125 Jahre Bahnhof Wildau: Modellbahn-Bastler lassen Schwartzkopff-Werke wieder aufleben

Historischer Bahnhof Wildau: Joachim Heinig und Karin Sachwitz aus Zeuthen setzen die letzten Lokomotiven auf die Schienen ihres Modells.
Till EichenauerDie Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer vom Bahnsteig in Wildau durch die Unterführung geht und direkt in die Bibliothek der Technischen Hochschule biegt, steht gleich wieder am selben Bahnsteig. Diesmal aber im Verhältnis 1 zu 87. Nur gut 50 Meter vom echten Bahnsteig in Wildau entfernt steht ein Modell des Bahnhofs. Aufgebaut im ersten Stock, der historischen Hall 10 der ehemaligen Lokomotivfabrik.
Joachim Heinig setzt dort die Loks auf die Schiene und testet die Elektrik. Der Zeuthener hat vor zwölf Jahren mit dem Bau des Modells begonnen und in hunderten Stunden die unzähligen Gebäude, Schienen, Bahnanlagen, Personen, Bäume und Büsche aufgebaut. „Wir haben versucht, alles originalgetreu nachzubilden“, so der 72-Jährige.
Bahnhofs Wildau — hunderte Details im Modell versteckt
Anfang des Jahres wurde er eingeladen, sein Werk in der Bibliothek an der TH Wildau auszustellen. Hintergrund ist eine Ausstellung zum 125-jährigen Jubiläum des Bahnhofs. „Dafür haben wir dann in den letzten vier Monaten nochmal jeden Tag intensiv weitergearbeitet und viele Gebäude hinzugefügt. Etwa den historischen Lokschuppen oder die Halle 10, also das Gebäude, in dem wir jetzt auch stehen“, sagte Heinig.
Jetzt ist das Ensemble komplett. In dem Modell gibt es hunderte Details zu entdecken, wie den fein gearbeiteten original Fahrplan der Bahnstrecke Berlin-Görlitz oder die Stempeluhr am Eingang der Schwartzkopff Lokomotivfabrik, in der früher riesige Dampflokomotiven für die ganze Welt produziert wurden. Gebaut hat Joachim Heinig ohne einen historischen Bauplan, deshalb hat er sich vor allem an historischen Fotos orientiert.

Modell vom historischen Bahnhof Wildau: Karin Sachwitz und Joachim Heinig haben hunderte Stunden in ihr Projekt gesteckt.
Till EichenauerHochschulbibliothek der TH Wildau als Ort der Identifikation
Überall gibt es auch kleine beschauliche Szenen zu beobachten: Ein kleiner Junge bekommt den Hintern versohlt, weil er mit dem Fußball einen Blumentopf zerschossen hat oder ein junges Paar, das sich versteckt im Wartehaus des Bahnsteigs küsst. „Hier hab ich mich richtig in den Details ausgelebt“, sagt Karin Sachwitz, die am Model viel mitgearbeitet hat. „Einige kleinen Szenen sind auf Augenhöhe der Kinder – die entdecken die Erwachsenen oft gar nicht.“
Rund um das Modell gibt es Schautafeln mit weiteren Informationen zur Geschichte des Bahnhofs. Ganz in der Nähe sitzen Studenten, und lesen. Frank Seeliger, Leiter der Hochschulbibliothek, freut sich, über die Ausstellung, die vom Wildauer Ortschronisten Bernd Lux initiiert wurde. „Gerade die Bibliothek ist ein schöner Ort dafür. Damit bekommen auch die Studenten ein Gefühl dafür, an was für einem Ort sie hier studieren.“ Durch die Berührung mit der Industriegeschichte würden sich die Studenten mit ihrer Hochschule identifizieren, etwa durch die historische Lokomotive auf dem Gelände. „Wir sind nicht Harvard – wir sind die TH Wildau“, so Seeliger.
Ausstellung „125 Jahre Bahnhof Wildau“ läuft bis Ende Mai
Offiziell startet die Ausstellung „125 Jahre Bahnhof Wildau“ am Mittwoch, 7. Mai. Um 16 Uhr werden Bürgermeister Frank Nerlich und Prof. Klaus-Martin Melzer, Vizepräsident TH Wildau, den Abend eröffnen. Auch die Ortschronisten Bernd Lux und Modellbauer Joachim Heinig werden über ihre Arbeit sprechen. Darüber hinaus können Interessierte die Ausstellung noch bis zum 24. Mai im ersten Stock der Hochschulbibliothek besichtigen. Sie ist von Montag bis Freitag von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet.


