Dating in Königs Wusterhausen
: Beim Speeddating versetzt - wo sind die Männer?

Im Schloss Königs Wusterhausen war ein Speeddating geplant. Allerdings tauchten die meisten der angemeldeten Herren nicht auf. Warum die Teilnehmerinnen trotzdem nicht enttäuscht waren.
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Zum Speeddating in Königs Wusterhausen kommen vier Frauen und nur ein Mann.

Zum Speeddating in Königs Wusterhausen kommen vier Frauen und nur ein Mann.

Maria Häußler
  • Speeddating im Schloss Königs Wusterhausen: Vier Frauen warteten, Männer blieben aus.
  • Die Leitung vergab royale Namensaufkleber und begrenzte die Zielgruppe auf Personen ab 50.
  • Ein Mann kam verspätet, die geplanten Fünf-Minuten-Dates fielen aus.
  • Stattdessen gab es eine Führung durchs Schloss – die Teilnehmenden zeigten sich gelassen.
  • Nächster Termin offen. Formate „Mann sucht Mann“ und „Frau sucht Frau“ wurden mangels Anmeldungen abgesagt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Vier Frauen sitzen mit einem Glas Sekt in der Hand im Schloss von Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) und warten. Es ist 16.40 Uhr, um halb fünf waren sie eigentlich zu einem Date verabredet. „Immer noch kein Mann“, sagt Margrit Schulze, als sie in den Raum zurückkehrt, und zuckt die Schultern. Die Leiterin des Schlosses hat das Speeddating an diesem Freitag organisiert.

Man könnte meinen, die Stimmung sei bei so einer Szene gedrückt. Doch schallendes Gelächter hallt in den gewölbten Räumen des Schlosses wieder. Zwei der Frauen sind gemeinsam gekommen und scherzen über den Umstand, dass die Männer sich nicht trauen: „Schreiben Sie ‚nicht mutig genug‘“, sagt die eine und lacht. „Da ist doch unser Prinz“, sagt die andere, als die Gruppe am Sicherheitsmann vorbeigeht. Dieser habe sich nicht überreden lassen, verrät eine Mitarbeiterin des Schlosses.

Die Veranstaltung findet jetzt zum zweiten Mal in Königs Wusterhausen statt und richtet sich an Personen ab 50. Junge Leute würden sich vielmehr über das Internet verabreden, so Schulze. Außerdem sei eine Eingrenzung notwendig, damit nicht etwa eine Person viel älter oder jünger sei als die andere. Die Idee gibt es bei der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten schon länger. In Oranienburg hat das Speeddating auch schon stattgefunden. Die Teilnehmenden bekommen Aufkleber mit Namen der königlichen Familie, um so „etwas anonym zu bleiben“, erklärt Schulze.

Mehr Anmeldungen von Frauen im Schloss Königs Wusterhausen

Viel mehr Frauen als Männer wollten teilnehmen, anmelden konnten sich insgesamt zehn. Eine Frau hatte sich als Mann angemeldet. Diese Anmeldung musste Schulze stornieren. Die Veranstaltung ist kostenlos und wird im Rahmen des geförderten Projekts „gemeinsam statt einsam“ finanziert. Möglicherweise fehle so die Verbindlichkeit, mutmaßt eine Teilnehmerin und lässt sich Sekt nachschenken. „Beim nächsten Mal machen wir es anders“, sagt die Schlossleiterin Schulze.

Dann taucht doch noch ein Mann auf. Um 16.45 Uhr betritt ein Herr mit Hemd und grauen Haaren den Raum. Seine Tochter habe ihn angemeldet und im Radio davon erfahren, erzählt er. Auf die Scherze der Damen steigt er gekonnt ein. „Wo ist der Fluchtweg?“, fragt er an die Leiterin gewandt, und lacht.

Die Dates hätten jeweils fünf Minuten lang sein sollen. Zwei Stühle stehen in jedem von fünf riesigen Schlossräumen zwischen Gemälden, versilberten Möbeln und unter mächtigen Kronleuchtern bereit. Darauf nimmt heute keiner Platz, doch die geplante Führung durchs Schloss findet trotzdem statt.

Im Schloss Königs Wusterhausen gibt es dann eine Führung statt Speeddating. Die Teilnehmer schauen sich ein Selbstporträt von König Wilhelm Friedrich an

Im Schloss Königs Wusterhausen gibt es dann eine Führung statt Speeddating. Die Teilnehmer schauen sich ein Selbstporträt von König Wilhelm Friedrich an.

Maria Häußler

Die 70-jährige „Dorothea Sophie“ aus Zeesen erklärt, dass sie sich einfach überraschen lassen wollte, und genau das sei ja passiert. „Anders als erwartet, aber auch schön“, sagt sie. Dorothea Sophie lächelt viel und erzählt von ihrem Urlaub an der Ostsee. Ihr Mann sei bereits verstorben und so gehe es vielen Frauen in ihrem Alter. Ihren echten Namen verrät sie nicht. Bei der Führung erfährt sie, dass sie den Namen der Königin und Frau von Friedrich Wilhelm trägt.

Weiterer Termin für Speeddating in Königs Wusterhausen kommt

Das Schloss Königs Wusterhausen sei ein Weihnachtsgeschenk und das Jagdschloss des Königs gewesen, erklärt Schulze. Das bekannteste Gemälde, das „Tabakskollegium“, hängt in dem Raum, den es darstellt. „Hier habe ich geheiratet“, sagt der einzige Herr unter den Damen und schaut sich um. „Ich auch!“, sagt Dorothea Sophie. Der Raum sehe jetzt aber anders aus.

Nach dem „Gruppendate“ heißt es: Wer jemanden wiedersehen wolle, darf sich gerne beim Schloss melden. Auf dem Heimweg sagen die beiden scherzenden Freundinnen, dass sie gar nicht enttäuscht seien. „Wir haben viel gelacht und sie haben es ja schön gemacht mit der Führung“, sagt die eine. „Es ist halt schade und alle werden fragen, wie es war.“ Die Menschen, die wirklich einsam seien, würden womöglich gar nicht an so etwas teilnehmen.

Das Speeddating mit nur einem Mann ausfallen zu lassen, sei schon richtig gewesen. „Sonst hätte er ja Angst bekommen“, sagt die mit dem Namen der Prinzessin „Wilhelmine“. „Und er hat uns ja jetzt ganz natürlich erlebt und kann dann entscheiden, ob er sich meldet.“

Wann das nächste Speeddating stattfindet, ist noch nicht bekannt. Die Formate „Mann sucht Mann“ und „Frau sucht Frau“ seien wegen zu weniger Anmeldungen von vorneherein abgesagt worden. Doch einen weiteren Versuch für heterosexuelle Singles soll es im Schloss Königs Wusterhausen wieder geben.