Zugbranche
: Bombardier-Mitarbeiter protestieren vorm Werkstor in Hennigsdorf

Vor den Hennigsdorfer Werkstoren werden Unterschriften zum Erhalt der Arbeitsplätze gesammelt. Beim Konkurrenten in Berlin und Pankow klingelt hingegen die Kasse.
Von
Roland Becker
Hennigsdorf
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  • Bei Stadler brummt das Geschäft. Der Auftragseingang erreicht Rekordwerte. Zu den Produkten zählen der Nahverkehrszug Flirt und die U-Bahn für Berlin (ganz rechts außen).

    Bei Stadler brummt das Geschäft. Der Auftragseingang erreicht Rekordwerte. Zu den Produkten zählen der Nahverkehrszug Flirt und die U-Bahn für Berlin (ganz rechts außen).

    Roland Becker
  • Zur Frühschicht wurden 1 000 Karten verteilt. In der Kantine und zur Spätschicht wurde die Aktion fortgesetzt.

    Zur Frühschicht wurden 1 000 Karten verteilt. In der Kantine und zur Spätschicht wurde die Aktion fortgesetzt.

    Bombardier Betriebsrat
  • HGA_bombardier1 Bombardier Betriebsrat Protest Protestpostkarte März 2020

    HGA_bombardier1 Bombardier Betriebsrat Protest Protestpostkarte März 2020

    Bombardier Betriebsrat
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Bei Bombardier ist die gute alte Postkarte noch nicht aus der Mode gekommen. Weit mehr als 1 000 Stück, adressiert an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) haben Mitarbeiter am Donnerstag an den Pforten zum Hennigsdorfer Bombardier-Werk ausgefüllt. Ab 5.30 Uhr am Morgen standen Betriebsräte an den Toren, um für die Aktion zu werben, die an allen deutschen Bombardier-Standorten organisiert wird. „Ich erwarte eine klare Regelung zur Sicherung meines Standorts im Rahmen der geplanten Übernahme von Bombardier durch Alstom“, ist auf der Karte unter anderem zu lesen.

Schon Ende Februar hatte Altmaier Post von den Bombardier- und Alstom-Betriebsräten sowie von der IG Metall bekommen. Auch in diesem Schreiben, das an mehrere Bundesministerien ging, hatten die Unterzeichner die Politik aufgefordert, einen Ausverkauf der Bombardier-Werke nach der Übernahme durch Alstom zu verhindern.

Ingenieure werden nachdenklich

Die jetzige Situation scheint auch dazu zu führen, dass sich Arbeiter und Angestellte im Protest zusammenfinden. Die großen Aktionen vor zwei, drei Jahren wurden hauptsächlich von der Mannschaft in der Produktion getragen, die vom Ingenieurswesen hielten sich eher zurück. Während ein Großteil der Jobs in der Produktion gestrichen werden sollten, war dem Enginerring eine Zukunft als zentraler Entwicklungsabteilung prophezeit worden. Doch diese Sicherheit scheint gerade zu entschwinden. „Alstom beschäftigt natürlich auch Ingenieure“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Volkmar Pohl und fügt hinzu: „Da stehen Synergieeffekte im Raum, mit denen Leute freigesetzt werden könnten.“ Einzelne Spezialabteilungen könnten durchaus zur Disposition stehen. Am Donnerstag hätten jedenfalls wesentlich mehr Mitarbeiter aus dem Ingenieurbereich nach den Karten gegriffen, als das bislang bei ähnlichen Aktionen üblich gewesen sei. „Früher sind viele eher an uns vorbeigelaufen“, weiß Pohl aus Erfahrung.

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Dem Betriebsrat ist klar, dass er für seinen Kampf einen langen Atem benötigt. Mit „einem Jahr plus minus ein paar Monate“ rechnet Pohl, ehe der Verkauf inklusive der Genehmigungen durch die Wettbewerbshüter über die Bühne gegangen sein wird.

Das ist Zeit, die der wenige Kilometer entfernte Konkurrent Stadler nutzen kann. Der in der Schweiz beheimatete Konzern mit zahlreichen Standorten in Deutschland konnte am Donnerstag einen Geschäftsbericht für 2019 vorstellen, der manchen in der Bombardier-Chefetage blass vor Neid werden lassen dürfte. Der Umsatz wuchs um 60 Prozent auf drei Milliarden Schweizer Franken, der Auftragseingang erreichte mit 4,8 Milliarden Euro einen Rekordwert. Die Zahl der Mitarbeiter ist um ein knappes Viertel auf 10 900 gestiegen. In Pankow arbeiten derzeit 1 300 Menschen, in Velten sind es 150. Allerdings musste Stadler auch verkünden, dass der Gewinn vor Steuern unter den gesteckten Zielen blieb. Stadler begründet dies unter anderem mit Mehrkosten bei einzelnen Aufträgen. Dafür dürften auch Probleme mit fehlerhaften Intercity-Zügen beigetragen haben.

„Stadler Rail leidet an Wachstumsstörungen“ lautete jüngst eine Überschrift in der Neuen Zürcher Zeitung, die von einem Expansionskurs schrieb, der „eine große Herausforderung“ sei. Das Unternehmen wird auch in Deutschland weiter expandieren – sowohl hinsichtlich der Mitarbeiterzahl als auch der Produktion. „Sie werden in Kürze eine Einladung zu einem Spatenstich bekommen“, kündigte am Donnerstag Stadler-Sprecherin Silja Kollner an. Im Pankow-Park soll Stadlers größter deutscher Standort weiter ausgebaut werden. Frühestens 2022 könne sich das auch auf die Zahl der Mitarbeiter auswirken. Bedeckt hält sich Stadler bei der Frage, ob man zugreifen würde, falls Alstom nach dem Bombardier-Kauf die Auflage erteilt würde, Produktionskapazitäten abzugeben.