhr in der Stadtbibliothek vorstellen wird. An dieser Stelle kommt neben anderen Exponaten, die Skala mitbringt, ein Unikum zum Einsatz. Der Sammler wird erstmals ein Nachthemd präsentieren, das in den 1950er-Jahren kasernierte Bereitschaftspolizisten in Westberlin tragen mussten, wenn sie sich ihrem Schlaf und ihren Träumen hingaben. „Damals sollte Einheitlichkeit bis zur Nachtwäsche hergestellt werden“, berichtet Skala.

Anbieter aus sechs Ländern

Wer schon eine Stunde vor der Lesung erscheint, der wird von Mitgliedern des Polizeiorchesters Brandenburg mit Altberliner Liedern verwöhnt. An der Lesung dürften bereits viele teilnehmen, für die der nächste Tag noch spannender wird. Erstmals nämlich wird der Hennigsdorfer seine seit fast drei Jahrzehnten in Berlin veranstaltete Tausch- und Sammlerbörse nach Hennigsdorf holen. Mehr als 30 Sammler an 60 Tischen – das ist neuer Rekord – bieten alles an, was das Sammlerherz an Polizei- und Feuerwehrausstattung begehrt. Dass Sammler aus den USA, Österreich, Polen, Tschechien und Ungarn teilnehmen, lässt erwarten, auch auf seltene Stücke der Polizeiausstattung anderer Länder zu stoßen.

Sammlerstücke aus Nazi-Zeit verboten

Getauscht und erworben werden können Kopfbedeckungen, Abzeichen, Uniformen, Ausrüstungsgegenstände und Fachliteratur zu Polizei und Feuerwehr. Allerdings zieht der Veranstalter eine klare Grenze: Auf den Tisch kommen nur Objekte aus der Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs.
Jeder Millimeter belegt: In seiner Wohnung in Hennigsdorf findet längst nicht mehr alles Platz, was die Polizeimützen-Sammlung von Andreas Skala zu bieten hat. Weil ein Außenlager bald gekündigt wird, sucht er dringend nach einem neuen Quartier.
Jeder Millimeter belegt: In seiner Wohnung in Hennigsdorf findet längst nicht mehr alles Platz, was die Polizeimützen-Sammlung von Andreas Skala zu bieten hat. Weil ein Außenlager bald gekündigt wird, sucht er dringend nach einem neuen Quartier.
© Foto: Roland Becker
„Ich möchte nicht den kleinsten Hauch aufkommen lassen, dass es zugeht wie einst auf einer Veltener Börse.“ Im Frühjahr 2020 hatte moz.de aufgedeckt, dass auf einer Militaria-Börse in der stadteigenen Ofen-Stadt-Halle von Velten auch mit Objekten aus der Nazi-Zeit gehandelt wird. In Hennigsdorf wird Skala ein ganz waches Auge darauf haben, dass solche Stücke nicht auf den Tisch kommen (oder versteckt irgendwo liegen): „Wenn ich so etwas finde, packt der Sammler ein. Ich will ausschließen, dass eine dementsprechende Klientel erscheint.“
Es gelten aber noch weitere Einschränkungen. Nichts zu suchen haben auf der Börse auch die aktuellen Uniformen der Polizei sowie Dienstmarken deutscher Herkunft. „Ich will ausschließen, dass sich falsche Polizisten bei uns einkleiden können“. Dass dies nicht abwegig ist, zeigen immer wieder Polizeimeldungen, in denen von Haustür-Betrug durch Kriminelle in Uniform berichtet wird. Eine letzte Einschränkung: Waffen jeglicher Art sind im Stadtklubhaus ebenfalls tabu.
Polizeimützen sollen oft nicht nur praktisch, sondern auch ein Hingucker sein. Andreas Skala hat von diesen außergewöhnlichen Kopfbedeckungen so einige in seiner Sammlung.
Polizeimützen sollen oft nicht nur praktisch, sondern auch ein Hingucker sein. Andreas Skala hat von diesen außergewöhnlichen Kopfbedeckungen so einige in seiner Sammlung.
© Foto: Roland Becker
Wen die Jagd auf Fundstücke hungrig macht, kann das Imbissangebot im Stadtklubhaus nutzen. Aus gutem Grund sind zudem Basketball-Spieler von Stahl Hennigsdorf vor Ort. Die Tornados, wie sich die jüngst erst gebildeten Kindermannschaften nennen, freuen sich darüber, dass die Mieten, die die Anbieter für ihre Tische zahlen müssen, als Spende auf ihr Konto fließen. Außerdem verspricht Skala, dass er von jedem bei der Lesung verkaufte Buch drei Euro den jungen Basketballern schenkt.

Weitere Lesung bei Thalia

Wer die Lesung am Sonnabend verpasst, bekommt bald eine zweite Chance. Andreas Skala dürfte der erste sein, der in der neuen Thalia-Buchhandlung im Einkaufszentrum Ziel (Eröffnung am 10. November) ein Buch vorstellt und signiert.
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Lesung und Tauschbörse

Der Hennigsdorfer Andreas Skala wird aus seinem Buch „Die Uniformierung und Effekten der Berliner Polizei 1945-2021“ wird am Sonnabend, 29. Oktober, ab 16 Uhr in der Stadtbibliothek Hennigsdorf, Am Bahndamm, lesen. Mit dabei ist auch Frank Pfeiffer, der seine Publikation „Wer trägt was im Freistaat Sachsen“ vorstellen wird.
Bereits ab 15 Uhr sorgen Mitglieder des Landespolizeiorchesters Brandenburg mit Altberliner Lieder für Unterhaltung.
Das Buch von Andreas Skala kostet 49 Euro und ist im Buchhandel bestellbar, ISBN: 9783946438144.
Die Tausch- und Sammlerbörse findet am Sonntag, 30. Oktober, von 9 bis 13 Uhr im Stadtklubhaus Hennigsdorf, Edisonstraße 1, statt. Der Eintritt ist frei. Wichtig für Aussteller: Alle Stände sind bereits vergeben.