Expo 2035 in Schönefeld: Bürgermeister wollen die Weltausstellung, Potsdam zögert

Das Hauptgebäude des ehemaligen Flughafens Berlin-Schönefeld. Dem Areal könnte eine Schlüsselfunktion bei der Expo 2035 in Brandenburg und Berlin zukommen.
Till Eichenauer- Bürgermeister rund um Schönefeld werben für die Expo 2035 am BER als Impuls für die Region.
- Schönefelds Rathauschef will Infrastruktur: U7-Verlängerung, Regionalhalt Waltersdorf, Anschluss Kiekebusch.
- Gemeinden wie Eichwalde und Wildau unterstützen das Vorhaben, fordern aber klare Konzepte und Finanzierung.
- Kritik an Potsdam: KW-Bürgermeisterin sieht Zögern der Landesregierung und fehlende Antwort auf Schreiben.
- Berlin und Brandenburg prüfen eine gemeinsame Bewerbung, Ergebnisse sollen bis Oktober vorliegen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Will Schönefeld einen Eiffelturm? Nicht direkt. Aber Schönefelds Bürgermeister Christian Hentschel will die Expo 2035 nach Brandenburg, zum Flughafen BER holen. Und so wie der Eiffelturm an die Weltausstellung 1889 in Paris erinnert, könnten bald andere Bauwerke über Generationen hinweg an die Weltmesse im Berliner Speckgürtel erinnern.
Aber Hentschel wünscht sich weniger symbolische Monumentalbauten für Schönefeld, sondern „enkelfähige Entscheidungen“ für die Zukunft. Falls seine Stadt das Zentrum der Expo in Brandenburg und Berlin wird, hofft er vor allem auf neue Bahnen und Straßen. Auf Nachfrage bringt er eine Verlängerung der U7 bis nach Schönefeld, einen Regionalbahnhalt in Waltersdorf oder einen neuen Autobahnanschluss in Kiekebusch ins Spiel. Für diese Projekte könnte die Expo ein „strategischer Beschleuniger“ werden, so Hentschel – für die ganze Region gar ein „Jahrhundert-Impuls“.
Auch die ehemaligen Berliner Flughäfen Tegel und Tempelhof sind als Expo-Standorte im Gespräch. Wie der Schönefelder Bürgermeister hoffen aber auch seine Amtskollegen auf eine Weltausstellung südöstlich von Berlin. Die Flughafen-Gemeinden könnten neben anderen Städten in Brandenburg kleinere Satellitenstandorte der Hauptausstellung werden, so der Plan.
Expo 2035: Kein klassisches Messegelände für Schönefeld
In Eichwalde etwa, fünf Kilometer östlich des Flughafens BER gelegen, glaubt man an die Strahlkraft eines solchen Großereignisses. „In einer Zeit, in der alle nur meckern und jammern und alles schwarzmalen, kann das ein guter Impuls sein“, sagt Eichwaldes Bürgermeister Jörg Jenoch. Eine Expo koste natürlich Geld, aber „wir können uns doch nicht kaputtsparen und sagen, wir können nichts mehr machen“.
Aber auch Jenoch betont, dass die Weltausstellung kein Selbstzweck sein soll. „Wir wollen nicht, dass man irgendwo einfach ein Messegebäude hinstellt – sondern dass die Region das Ausstellungsgelände ist.“ Ein Expo-Gelände, wie es in Hannover im Jahr 2000 entstanden ist, scheint niemand zu wollen. Um eine mögliche Bewerbung im Sinne der Region zu gestalten, sei man daher in den Gemeinden von Schönefeld bis Königs Wusterhausen im Austausch und versuche auch bei der Landesregierung, die eigenen Ideen und Vorstellungen zu platzieren, so der Bürgermeister von Eichwalde: „Wir sind jetzt im Hintergrund dabei, die Bewerbung inhaltlich zu unterfüttern.“
Auch südlich von Eichwalde sieht man eine mögliche Expo in der Nachbarschaft positiv. Der Bürgermeister der Hochschulstadt Wildau, Frank Nerlich, betont jedoch, dass bei einem solchen Mega-Projekt alle an einem Strang ziehen müssen, vor allem Berlin und Brandenburg: „Wenn man so was will, dann muss man sich auch wirklich mit der ganzen Kraft dahinterklemmen. Sonst braucht man es nicht machen.“
Seine Stadt Wildau könnte ihre beispielhafte Transformationsgeschichte, von der Lokomotivfabrik zum Innovationsstandort mit technischer Hochschule, bei der Weltausstellung präsentieren, so Nerlich. Aber bei allen positiven Möglichkeiten der Expo müsse man auch die Kosten im Blick behalten. „Ohne finanzielle Mittel können wir das nicht stemmen. Da müssen Land und Bund einspringen und entsprechende Mittel zur Verfügung stellen“, so der Bürgermeister. Um eine Entscheidung treffen zu können, müsse ein konkretes Konzept vorliegen, das die Kosten und Investitionen klar benennt.

