Befreiung KZ Sachsenhausen
: Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg

Vor 80 Jahren wurde das KZ Sachsenhausen befreit. Fünf Überlebende des Nazi-Terrors haben ihre Teilnahme zur Gedenkveranstaltung in Oranienburg zugesagt. Wir stellen sie kurz vor.
Von
Marco Winkler
Oranienburg
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Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus in Brandenburg: 27.01.2025, Brandenburg, Oranienburg, Gedenkstätte Sachsenhausen, 80 Jahre nach Befreiung von Auschwitz

Mehr als 200.000 Menschen waren im KZ Sachsenhausen in Oranienburg inhaftiert. Mindestens 55.000 Menschen wurden ermordet. Fünf Überlebende werden zum Gedenken anlässlich des 80. Jahrestags der Befreiung erwartet.

Marco Winkler
  • KZ Sachsenhausen wurde vor 80 Jahren befreit, fünf Überlebende nehmen an Gedenkveranstaltung teil.
  • Über 200.000 Menschen waren inhaftiert, mindestens 55.000 starben.
  • SS räumte das Lager am 22. April 1945, viele starben auf Todesmarsch.
  • Biografien von Überlebenden wie Bartnikowski und Fagot werden vorgestellt.
  • Zentrale Gedenkveranstaltung am 4. Mai mit Reden und interreligiösem Gottesdienst.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die Gedenkstätte Sachsenhausen hat rund 30 Überlebende des KZ Sachsenhausen zu den Veranstaltungen zum 80. Jahrestag der Befreiung eingeladen. Fünf von ihnen haben zugesagt. Sie wurden als Kinder und Jugendliche von den Nazis ins KZ und seine 100 Außenlager deportiert.

Am 22. April 1945 begann die SS in den Morgenstunden mit der Räumung des KZ Sachsenhausen. 30.000 Menschen wurden auf einen Todesmarsch Richtung Norden geschickt, viele starben auf dem Marsch an Entkräftung oder wurden erschossen.

Mindestens 55.000 Menschen starben im KZ Sachsenhausen

Am 23. April 1945 fanden sowjetische und polnische Soldaten noch rund 3000 Häftlinge im Lager vor. Sie waren zu alt, krank oder schwach, um auf den Marsch geschickt zu werden. 300 von ihnen überlebten die Befreiung nicht. Sie starben an den Folgen der Haft und wurden in sechs Massengräber an der Lagermauer bestattet.

Im KZ Sachsenhausen – systematische Vernichtung, Genickschussanlage, Gaskammer, Massenerschießungen, Krematorium – waren zwischen 1936 und Kriegsende mehr als 200.000 Häftlinge inhaftiert. Mindestens 55.000 Menschen starben oder wurden ermordet.

Fünf Überlebende haben ihre Teilnahme an der zentralen Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung am 4. Mai in Oranienburg zugesagt. Die Einladung der Überlebenden wurde vom Land Brandenburg, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft gefördert. Wir veröffentlichen an dieser Stelle die von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erstellten Kurzbiografien.

Bogdan Bartnikowski war als Kind im KZ Auschwitz-Birkenau

Bogdan Bartnikowski +++ HINWEIS: FOTO NUR ZUR EINMALIGEN NUTZUNG IM RAHMEN DER BERICHTERSTATTUNG 80. JAHRESTAG DER BEFREIUNG KZ SACHSENHAUSEN IN ORANIENBURG FREIGEGEBEN (zu Artikel: „Befreiung KZ Sachsenhausen / Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg“ 20.04.2025 +++

Bogdan Bartnikowski kehrte nach der Befreiung nach Polen zurück. Als Zeitzeuge wird er am 3. Mai in Oranienburg über seine Erfahrungen sprechen.

Gedenkstätte Sachsenhausen/Arvid Peschel

Der 1932 in Warschau geborene Bogdan Bartnikowski wurde im Zusammenhang mit dem Warschauer Aufstand im Sommer 1944 mit seiner Mutter zunächst in das KZ Auschwitz-Birkenau und im Januar 1945 in ein Außenlager des KZ Sachsenhausen in Berlin-Blankenburg verlegt. Er musste Zwangsarbeit in einem Enttrümmerungskommando leisten.

Nach der Befreiung kehrte Bogdan Bartnikowski nach Polen zurück. Als Journalist und Autor veröffentlichte er zahlreiche Bücher, darunter die 1969 erschienene Erzählung „Eine Kindheit hinterm Stacheldraht“, in der er seine Erfahrungen als Kind im KZ Auschwitz-Birkenau verarbeitet.

