Einkaufen in Berlin-Spandau
: Wie sich die Arcaden dem Online-Handel entgegenstellen

Wer in Spandau einkaufen geht, besucht meist auch die Arcaden. Doch die virtuelle Konkurrenz ist groß. Wie setzt sich das Einkaufszentrum gegen den Online-Handel durch?
Von
Johannes Leichsenring
Spandau
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Eingang der Arcaden: Seit 23 Jahren gibt es in dem Einkaufszentrum Technik, Mode und Essen. Gleichzeitig ist der Ort im ständigen Wandel. Der Geschäftsführer von Saturn berichtet.

Johannes Leichsenring

Den Spandau Arcaden scheint es gut zugehen. Auf sämtlichen Etagen sind viele Menschen anzutreffen. Die Sitzmöglichkeiten unter den Bäumen und Palmen, welche sich dem verglasten Dach entgegenstrecken, sind fast immer belegt, die Tische des Sushi-Restaurants und des Eis-Cafés selten leer. Doch täuscht der Eindruck? Die Online-Konkurrenz ist groß.

Einzelhandel und Einkaufszentren stehen seit Jahren durch den stärker werdenden Online-Handel zunehmend unter Druck. Dieser Trend wurde durch die Pandemie und die coronabedingten Lockdowns verstärkt, wie es in den aktuellen Studien der Wirtschaftsprüfer Price-Waterhouse-Cooper und Ernst & Young heißt.

Vermeintlicher Leerstand und Neueröffnung

Wer etwas länger durch die Gänge der Spandauer Arcaden schlendert, dem fällt auf, dass es neben dem geschäftigen Treiben auch einigen Leerstand gibt. Insgesamt sechs Geschäftsräume sind derzeit ungenutzt, die Fenster mit Folie verklebt. Lediglich für einen Raum wird angekündigt, dass demnächst Deichmann wiedereröffnen wird. Wie ist es also wirklich um die Spandauer-Arcaden bestellt?

„Herausragend“, sagt die Marketingmanagerin von der Spandauer-Shopping-Mall, Connie MacFarlane. Die Arcaden hätten es geschafft, wieder ein Besucherniveau aus Vorpandemie-Zeiten zu erreichen. Kürzlich eröffnete ein Schuh- und Sportgeschäft von Foot Locker neu. Auch gebe es nicht wirklich so viele Leerstände, wie die mit Sichtschutz verklebten Scheiben suggerieren, so die Marketingmanagerin.

„Alle Geschäftsräume sind in Vermietung“, teilt Connie MacFarlane mit. Hinter dem Sichtschutz würden Rück- und Umbauarbeiten stattfinden. Für den Erfolg des Centers macht die Marketingbeauftragte den Mietermix verantwortlich. „Hier gibt es alles.“ Neben Bekleidungsgeschäften wie P&C, H&M, TK Maxx, Jack & Jones und Co. gibt es die großen Drogerieketten, Schuhgeschäfte, Technikläden, Supermärkte und Kulinarik. Von Fast-Food-Ketten bis zu Feinkostläden lässt sich in den Arcaden alles finden.

Dem Geschäftsführer des in den Arcaden ansässigen Saturn-Marktes, Ingo Schramm, gefällt die Durchmischung in den Arcaden. „Wir haben hier ein richtig gutes Center“, sagt Schramm, gerade im Vergleich mit anderen Berliner Malls. Neben den Spandauern, die eine treue Kundschaft bilden würden, kämen viele aus dem Umland. „Bis nach Neuruppin zieht sich unser Einzugsraum.“ Schramm ist mit dem Saturn seit 18 Jahren im Haus.

Das Verhalten der Kundschaft habe sich gewandelt. Während sein Markt von Eröffnung bis zum ersten Lockdown jedes Jahr Umsatzsteigerungen erzielt habe, brachen die Einnahmen mit den Lockdowns zusammen. Der Markt mit seinen 52 Mitarbeitenden erholte sich, kann das Niveau von der Zeit vor der Pandemie jedoch nicht wieder erreichen. „Mit dem Internet-Geschäft geht es uns ein bisschen so wie früher den Elektronik-Fachgeschäften mit uns“, sagt Schramm.

Umdenken mit App-Angebot und mehr Service

Vor dem Problem mit dem wachsenden Onlinegeschäft stehen alle Einzelhändler sowie die Mall-Betreiber selbst. Umdenken ist also gefragt. Neben einem Mietermix, setzen die Spandauer Arcaden auch auf den Ausbau eines digitalen Services. Mit dem App-Angebot werden registrierte Kunden auf Rabattaktionen aufmerksam gemacht, sie erhalten Geschenkgutscheine zum Geburtstag und können an einer Lauf-Challenge teilnehmen. Wer die meisten Schritte geht, bekommt einen Gutschein, der in den Arcaden eingelöst werden kann.

Auch Schramm setzt auf Kundenbindung. Noch wichtiger sei jedoch Service. Denn den Kampf mit den Online-Geschäften, insbesondere mit Amazon, können Einzelhändler mit Filialen und den dazugehörigen Miet- und Personalkosten kaum gewinnen. Der Kunde sie preisgetrieben, woran jedoch Saturn selbst Anteil habe.

So machte sich der Markt mit dem Werbeslogan „Geiz ist geil“ einen Namen. Auch heute noch reagieren die Märkte auf merkliche Preisschwankungen im Internet. „Wir passen teilweise mehrfach am Tag unsere Preise an“, sagt Schramm. Da sie im Preisrückgang nicht immer mithalten können oder wollen, bedarf es weiterer Strategien. Gemeint ist vor allem der Service-Bereich.

Uber Eats soll bald auch Technik liefern

So bietet Saturn inzwischen auch Reparaturen von Smartphones und iPhones an. Trotz des hohen Aufwandes habe man dafür Mitarbeiter ausgebildet und zertifizieren lassen, so Schramm. Und viele Einzelhändler wollen Amazon Prime Konkurrenz machen. So soll bei Saturn online bestellte Ware unter 30 Kilogramm demnächst innerhalb von eineinhalb Stunden per Uber Eats zum Kunden nach Hause geliefert werden.

Ingo Schramm ist zuversichtlich: „Wir gehen den richtigen Weg.“ Gleiches ist von der Sprecherin der Spandau Arcaden zu hören. Die Mall am Bahnhof sei in einigen Punkten Vorreiter. Beispielsweise mit dem Angebot der Kita Karlsson vom Dach. Mit 100 Plätzen für Kinder im Alter von zwölf Monaten bis zum Einschulalter ist der Kindergarten hoch über den Dächern Spandaus gar nicht mal so klein. Seit elf Jahren bietet der Betreiber Klax das Betreuungsangebot an.