Arzt in Königs Wusterhausen
: Wie weit Patienten für Termin in einer Praxis fahren müssen

Nah genug oder schon zu weit: Wie lang sind die Wege zum Arzt in Königs Wusterhausen? Und: Sind die Entfernungen für Patienten zumutbar?
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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xx. (Symbolbild)

Nicht nur die Verfügbarkeit von Ärzten und die Wartezeiten auf einen Arzttermin bestimmen, ob ein Patient sich gut versorgt fühlt, sondern auch Fahrtwege und Fahrzeit zu einer Praxis. Wie weit sind die Entfernungen in Königs Wusterhausen und Umgebung? (Symbolfoto)

picture alliance / dpa
  • Entfernung zum Arzt in LDS variiert stark – Hausärzte teils über 4 km Luftlinie entfernt.
  • KVBB plant je nach Fachrichtung unterschiedlich, was Reichweiten und Wege verlängert.
  • Hausärzte: in Schönefeld bis KW meist unter 1,4 km, südlich von KW über 4 km.
  • Fachärzte: Verteilung ungleich, z.B. Hautärzte in KW nah, in Bestensee erst ab 10 km.
  • Zumutbarkeit hängt laut KVBB von Dringlichkeit, Mobilität, Verkehr und Alter ab.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Landkreis Dahme-Spreewald (LDS) hat zu wenige Allgemeinmediziner, aber genügend Fachärzte - zumindest nach der Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), die die ambulante medizinische Versorgung für gesetzlich Versicherte organisiert und überwacht.

Was bedeutet das für den Alltag von Patienten? Laut Bundesgesundheitsministerium warten gesetzlich Versicherte deutschlandweit durchschnittlich 42 Tage auf einen Termin beim Facharzt. Für LDS gibt es keine eigene Statistik. Mit kommerziellen Terminportalen wie Doctolib geht es nach Angaben des Unternehmens deutlich schneller.

Worüber die Wartezeiten nichts aussagen, ist die Erreichbarkeit von Ärzten, sprich die Fahrtwege und Fahrzeiten, die Patienten brauchen, um zu einer Praxis zu kommen. Dazu muss man wissen, dass die KVBB die Versorgung von unterschiedlichen medizinischen Fachrichtungen unterschiedlich plant. Je spezialisierter eine Facharztgruppe ist und je seltener die Patienten ihn wohnortnah benötigen, desto größer ist der zugrunde liegende Planungsbereich und somit womöglich auch die Fahrtwege und -zeiten.

Unterschiedliche Maßstäbe für unterschiedliche Fachrichtungen

Der Gesundheitsbericht des Landkreises von 2025 zeigt, dass von Schönefeld über Eichwalde, Zeuthen, Wildau und Königs Wusterhausen der nächste Hausarzt in unter 770 Metern Luftlinie bis 1,4 Kilometern Luftlinie entfernt ist. Im Westen und Osten von Königs Wusterhausen, also rund um Mittenwalde und Heidesee, ist der nächste Hausarzt zwischen 2,4 und 4 Kilometern Luftlinie entfernt und rund um Teupitz und südlicher zwischen 1,4 und 2,4 Kilometern. Südöstlich und südlich von KW ist die Entfernung zum nächsten Hausarzt am weitesten: nämlich über 4 Kilometer Luftlinie.

Planungsbereiche der Fachrichtungen

Die hausärztliche Versorgung wird auf der Basis von Mittelbereichen berechnet. Das ist die kleinste Planungseinheit. Im Landkreis Dahme-Spreewald gibt es drei Mittelbereiche: Schönefeld-Wildau, Königs Wusterhausen und Lübben.

Die allgemeine fachärztliche Versorgung wird auf der Basis von Landkreisen organisiert. Dazu gehören Augenärzte, Chirurgen, Frauenärzte, HNO-Ärzte, Hautärzte, Kinderärzte, Nervenärzte, Orthopäden, Psychotherapeuten und Urologen.

Die spezialisierte fachärztliche Versorgung wird auf der Grundlage von sogenannten Raumordnungsregionen geplant, im Fall von LDS die Raumordnungsregion Lausitz-Spreewald. Dazu gehören Anästhesisten, Fachinternisten (Rheumatologen, Kardiologen, Darmspezialisten, Lungenfachärzte, Nierenspezialisten, und weitere), Radiologen und Kinder- und Jugendpsychiater.

