Demo am Flughafen BER: Laute Proteste am Terminal gegen Abschiebungen

Demonstranten halten am Flughafen BER Transparente gegen Abschiebungen hoch. Die Flugreisenden schauen nur im Vorbeigehen hin.
Till Eichenauer- Demonstrierende protestieren am Flughafen BER gegen Abschiebungen und die Außengrenzeneinrichtung.
- Die Polizei verlegte die Kundgebung nach draußen, da über 100 Teilnehmende erwartet wurden.
- Etwa 150 bis 200 Menschen versammelten sich, Reden und Musik liefen über Lautsprecher.
- Zeitpunkt in den Herbstferien sollte Sichtbarkeit schaffen – im Terminal blieb der Protest kaum sichtbar.
- Parallel gab es Aktionen an Flughäfen wie Frankfurt, Düsseldorf, Hannover, Köln, Leipzig und München.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Am Flughafen BER ist der Anblick eines Polizisten nichts Ungewöhnliches. An diesem Samstagnachmittag (24.10.) waren jedoch deutlich mehr Beamte im Terminal unterwegs als üblich. Sie suchten aber keine Verbrecher, sondern hatten ihre Augen auf Demonstranten im Gebäude. Als eine Gruppe Polizisten drei junge Menschen entdeckt, die sie für solche hält, spricht sie diese an. „Die Demonstration wurde nach draußen verlegt“, sagen sie und führen die drei zu einem Seiteneingang des Terminals.
Hier in einer eher tristen Ecke nördlich des Haupteingangs haben sich gegen 15 Uhr etwa 150 bis 200 Menschen versammelt. Auf mitgebrachten Bannern stehen Slogans wie „Migration ist kein Verbrechen“ oder die Forderung nach einem Abschiebestopp nach Afghanistan. Über Lautsprecher werden über anderthalb Stunden Reden gehalten und kämpferische Musik gespielt.
Neben einer allgemeinen Kritik an der verstärkten Abschiebepolitik der Bundesregierung steht vor allem die sogenannte Außengrenzeneinrichtung am Flughafen BER im Mittelpunkt, in der Migranten festgehalten werden, während ihre Asylanträge geprüft werden.
Demo am Flughafen BER bewusst in den Herbstferien
Der Termin fällt mitten in die Herbstferien in Brandenburg und Berlin. Am Flughafen sind viele Familien, die in den Urlaub fliegen. Laut Emily Barnickel, vom Flüchtlingsrat Berlin, wurde der Zeitpunkt nicht zufällig gewählt: „Der Flughafen ist längst kein Ort, der nur für Freizeit, Freiheit und Entspannung steht.“ Im Gegenteil: Der Flughafen werde laut der Aktivistin immer mehr von Berlin und Brandenburg für „Abschiebungen in die Unsicherheit und Angst“ genutzt.
Die etwa 150 Menschen, die das Bündnis mobilisieren konnte, hätten ihre Demo gerne sichtbar in der Mitte des Terminals 1 abgehalten. Das sei aber nicht möglich gewesen, erklärte ein Vertreter der Polizei vor Ort. Die Versammlung sei von den Veranstaltern mit 25 bis 500 Teilnehmern angekündigt worden. Bei nur 25 wäre eine Kundgebung auch im Flughafengebäude möglich gewesen.
Proteste gegen Abschiebungen an Flughäfen in ganz Deutschland
Als eine Teilnehmerzahl von über 100 absehbar war, wurde die Demo an den Seiteneingang verlegt, so die Polizei. Dadurch dürften nur sehr wenige Fluggäste etwas von dem Protest mitbekommen haben. Auf Bildern etwa aus Frankfurt am Main ist zu sehen, dass dort etwa 500 Menschen im Flughafen demonstrieren.
Denn nicht nur am Terminal in Schönefeld und in Frankfurt am Main wurde demonstriert, sondern zeitgleich auch an den Flughäfen in Düsseldorf, Hannover, Köln, Leipzig und München waren Proteste angemeldet. Zu der deutschlandweiten Aktion hatten verschiedene Organisationen aufgerufen, darunter die Bündnisse Seebrücke und Widersetzen.

Großes Aufgebot der Polizei am Flughafen BER. Die Proteste gegen Abschiebungen blieben friedlich.
Till EichenauerTrotz ihrer etwas abseitigen Lage und der wenigen Schaulustigen versuchten die Rednerinnen und Redner, ihre Botschaft den vorbeilaufenden Urlaubern mitzugeben. So wurden etwa Erfahrungsberichte von Menschen in den Abschiebeeinrichtungen vorgetragen.
Familie wird 15 Tage am Flughafen BER festgehalten
Einen Bericht über das Schicksal einer Familie in der Unterkunft am BER veröffentlichte Anfang der Woche auch die Deutsche Presseagentur (dpa). Sie wurde 15 Tage lang nach ihrer Ankunft am BER am Flughafen festgehalten. Das Ehepaar aus Algerien war nach der Landung zunächst zwölf Stunden lang befragt worden. Dort erzählten sie, dass sie als Minderheit der Imazighen in ihrem Land diskriminiert worden seien. Die Familie schilderte, wie sie von kriminellen Gruppen bedroht und ihre Tochter entführt worden sei.

Die Demonstranten fordern einen Abschiebestopp nach Afghanistan, in denen Menschen unter den islamistischen Taliban Lebensgefahr droht.
Till EichenauerNach der Befragung sei die Familie mit den Kindern im Alter von 10, 12 und 17 Jahren direkt in die sogenannte Außengrenzeneinrichtung am Flughafen Berlin-Brandenburg gekommen. „Es war wie im Gefängnis“, sagte die Mutter der dpa. Man habe in einem kleinen Zimmer mit spartanischer Einrichtung gelebt. Küche und Bad habe sie mit anderen Bewohnern teilen müssen, die ärztliche Versorgung sei unzureichend und einige Mitarbeiter seien „laut und aggressiv“ der Familie gegenüber gewesen. Erst als ein Gericht im Eilverfahren die Unterbringung am Flughafen BER stoppte, konnte die Familie nach über zwei Wochen in eine Erstaufnahme nach Eisenhüttenstadt weiterreisen.
Durch die Lage des Protests am Rande des Flughafengebäudes wurde der Reisebetrieb im Terminal nicht eingeschränkt. Dennoch sicherte die Polizei die Demonstration mit dutzenden Einsatzkräften ab.

