Ob Jürgen Sparwasser oder Star Wars: Christopher Gordjy aus Velten verfügt über ein fundiertes Wissen. Der Lokalpolitiker, von Beruf Staatsanwalt, ist in der deutschen Quiz-Szene kein Unbekannter. Nun erlebte er als Kandidat bei Johannes B. Kerner seinen ersten Auftritt im Fernsehen. Bahnt sich eine Karriere an, wie sie seine Bekannten Sebastian Jacoby und Sebastian Klussmann eingeschlagen haben? Der 32-Jährige berichtet.
Die Teilnahme am Quiz-Champion im ZDF war für Christopher Gordjy eine Premiere. Nie zuvor hatte er sich für ein solches TV-Format beworben. „Es hat Spaß gemacht, war aber nervlich hart“, sagt der Mann aus Velten. Mehrfaches Briefing, Maske, Aufzeichnung der Sendung: das sei nichts, „was ich jeden Tag machen möchte“.

Meisterschaften mit den Jägern von „Gefragt – Gejagt“

Zu seinem Bekanntenkreis zählen Leute, die das anders sehen. Sebastian Jacoby und Sebastian Klussmann sind „Jäger“ in der ARD-Quizsendung „Gefragt – Gejagt“. Die ausgewiesenen Quiz-Profis, Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft, kennt Gordjy aus dem deutschen Quizverein, dem er seit einigen Jahren angehört. Der mehrfache deutsche Meister Jacoby, dessen Kampfname „Der Quizgott“ lautet, sei ein unheimlich sympathischer und bodenständiger Typ. Ohnehin sei die Quiz-Familie „ein sehr netter Haufen“.
In diesem Kreis landete der 32-Jährige über Kneipenquiz-Veranstaltungen in Berlin. Dort ist er längst mehr als nur Teilnehmer. „Angefangen hat alles in Steglitz. Da habe ich Klussmann kennengelernt, von dem ich viel gelernt habe.“ So viel, dass Gordjy seit längerem einen von drei Standorten in der Hauptstadt leitet und an überregionalen Wettbewerben teilnimmt – und das mit Erfolg. Im vergangenen Jahr wurde er Dritter der Brandenburgischen Einzel-Quizmeisterschaft und Zweiter im Teamwettbewerb. Vor wenigen Wochen folgte die erste Teilnahme an der Deutschen Buzzer-Meisterschaft. „Leider war in der ersten Runde Schluss.“
Doch auch falsch beantwortete Fragen bringen den Lokalpolitiker, der sich seit früher Jugend in der SPD engagiert und dem Stadtparlament seiner Heimatstadt angehört, weiter. „Ich baue mir durch nicht beantwortete Fragen einen Wissensstock auf.“ Schnell habe er gemerkt: „Wenn man sich ein bisschen reinhängt, geht das Wissen rapide nach oben. Jede richtig beantwortete Frage ist schön – und das Gefühl, Sachen beantworten zu können, die ich vor ein paar Jahren nicht wusste.“
Zunächst habe er von seinem Schulwissen oder den Nachrichten profitiert. Standardwissen kam auch über das Spielen in Apps hinzu. Und dann? „Ich bin keiner, der im Alltag exzessiv dafür lernt.“ Es würde Leute geben, die über Listen lernen und so Schwachstellen nacharbeiten. „Den klassischen Weg habe ich nicht. Ich versuche, mit offenen Augen und Ohren durch den Alltag zu gehen.“ Helfen würde ihm ungemein, dass er selber Fragen schreibt. „Da liest du viel drumherum und lernst unfassbar viel.“
Schwachstellen gibt es keine? „Oh doch.“ In den Bereichen Lifestyle und Mode sieht sich Gordjy nicht im Spitzenbereich, bei den klassischen Abendsendungen aus den 70-er Jahren auch nicht.
Beim Quiz-Champion im ZDF waren in der Sendung am 24. September 2022 diese Prominenten dabei: Bastian Pastewka, Andrea Kiewel, Prof. Guido Knopp, Katrin Müller-Hohenstein, Moderator Johannes B. Kerner und Axel Milberg.
Beim Quiz-Champion im ZDF waren in der Sendung am 24. September 2022 diese Prominenten dabei: Bastian Pastewka, Andrea Kiewel, Prof. Guido Knopp, Katrin Müller-Hohenstein, Moderator Johannes B. Kerner und Axel Milberg.
© Foto: ZDF/Max Kohr
In der ZDF-Sendung ging es für den Veltener darum, sich in Duellen mit fünf Prominenten zu beweisen, um „Der Quiz-Champion“ zu werden. Zu bezwingen galt es Bastian Pastewka (Themengebiet „Film und Fernsehen“), Guido Knopp (Zeitgeschichte), Andrea Kiewel (Musik), Katrin Müller-Hohenstein (Sport) und Axel Milberg (Literatur). Der Kandidat bemerkte während seiner Vorstellung: „Fünf Prominente werden mich nicht mehr aus der Ruhe bringen als ein guter Strafverteidiger.“ Vor welchem Duell hatte Gordjy den größten Respekt? „Musik! Das ist ein Thema, wo ich am wenigsten sattelfest bin.“ Zudem sei Andrea Kiewel eine knallharte Gegnerin, die viel wisse.
Nach einer Schnellraterunde, die er souverän meisterte, traf Christopher Gordjy (der sich im Rahmen der Bewerbung in einem Telefonquiz und in mehreren Castingrunden bewähren musste) auf Sportstudio-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein. „Ich wäre ihr lieber an der Torwand begegnet“, scherzte er in der Sendung. Dabei spielt Vereinsfußball im Leben des Juristen keine Rolle. Der Staatsanwalt, der aktuell für zwei Jahre von Neuruppin nach Berlin zum gemeinsamen juristischen Prüfungsamt abgeordnet wurde, gehört einer Justiztruppe in der Fontanestadt an. Wenn es die Zeit zulasse, sei er am Ball.