Schließlich gibt es noch die gesonderte fachärztliche Versorgung - Humangenetiker, Laborärzte, Neurochirurgen, Nuklearmediziner, physikalische und Rehabilitationsmediziner, Pathologen, Strahlentherapeuten und Transfusionsmediziner -, die auf der Basis des gesamten Gebiets der KVBB geplant wird, also für ganz Brandenburg.

Für die Entfernungen zu Fachärzten in LDS gibt es keine offizielle Statistik. Exemplarisch für Hautärzte, als Vertreter der allgemeinen fachärztlichen Versorgung über die Arztsuch-Funktion der KVBB ermittelt, ergibt sich für den Norden des Landkreises folgendes Bild: Im Umkreis von fünf Kilometern gibt es in Königs Wusterhausen (Postleitzahl 15711) drei Hautärzte, in zehn Kilometern Umkreis vier und in 20 Kilometern sechs.

Wer in Kablow, Zernsdorf oder Senzig wohnt (Postleitzahl 15712), findet in unter fünf Kilometern keinen Hautarzt, in zehn Kilometern Umkreis vier und fünf im Umkreis von 20 Kilometern.

Patienten, die in den Ortsteilen mit den Postleitzahlen 15713 wohnen, erreichen einen Hautarzt in einem Umkreis von fünf Kilometern, vier im Umkreis von zehn Kilometern und sechs im Umkreis von 20 Kilometern. Ähnlich sieht es in Eichwalde, Schulzendorf, Zeuthen, Schönefeld und Wildau aus, wobei Patienten aus Wildau im Umkreis von fünf Kilometern vier Hautärzte finden.

In Bestensee finden Patienten erst im Umkreis von zehn Kilometern einen Hautarzt, beziehungsweise dann gleich drei und im Umkreis von 20 Kilometern vier. Rund um Teupitz gibt es erst im Umkreis von 20 Kilometern einen beziehungsweise zwei Hautärzte.

Darmspezialist in der Regel im Umkreis von zehn Kilometern

Wie ist die Situation beispielsweise bei ambulanten Darmspezialisten als Vertretern der spezialisierten Fachärzte? In Königs Wusterhausen gibt es laut KVBB-Arztsuche zwei ambulante Darmspezialisten. Für Patienten, die 15711 als Postleitzahl haben, befinden sie sich in einem Umkreis von unter fünf Kilometern. Für die allermeisten Bewohner im Norden von Dahme-Spreewald liegen diese zwei einzigen Gastroenterologen jedoch in einem Umkreis von zehn Kilometern und mehr.

Ausgehend von den Hautärzten und Darmspezialisten bedeutet das, dass viele Patientinnen und Patienten auf den öffentlichen Personennahverkehr oder einen Pkw angewiesen sind, um einen Facharzt aufzusuchen. Vor allem, wenn sie auf andere Gebiete ausweichen.

Aus dem Bericht der Versorgungsbedarfsanalysen Brandenburg für die Wirtschaftsförderung Brandenburg aus dem Jahr 2024 geht hervor, dass rund jede fünfte Patientin beziehungsweise jeder fünfte Patient aus Dahme-Spreewald einen Arzt mit Kassensitz in Berlin besucht. Weitere 18 Prozent konsultieren eine vertragsärztliche Praxis in Brandenburg außerhalb der Versorgungsregion Lausitz-Spreewald.

Christian Wehry, Sprecher der KVBB, erklärt: „Es gibt keine feste maximale Kilometerzahl für die Erreichbarkeit von Ärzten. Entscheidend ist, ob die Versorgung im Einzelfall zumutbar ist. ‚Zumutbar‘ ist dabei nicht identisch mit ‚bequem‘!“

Was einem Patienten abverlangt werde, hänge unter anderem von der Fachrichtung, der Dringlichkeit, der Verkehrsverbindung, dem Alter, seiner Mobilität und der konkreten Versorgungssituation ab. Auch die Fahrt mit einem Taxi könne zumutbar sein. Stefan Wichary, Dezernent für Soziales, Jugend, Gesundheit, Integration, Kultur und Sport, meint ebenfalls, ob sich eine Person gut versorgt fühle, hänge davon ab, wie mobil sie sei.