Am 3. Mai findet um 11.30 Uhr ein öffentliches Zeitzeugengespräch mit Bogdan Bartnikowski in der ehemaligen Häftlingswäscherei auf dem Gedenkstättengelände statt. Anmeldung unter aegerter@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Richard Fagot musste als Kind in Zigarettenfabrik arbeiten

Richard Fagot +++ HINWEIS: FOTO NUR ZUR EINMALIGEN NUTZUNG IM RAHMEN DER BERICHTERSTATTUNG 80. JAHRESTAG DER BEFREIUNG KZ SACHSENHAUSEN IN ORANIENBURG FREIGEGEBEN (zu Artikel: „Befreiung KZ Sachsenhausen / Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg“ 20.04.2025 +++

Richard Fagot erlebte mit seiner Mutter die Befreiung des KZ Sachsenhausen. Auf dem zentralen Gedenken wird er am 4. Mai eine Ansprache halten.

Gedenkstätte Ravensbrück/Caro Hoene

Richard Fagot wurde 1935 als Sohn einer assimilierten polnisch-jüdischen Familie in Łódź geboren. Nach der deutschen Besetzung wurde die Familie 1940 zwangsweise ins Ghetto Litzmannstadt übersiedelt, wo Richard bereits als kleiner Junge in einer Zigarettenfabrik arbeiten musste. Bei der Liquidierung des Ghettos im Sommer 1944 wurden er und seine Mutter ins KZ Ravensbrück und Anfang 1945 in das Außenlager Königs Wusterhausen des KZ Sachsenhausen deportiert.

Im April 1945 erlebte die Familie im Hauptlager Sachsenhausen ihre Befreiung. Nach der Auswanderung nach Israel 1950 studierte Richard Fagot Medizin. Viele Jahre praktizierte er als Gynäkologe und Geburtshelfer. Er lebt mit seiner Frau Elda in Tel Aviv, hat eine Tochter und eine Enkelin. Richard Fagot wird bei der zentralen Gedenkveranstaltung am 4. Mai eine Ansprache halten.

Pola Oren überlebte die brutale Zwangsarbeit

Pola Oren +++ HINWEIS: FOTO NUR ZUR EINMALIGEN NUTZUNG IM RAHMEN DER BERICHTERSTATTUNG 80. JAHRESTAG DER BEFREIUNG KZ SACHSENHAUSEN IN ORANIENBURG FREIGEGEBEN (zu Artikel: „Befreiung KZ Sachsenhausen / Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg“ 20.04.2025 +++

Pola Oren musste als Kind Zwangsarbeit im Ghetto verrichten. Nach dem Krieg wanderte sie mit ihrer Schwester nach Israel aus.

Gedenkstätte Sachsenhausen/Arvid Peschel

Pola Oren kam 1934 zur Welt und wuchs im polnischen Łódź auf. 1940 wurde die Familie von den deutschen Besatzern ins Ghetto Litzmannstadt zwangsumgesiedelt und zur Zwangsarbeit herangezogen. Nach der Auflösung des Ghettos im Sommer 1944 wurde Polas Familie zur weiteren Zwangsarbeit ins deutsche Reichsgebiet verschleppt und im Februar 1945 ins Lager Königs Wusterhausen, ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, eingewiesen.

In den letzten Kriegswochen gelangte Pola Oren in das Hauptlager Sachsenhausen, wo sie am 22. April 1945 befreit wurde. Nach dem Krieg wanderte sie mit ihrer Schwester nach Israel aus. Sie heiratete und gründete eine Familie, mit der sie heute in Ramat haScharon lebt.

Nikolai Urban gelang kurz vor Kriegsende die Flucht

Nicolai Urban +++ HINWEIS: FOTO NUR ZUR EINMALIGEN NUTZUNG IM RAHMEN DER BERICHTERSTATTUNG 80. JAHRESTAG DER BEFREIUNG KZ SACHSENHAUSEN IN ORANIENBURG FREIGEGEBEN (zu Artikel: „Befreiung KZ Sachsenhausen / Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg“ 20.04.2025 +++

Nicolai Urban wird im Mai zum ersten Mal seit seiner Flucht kurz vor Kriegsende wieder nach Oranienburg kommen.

