Arzt in KW
: Patienten über ihre verzweifelte Suche nach einem neuen Hausarzt

In Königs Wusterhausen schließt ein Hausarzt am Fontaneplatz seine Praxis. Einen Nachfolger hat er nicht. Patienten berichten von einer katastrophalen Suche. Wohin können sie sich wenden?
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Arztsuche in Königs Wusterhausen: Edeltraut Wiese holt bei Hausarzt Neithard Hansche ein Rezept für ihre ältere Nachbarin ab. Sie hat eine neue Ärztin gefunden, doch die Suche gestaltete sich schwierig.

Arztsuche in Königs Wusterhausen: Edeltraut Wiese holt bei Hausarzt Neithard Hansche ein Rezept für ihre ältere Nachbarin ab. Sie hat eine neue Ärztin gefunden, doch die Suche gestaltete sich schwierig.

Maria Häußler
  • In Königs Wusterhausen schließt ein Hausarzt am Fontaneplatz seine Praxis ohne Nachfolger.
  • Ende Mai gehen rund 1000 Patientinnen und Patienten auf Suche nach neuer hausärztlicher Betreuung.
  • KVBB meldet einen Versorgungsgrad von 93,1 Prozent – zu wenig Hausärzte vor Ort.
  • Die KVBB rät zur Online-Suche und hilft telefonisch unter 116117 – viele fanden bereits Plätze.
  • Einzelne berichten von Absagen, doch einige Praxen nehmen noch auf; Empfehlungen sind begrenzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

In Königs Wusterhausen müssen bald 1000 Patientinnen und Patienten einen neuen Hausarzt finden. Ende Mai geht Neithard Hansche in Rente, einen Nachfolger für die Praxis am Fontaneplatz gibt es nicht. Manche Patienten hoffen auf eine Empfehlung von Dr. Hansche.

„Wir sagen, wo Ärzte sind, aber die Patienten müssen sich natürlich selber kümmern“, sagt Claudia Hansche, Neithard Hansches Frau, am Telefon. „Wir können nicht Hunderte Patienten vermitteln und wissen selbst nicht, wer noch Patienten annimmt.“ Aber sehr viele ihrer Patienten seien schon untergekommen und sie habe noch nicht gehört, dass jemand vergeblich gesucht hat.

Der Versorgungsgrad von Hausarztpraxen im Raum Königs Wusterhausen liegt laut Kassenärztlicher Vereinigung Brandenburg (KVBB) bei 93,1 Prozent. Das heißt, es gibt tatsächlich zu wenig Hausärzte. „Wir sind aber zuversichtlich, dass sich perspektivisch weitere Hausarztpraxen im Raum Königs-Wusterhausen ansiedeln, da wir in guten Gesprächen mit potenziellen Interessentinnen und Interessenten sind“, teilt Christian Wehry, der Pressesprecher der KVBB, mit. Es sei zu früh, um weitere Details zu nennen.

Hausarzt in Königs Wusterhausen: Wie gestaltet sich die Suche?

Vor der Praxis von Herrn Hansche äußern sich einige der Patienten zur Schließung. Edeltraut Wiese will ein Rezept für ihre Nachbarin abholen. „Hier in der Gegend nehmen die Ärzte alle keine Patienten mehr an“, sagt sie und deutet Richtung Fontaneplatz. „Man muss doch irgendwo unterkommen, ich finde, das ist eine Katastrophe.“ Drei Absagen habe sie bekommen, bevor sie eine neue Hausärztin für ihre Nachbarin in der Stadtmitte fand, erzählt Wiese. Frau Wolff nehme noch Patienten an. „Dann muss ich eben ein bisschen laufen“, sagt Wiese. „Mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.“

Wer keinen Hausarzt findet, kann sich an die KVBB wenden. Sprecher Wehry rät zur Online-Arztsuche unter www.kvbb-arztsuche.de. Darüber hinaus unterstütze die KVBB die Suche auch telefonisch unter der Rufnummer 116117. Eine Übersicht, wo eine Aufnahme wahrscheinlich ist, finden Sie auch hier.

Andere haben noch nicht gesucht. „Muss man sehen. Vielleicht kann der Herr Hansche auch etwas vorschlagen“, hofft Henry Grunst. Auch seine Mutter sei seit zehn Jahren Patientin hier. Grunst selbst müsse selten zum Arzt, hole für sie aber häufig Rezepte. Seit die Schließung bekannt ist, sei er nun das erste Mal vor Ort.

Eine andere Patientin sagt, dass sie schon seit ihrer Jugend zu Herrn Hansche geht. „Die Rente steht ihm, seiner Schwester und seiner Frau auch zu“, sagt sie. „Ich muss erstmal gucken und habe noch nicht nach einem neuen Arzt gesucht.“ Ihren Namen will sie nicht nennen.

Auch bei Facebook häufen sich besorgte Kommentare unter einem Beitrag zur Schließung: „Wo gehen wir jetzt hin...? Bin schon seit der Schule bei Hansche gewesen“, schreibt eine Nutzerin. Andere teilen, welche Praxen keine Patienten mehr aufnehmen. Viele nutzen aber auch die Gelegenheit, ihren Hausarzt zu loben: „Legende“ und „schön, dass er in Rente geht. Hat er sich verdient“, heißt es.