Duelle mit Katrin Müller-Hohenstein und Bastian Pastewka

Regelmäßige Einsätze gibt es in der Mixed-Mannschaft bei den Volleyballern von der OVG Velten. „Da spielt mein Vater, seit er 18 war. Wann ich da selbst angefangen habe, kann ich gar nicht genau sagen. Zehn Jahre sind es aber bestimmt.“ Zeit genug, um regelfest zu sein. Gordjy – der sich vor der Kamera als „der schnelle, schlanke, dynamische Annahmespieler“ bezeichnete – wusste, wer den Punkt erhält, wenn der Ball nach einer Netzangabe direkt im gegnerischen Feld einschlägt. Katrin Müller-Hohenstein wusste die Antwort nicht. Drei Fragen, drei richtige Antworten – Gordjy gewann sein erstes Duell souverän.
Spannender verlief die Runde mit Bastian Pastewka. Dieser wurde in den 1990-er Jahren durch die Sketchsendung „Die Wochenshow“ bekannt, in der er fiktive Figuren wie Brisko Schneider und Ottmar Zittlau verkörperte. Es stand 3:3, als es um die Frage ging, bei welchem Kinoklassiker 27 Jahre zwischen dem ersten Film und der bislang letzten Fortsetzung vergingen. Gordjy schwankte zwischen „Indiana Jones“ und „Stirb langsam“. Auch Pastewka räumte ein: „Ich war so aufgeregt, dass ich nicht rechnen konnte. Das ist bei mir absolutes internationales Schwimmfest.“ Indiana Jones habe er 1984 im Kino nicht sehen dürfen. Ich hatte aber eine Karte, wurde ins Nachbarkino geschickt und habe ,Zwei Nasen tanken Super‘ gesehen.“
Danach glänzte Pastewka (der auf Indiana Jones getippt hatte) dann doch mit Fachwissen. „Mich haben Sie überzeugt“, entgegnete Gordjy. „Ich will Sie gar nicht überzeugen. Ich will, dass Sie gewinnen, weil sie ein super Typ sind und sehr viel wissen“, kam vom Prominenten. Das Publikum applaudierte – musste sich aber vom Mann aus Oberhavel verabschieden. Dieser traf nach der Sendung noch einmal auf Pastewka. „Er kam zu mir und hat sich dafür entschuldigt, dass er mich ausgeschaltet hat.“

