Zwei Sommer musste in Hennigsdorf auf das eintägige Open Air Rock am Hafen verzichtet werden. Corona ist zwar noch nicht verschwunden, das Musikfestival aber ist wieder da, und zwar in seiner 16. Ausgabe. Am 20. August wird vom Nachmittag bis Mitternacht gerockt. Aber, Fans, aufgepasst! Rock am Hafen muss auf eine neue Location ausweichen.
Einst im Stadthafen gestartet, hatte sich das Festival über Jahre auf der Festwiese an der Havelbrücke Ruppiner Straße etabliert. Da dieses Areal nun für den Neubau der Brücke benötigt wird, rechnet André Meyer von der Musikerinitiative Hennigsdorf damit, dass dieser Platz mindestens drei Jahre lang nicht zur Verfügung stehen wird. Zum Ausweichen dient zumindest in diesem Jahr die Freifläche an der Veltener Straße 12, gleich gegenüber vom Hellweg-Baumarkt. Ob die Location in den nächsten beiden Jahren noch zur Verfügung steht, ist fraglich. In der Stadt wird darüber geredet, dass ein Investor ernsthafte Kaufabsichten hegt.

Neue Location beim Havelbummz erfolgreich getestet

Zukunftsmusik. In diesem Jahr jedenfalls spielt die Musik dort. André Meyer hält den Standort für ideal. Dabei hatte er anfangs Bedenken, vor allem deswegen, weil diese Partyfläche weit vom Bahnhof und von der Innenstadt entfernt liegt. Doch der erstmals Anfang Juni veranstaltete Havelbummz, bei dem die Freunde elektronischer Musik auf ihre Kosten kamen, hat ihn eines Besseren belehrt. „Wir hatten mit 200 bis 250 Gästen gerechnet. Es kamen über 500 Leute“, freut er sich. Auch die Kasse stimmte: „Wir haben keine offenen Rechnungen, konnten kostendeckend abschließen.“
Für Rock am Hafen ist das noch nicht so sicher. Zwar wird hier mit mindestens 1200 Besuchenden ein deutlich größeres Publikum erwartet, und die Stadt sowie eine Reihe von Firmen unterstützen das Musikevent. Doch die Auswirkungen dieser unsicheren Zeit bekommen die Festival-Macher durchaus schon zu spüren. „Die Stadtwerke können in dieser Situation nichts raushauen. Da fehlen uns schon ein paar Hundert Euro“, erzählt André Meyer. Bislang habe das städtische Unternehmen immer zu den finanziellen Unterstützern gezählt.
Dennoch bleibt es dabei, zumindest für dieses Jahr: Rock am Hafen gibt es gratis. Ob das in den nächsten Jahren noch möglich ist, stehe allerdings in den Sternen. Und Meyer hat eine Bitte: „Wir sind auf Spenden angewiesen und gehen mit dem Klingelbeutel rum.“ Die Bands übrigens spielen ohne Gage.

Diese Bands treten auf

Für Liebhaber von Rockmusik & Co., die aus der Region stammt, gibt es am 20. August ein Wiederhören mit altbekannten Bands, aber auch einige Überraschungen. Noch steht die Abfolge nicht unumstößlich fest, aber als Opener könnte Anaconda Thunderstorm aus Oranienburg mit einer Mischung aus Poprock und Classicrock ihre Bewährungsprobe erleben. Es ist ihr erster Gig beim Rock am Hafen.
„Mit einem Fuß in der Tür des Punks“, sortieren sich Ryv Law aus Berlin musikalisch ein – ebenfalls ein Newcomer beim Hennigsdorfer Rock-Open-Air. „Raue Stimme, klare Ansage“, werben Kesh und seine Band für deutschsprachigen Rap, dem eine ordentliche Portion Funk, Rock und Pop untergemischt wird. Der Fürstenwalder hat Hennigsdorf-Erfahrung. Er war schon 2019 dabei. Meyer erinnert sich: „Der hat ‘ne gute Show hingelegt.“
Kesh kann nicht nur rappen, sondern auch erziehen. Der Musiker arbeitet in einer Kita in Odervorland (Landkreis Oder-Spree).
Kesh kann nicht nur rappen, sondern auch erziehen. Der Musiker arbeitet in einer Kita in Odervorland (Landkreis Oder-Spree).
© Foto: Christoph Mann
Dass Musik mit deutschen Texten – mal rockig, mal sanft daher – Laune und Stimmung machen können, beweist der Lokalmatador Koppi and Paste. Wer die Band – vielleicht die melodiöseste am 20. August – jüngst bei der Langen Nacht der Wirtschaft oder bei der Fête de la Musique in Hennigsdorf erlebt hat, will mehr – und bekommt das bei Rock am Hafen.
Ein Festival-Veranstalter freut sich auf jeden Gig, aber auf manchen darf er besonders hinfiebern. Bei André Meyer ist das unter anderem die Band Marander. „Ich freue mich jedes Mal, die zu hören. Die stammen ja aus unseren Reihen“, blickt er auf die Geschichte der Musikerinitiative zurück. Als Hennigsdorfer Urgestein hat Marauder sein festes Publikum. Für die Veranstalter ist damit ziemlich klar, dass die Band mit ihrem Country Rock zur Headliner-Zeit ab 20, 21 Uhr auftreten wird.

Zum Ausklang wird die Musik härter

Und wer setzt die Schlussakkorde? Für den Mitveranstalter ist das eine klare Sache: „Als Letztes kommen die auf die Bühne, die die härteste Musik spielen.“ Die fünf Jungs von Dead Phoenix sind dafür prädestiniert. Als „die vielleicht härteste Boyband der Welt“, verkaufen sich die Berliner, die ihre Premiere in Hennigsdorf geben.
Achteinhalb Stunden vollgepackt mit Live-Gigs. Rock am Hafen lässt es wieder krachen. Und damit es auch im nächsten Jahr mit dem Gratis-Open-Air klappt, sollte es in den Spendendosen klingeln. Denn ein wenig beunruhigt es André Meyer doch, wenn er vier Wochen vor dem Festival feststellen muss: „Laut Kalkulation sind wir noch unterfinanziert.“ Konkreter gesagt: 12.000 Euro kostet das Open Air. Wenn Bühne und Technik am 21. August abgebaut werden, sollte das Geld in der Kasse sein.