In Berlin wird für die Expo 2035 in der Region schon eifrig Werbung gemacht. Auch die Initiatoren der EXPO 2035 Berlin GmbH hoffen, dass die Politik sich bald eindeutig zu dem Projekt bekennt.
Jens Kalaene/dpaBis es konkret wird mit der Expo-Bewerbung von Berlin und Brandenburg, könnte es aber noch dauern. Denn am Ende sind es Brandenburg, Berlin und nicht zuletzt der Bund, die sich für das Projekt entscheiden müssen. Der letzte konkrete Schritt in diese Richtung war eine Verlautbarung Anfang Juni, dass man in Potsdam und Berlin eine gemeinsame Bewerbung prüfen wolle. Ergebnisse sollen bis Oktober vorliegen. Dazwischen wird jedoch im September in Berlin noch ein neuer Bürgermeister oder eine Bürgermeisterin gewählt. Und bislang lag die Priorität des Berliner Senats ohnehin eher auf der Bewerbung für die Olympischen Spiele 2036.
Geschichte der Weltausstellungen
Die EXPO geht auf die ersten Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts zurück, die Technik, Fortschritt und Kultur aus vielen Ländern präsentierten.
Die letzte Weltausstellung in Deutschland, im Jahr 2000 in Hannover, sahen rund 18 Millionen Menschen.
Ausstellungen können bis zu sechs Monate dauern. Große Ausstellungen gastierten zuletzt 2010 in Shanghai, 2015 in Mailand und 2020 in Dubai. Zur Expo 2025 in Osaka, Japan, kamen rund 29 Millionen Besucher.
Einigen Stadtoberhäuptern im Berliner Speckgürtel fehlt aber auch von der Brandenburger Landesregierung die nötige Begeisterung und Tatkraft für das Expo-Projekt. Michaela Wieczorek beklagte unlängst vor Vertretern des Dialogforums BER: „Gerade in einer Zeit, in der der Wirtschaftsstandort Deutschland massiv gefährdet ist, dürfen wir die Chance nicht verpassen, ein Signal des Aufbruchs zu setzen.“
Bürgermeisterin von KW: Landesregierung in „Lethargie“
Und weiter: „Ich kann nicht verstehen, dass wir eine so zögerliche Landesregierung haben, die sich hier nicht zu einer klaren brandenburger Position durchringt.“ Wieczorek sieht die Region um den Flughafen als einen „Motor für das Land Brandenburg“, der aber viel zu oft vernachlässigt werde, was sich auch bei der Bewerbung um die Expo zeige. Sie selbst habe ihre eigene Position gegenüber der Landesregierung in einem Brief klargemacht – aber darauf keine Antwort erhalten. „Was ich wahrnehme, ist eine Lethargie, die mich verzweifeln lässt“, so die Bürgermeisterin von Königs Wusterhausen. Auch die Wirtschaft hatte zuletzt mit ihrem Wunsch nach einer Expo bei der Politik Druck gemacht.
Auf Nachfrage verweist man in Potsdam auf den derzeitigen politischen Schwebezustand in Berlin: „Wir haben derzeit keinen neuen Stand. Wir müssen zunächst die Wahl in Berlin abwarten“, so der Pressesprecher der Staatskanzlei, Michael Schlick. Alles andere wäre unseriös. „Grundsätzlich muss aber erst mal ein Konzept auf den Tisch und dann kann man sich über die Finanzierung Gedanken machen“, so Schlick. Prinzipiell stehe die Landesregierung aber hinter dem Vorhaben.
Zumindest Schönefelds Bürgermeister Hentschel hält im Angesicht der anstehenden Wahlen in Berlin eine „abwartende Haltung für nachvollziehbar“. Dass bis Oktober ein Konzept auf dem Tisch liegen solle, sei bereits ein Erfolg. Überhaupt müsse eine Veranstaltung wie diese wohldurchdacht und auf lange Sicht geplant werden, so Hentschel: „Das wahre Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen beginnt am Tag nach dem Ende der Ausstellung.“