Der Umgang mit dem Auftritt

Christopher Gordjy ertrug es mit Fassung. Für seinen Auftritt habe er von Freunden und Bekannten durchweg positive Reaktionen bekommen. Die Familie und einige Kollegen waren eingeweiht. „Ich habe aber auch Nachrichten von Leuten bekommen, mit denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.“ Sein Aus nach zwei von fünf Runden belastet ihn nicht. „Es wäre was anderes gewesen, wenn ich an einer Frage gescheitert wäre, bei der ich die Antwort sicher hätte wissen müssen. Das hätte mich geärgert.“ Pastewka habe aber auch in den anderen Duellen an diesem Abend ein stabiles Wissen bewiesen. „Ich bin mit mir im Reinen.“
Sieger der Sendung wurde am Ende Tim Pittelkow. Er gewann als einziger Kandidat die Duelle mit allen fünf Prominenten und strich dafür 100.000 Euro ein. Gordjy hatte den Auftritt hinter der Bühne verfolgt, als er selbst noch auf seine Chance wartete. „Von den Leuten, die vor mir dran waren, habe ich das Wesentliche mitbekommen.“ Auch, dass gleich der erste Kandidat einen Durchmarsch hinlegte. Erhöhte das den Druck? „Es ist insgesamt eine Drucksituation. Mehr unter Druck hat mich aber gesetzt, dass vor mir ein Kandidat in der Schnellraterunde hängenblieb.“

So geht es für Christopher Gordjy weiter

Schön sei gewesen, dass unter allen Teilnehmern „eine unglaubliche Solidarität“ herrschte. „Man jubelt mit und leidet mit.“ Zwölf Kandidaten seien eingeladen worden, „neun davon gehören dem deutschen Quizverein an“. Es sei ein bisschen wie ein Familientreffen gewesen.
Solche wird es demnächst wieder bei Quizevents geben. Im November steht die Regionalmeisterschaft an. „Mal sehen, ob ich meinen dritten Platz verteidigen kann. So dicht besiedelt ist Brandenburg mit Quizzern nicht. Dennoch wäre ich mit einer Platzierung in den Top 5 zufrieden“, so Gordjy, der im August in der bundesweiten Monatsrangliste den zwölften Platz belegte. „Mein Fernziel ist es, die Jahreswertung in den Top 50 abzuschließen.“

Diese Fragen bekam Christopher Gordjy

■ Schnellraterunde (Auswahl)
Welche Farben dominieren auf dem Verkehrsschild „Vorfahrtsstraße“?
Welche Figuren stehen auf Schachbrett auf den vier Eckfeldern?
Welcher deutsche Fußballverein gewann im Mai die Europa League?
Zu welchem Staat gehören die Inseln Ischia und Elba?
Welches Musikinstrument ist auf der 1-Euro-Münze Irlands abgebildet?
■ Duell mit Katrin Müller-Hohenstein
● Berührt bei einem Volleyballspiel der Aufschlag von Team A die Netzkante und prallt dann auf den Boden der Seite von Team B:
erhält Team A einen Punkt
muss Team A den Aufschlag wiederholen
erhält Team B einen Punkt
● “Wenn man auf meinem Grabstein eines Tages nur ,Hamburg 74‘ schreibt, weiß jeder, wer darunter liegt.“ Das sagte der DDR-...?
Fußballer Jürgen Sparwasser
Radrennfahrer Olaf Ludwig
Leichtathlet Waldemar Cierpinski
● Bei welchem sportlichen Ereignis gehörten Ernst Vettori, Jiri Parma und Ole Gunnar Fidjestol in den 80ern zu den Spitzenathleten?
Tour de France
Ironman Hawai
Vierschanzentournee
■ Duell mit Bastian Pastewka
● Welcher James-Bond-Darsteller duellierte sich als 007 mit Oddjob, der gerne seinen Hut als Waffe benutzte?
Roger Moore
Sean Connery
Timothy Dalton
● Welcher Science-Fiction-Mehrteiler spielt unter anderem auf den Planeten Alderaan, Tatooine und Dagobah?
Star Trek
Dune
Star Wars
● Unter welchem Titel feierte im Frühsommer 2022 der Ableger eines legendären Serien-Klassikers Premiere in Deutschland?
The Big Bang Practice
Two and a Half Wmen
How I Met Your Father
● Bei welchem dieser Kinoklassiker liegen zwischen erstem Film du bislang letzter Fortsetzung aus dem Jahr 2008 insgesamt 27 Jahre?
Der Pate
Indiana Jones
Stirb langsam