Drogen am Flughafen BER
: Berliner schmuggeln 40 Kilogramm Cannabis aus Thailand

Am Amtsgericht Königs Wusterhausen wurde noch nie ein größerer Fund von Drogen am Flughafen BER verhandelt. Warum die Strafe zur Bewährung ausgesetzt wird.
Von
Maria Häußler
Königs Wusterhausen
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Großkontrolle Bahnhofsviertel Frankfurt: 22.05.2025, Hessen, Frankfurt/Main: Drei Tütchen mit Cannabisblüten hat ein Polizist bei der Kontrolle eines mutmaßlichen Dealer in der Niddastraße am Hauptbahnhof gefunden. Das Bahnhofsviertel von Frankfurt gehört zu mit einer ausufernden Szene von Abhängigen und Dealern zu den Drogen-Hotspots Europas. Foto: Boris Roessler/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Am Flughafen BER fanden Zollbeamte insgesamt 40 Kilogramm Cannabis in zwei Koffern. Zwei junge Berliner stehen jetzt vor Gericht. (Symbolbild)

Boris Roessler/dpa
  • Am BER wurden in zwei Koffern 39,9 kg Cannabis entdeckt – zwei Berliner gestanden.
  • Die Männer reisten von Bangkok ein und erhielten laut Gericht je 12.000 Euro.
  • Urteil am Amtsgericht Königs Wusterhausen: 1 Jahr 3 Monate bzw. 1 Jahr 4 Monate auf Bewährung.
  • Der Jüngere besaß zusätzlich 6,6 g Kokain sowie einen Totschläger und ein Butterflymesser.
  • Der Richter betont die hohe Menge und sieht die Angeklagten als Kuriere einer Organisation.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zwei junge Berliner sitzen am 22. April auf der Anklagebank im Amtsgericht Königs Wusterhausen. Sie gestehen, rund 40 Kilogramm Cannabis in zwei Koffern von Bangkok nach Berlin geschmuggelt zu haben. Dabei sind sie dem Zoll am Flughafen BER bei einer Kontrolle aufgefallen. Es sei die größte Menge, die das Amtsgericht in Königs Wusterhausen jemals verhandelt habe, sagt Richter Michael Uecker bei der Urteilsverkündung.

Dafür geht es verhältnismäßig schnell. Zeugen sind keine geladen, die Schöffen und der Staatsanwalt stellen keine Fragen. Die Angeklagten haben nicht viel zu sagen. Sie stimmen beide der Erklärung ihrer Anwälte zu, dass sie sich aus Geldnot darauf eingelassen hätten und es ihnen leidtut. Nach der Festnahme saßen sie zwei Wochen in Untersuchungshaft.

Der kleinere von beiden, 23 Jahre alt, trägt ein Hörgerät und Turnschuhe mit schneeweißen Schnürsenkeln. Er spricht sehr leise und starrt in der Pause mit gesenktem Kopf auf sein Handy, sodass ihm seine gegelten Haare in die Stirn fallen. Er arbeite inzwischen im Bereich der Logistik, zur Tatzeit sei er Aushilfe in einer Bar gewesen. Auf dem Gang fragt sein Anwalt ihn, ob alles okay sei. Er antwortet „gut“, wirkt aber angespannt.

Drogen-Schmuggel zum Flughafen BER für 12.000 Euro

Der zweite ist 22 Jahre alt, arbeitslos und wohnt bei seiner Mutter. Er hat lange, hellbraune Locken und ist ganz in Schwarz gekleidet. In der Pause unterhält er sich angeregt mit seinem Anwalt. Obwohl bei ihm zusätzlich 6,6 Gramm Kokain, ein Totschläger und ein Butterflymesser bei einer Wohnungsdurchsuchung gefunden wurden, wirkt er lebhaft und eher unbeschwert.

Laut Anklageschrift nahmen die Angeklagten die zwei gepackten Koffer in Bangkok (Thailand) entgegen und führten die nicht geringe Menge am 16. März 2025 nach Deutschland ein. Zudem machen sie sich der Beihilfe zum Handel schuldig. Bei dem 22-Jährigen mit den langen Locken sind außerdem die gefährlichen Gegenstände und das Kokain gefunden worden.

„Ich werfe jetzt mal eine Frage in den Raum, um das Machtgefüge zu verstehen“, sagt Richter Uecker nach dem Geständnis. „Wieviel hat man Ihnen versprochen?“ Der 23-Jährige antwortet, dass sie jeweils 12.000 Euro bekommen hätten.

Insgesamt waren laut Gutachten in den Koffern 39,9 Kilogramm Cannabis mit 1082,24 Gramm THC-Gehalt, verpackt in ein bis zwei Kilogramm schweren Tüten. Das entspricht dem 44,3-fachen einer nicht geringen Menge, sagt Richter Uecker.

Kontrollen am BER: Cannabis kommt häufig aus Thailand

Thailand hat 2022 Cannabis legalisiert. Bei Kontrollen am Flughafen BER ist 2025 aufgefallen, dass Cannabisblüten häufig aus Thailand kamen. Das Land in Asien hat bereits 2024 die Strafen für solchen Drogenschmuggel erhöht. Im Juni 2025 hat Thailand auch die Legalisierung weitgehend zurückgenommen, THC-haltige Blüten sind seitdem nur noch für medizinische Zwecke erhältlich. Zum Tatzeitpunkt im März 2025 war Cannabis also in Thailand und in Deutschland legal erhältlich.

Richter Uecker sagt, dass die Angeklagten Glück gehabt hätten und bei der Einreise erwischt worden wären. „Ja, ist mir auch aufgefallen“, sagt einer der Angeklagten. Bis zu 15 Jahre Haft hätten ihnen wegen Schmuggel gedroht, wären sie in Thailand erwischt worden.

Der Staatsanwalt führt aus, dass die Angeklagten vor der Legalisierung in Deutschland zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt worden wären. Nun beantragt er ein Jahr und drei Monate für den 23-Jährigen und ein Jahr und vier Monate für den 22-Jährigen, der außerdem das Kokain und die Waffen besaß.

Das Urteil am Amtsgericht Königs Wusterhausen

Der Richter folgt dem Plädoyer des Staatsanwalts: Ein Jahr und drei Monate und ein Jahr und vier Monate mit zwei Jahren Bewährungszeit. Begründung: Es handelte sich um eine „absolut nicht geringe Menge“. Bei dieser Form der organisierten Kriminalität seien die Kuriere aber nur ein kleines Licht. Und er glaube, dass die Angeklagten etwas gelernt haben. „Unsere ganze Gesellschaft ist auf Geld ausgerichtet, es ist ein schwieriges Leben“, sagt Uecker. „Aber das ist selten der richtige Weg.“

Dem 22-Jährigen stellt der Richter einen Bewährungshelfer zur Seite. „Er befindet sich in einer Situation, in der er nicht weiß, wo es im Leben hingeht“, sagt er. „Das ist wirklich als Unterstützung und Hilfe gemeint.“ Angeklagte und Staatsanwalt verzichten auf Rechtsmittel. Damit ist das Urteil rechtskräftig und der Haftbefehl wird aufgehoben.