Aldo Ellena/Freiburger Nachrichten

Nikolai Urban wurde 1924 in der ukrainischen Stadt Charkiw geboren. Während des Kriegs unterstützte er die Partisanen, wurde deshalb im Mai 1942 von den Deutschen verhaftet und ins KZ Sachsenhausen deportiert. Dort wurde der erst 17-Jährige im Außenlager Falkensee als Zwangsarbeiter für die Deutsche Maschinen AG (DEMAG) missbraucht.

Kurz vor Kriegsende gelang ihm im April 1945 mit zwei weiteren Ukrainern die Flucht. Die Männer überquerten die Frontlinie und schlossen sich dem 197. Regiment der Roten Armee an, das im Mai 1945 an der Befreiung Berlins beteiligt war.

Nach Kriegsende kehrte Nikolai Urban in die Ukraine zurück und lebte seit 1961 in Charkiw. Nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurde er im Februar 2022 in die Schweiz evakuiert. Derzeit lebt Nicolai Urban, der im vergangenen Jahr seinen 100. Geburtstag feiern konnte, in einem Altenheim für geflüchtete Ukrainer in Givisiez.

Jerzy Zawadzki kam mit acht Jahren ins KZ Sachsenhausen

Jerzy Zawadzki +++ HINWEIS: FOTO NUR ZUR EINMALIGEN NUTZUNG IM RAHMEN DER BERICHTERSTATTUNG 80. JAHRESTAG DER BEFREIUNG KZ SACHSENHAUSEN IN ORANIENBURG FREIGEGEBEN (zu Artikel: „Befreiung KZ Sachsenhausen / Sie haben die Nazis überlebt – Zeitzeugen in Oranienburg“ online am 20.04.2025 +++

Jerzy Zawadzki überlebte den Nazi-Terror. Im Prozess gegen den ehemaligen Sachsenhausener KZ-Wachmann Josef Schütz trat er als Nebenkläger auf.

Tomasz Tołłoczko

Jerzy Zawadzki kam 1936 in Warschau zur Welt. Im Alter von acht Jahren wurde er 1944 im Zusammenhang mit dem Warschauer Stadtaufstand festgenommen und mit seinem Vater Jan Zawadzki am 14. August 1944 über das Durchgangslager Pruszków in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

Seine erneut schwangere Mutter kam als Zwangsarbeiterin in eine Wollwarenfabrik in Osterode. Hierhin wurde im Februar 1945 auch der junge Jerzy überstellt und erlebte dort im Mai 1945 mit seiner Mutter und seiner im Oktober 1944 geborenen Schwester die Befreiung. Sein über Neuengamme nach Ravensbrück weiterverlegter Vater überlebte nicht.

Jerzy Zawadzki lebt heute in Kielce. 2021/22 trat er als Nebenkläger in dem in Brandenburg an der Havel geführten Prozess gegen den ehemaligen Sachsenhausener KZ-Wachmann Josef Schütz vor dem Landgericht Neuruppin auf.

Am 4. Mai wird er um 11 Uhr bei einem öffentlichen Zeitzeugengespräch in der ehemaligen Häftlingswäscherei über seine Erfahrungen berichten. Anmeldung unter aegerter@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Zentrale Gedenkveranstaltung am 4. Mai 2025 in der Gedenkstätte Sachsenhausen

Termin: Sonntag, 4. Mai, Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen

9.30 Uhr: interreligiöser Gottesdienst (ehemalige Häftlingswäscherei)

10 bis 13.30 Uhr: „Mitmachstation – Wir gestalten zusammen ein Kunstwerk, mit Angehörigen von NS-Verfolgten“ (ehem. Appellplatz)

11 Uhr: Zeitzeugengespräch mit Jerzy Zawadzki (ehem. Häftlingswäscherei)

14 Uhr: Begrüßung zum dezentralen Gedenken (Platz vor dem Neuen Museum)

15 Uhr: Zentrale Gedenkveranstaltung am Gedenkort Station Z, mit Ansprachen von Ministerpräsident Dietmar Woidke und vom KZ-Überlebenden Richard Fagot, Gebet, Kaddisch, Kranzniederlegung

17.30 Uhr: Internationales Treffen von und für Angehörige (organisiert vom Förderverein der Gedenkstätte Sachsenhausen und dem ISK), Anmeldung unter foerderverein-sachsenhausen@patese.de

19.30 Uhr: Gedenkveranstaltung der Niederländischen Botschaft zum nationalen Totengedenktag (Neues Museum), Hinweis: Veranstaltung in niederländischer Sprache ohne Dolmetscher

Das gesamte Programm für den 2. bis 5. Mai ist online zu finden.