Expo 2035
: Welche Chance hat Berlin auf die Weltausstellung?

Die Expo 2035 gilt als große Chance für die Metropolregion Berlin-Brandenburg. Doch für den Senat hat Olympia Priorität. Geht auch beides?
Von
Maria Neuendorff
Berlin
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Wenn es nach den Expo-Fans geht, soll das Gelände des ehemaligen Flughafens in Berlin-Tegel einer der Hauptstandorte der Weltausstellung 2035 werden.

Frank Schröder
  • Berlin erwägt eine Bewerbung für die Expo 2035, doch der Senat priorisiert Olympia.
  • Global Goals Berlin will eine dezentrale Expo, u. a. in Tegel, Marzahn und am BER.
  • Statt Pavillons sollen nachhaltige Bauten entstehen – getragen von einem Beschleunigungsgesetz.
  • Tegel-Projektleitung warnt vor Konflikten mit laufender Entwicklung und bestehenden Verträgen.
  • Wegner sieht die Expo als Chance, doch Gespräche mit Brandenburg stocken laut Grünen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit dem 1. Mai kann Berlin sein Interesse an der Weltausstellung offiziell bekunden, doch ob sich die Stadt tatsächlich für die Expo 2035 bewerben wird, ist offen. Der Fokus des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) liegt derzeit ausschließlich auf der Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044.

Doch anders als bei Olympia gibt es bei der Weltausstellung keine innerdeutsche Konkurrenz. Nach den EXPOs in Asien (Osaka 2025) und dem Mittleren Osten könnte nun wiederum die westliche Hemisphäre an der Reihe sein.

Da bisher außer Miami (USA) keine weitere Bewerbungsabsicht vorliegt und keine weitere europäische Stadt Ambitionen zeigt, könnte Berlin zum Favoriten werden.

Mit der Expo zur Klimaneutralität

„Die EXPO 2035 ist geopolitisch die einzige Bewerbung, die Berlin fast sicher gewinnen kann“, sagt Daniel-Jan Girl, Vorstand des Vereins Global Goals Berlin e.V, einem Bündnis aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur.

Der ehemalige Präsident der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) ist selbst Unternehmer und Technologieentwickler. Mit seinem Verein will der 46-Jährige die Metropolregion Berlin-Brandenburg so schnell wie möglich klimaneutral machen und bis 2035 möglichst alle 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen umsetzen.

Die Ergebnisse und Erfolge sollen in einer EXPO 2035 in der ganzen Stadt an realen Orten präsentiert werden. Bei der internationalen Messe, die alle fünf Jahre stattfindet, zeigen Länder aus der ganzen Welt Technologien, Kultur und Zukunftsvisionen.

Für die Weltausstellung 2035 wollen die Initiatoren auf die üblichen temporären Ausstellungs-Pavillons auf einem Messegelände verzichten. Stattdessen sollen in der Stadt vor allem nachhaltige Bauten entwickelt werden. „Es entstehen dauerhafte Objekte, deren zukünftige Nutzung für Gewerbe, Forschung und Industrie von Beginn an feststeht“, heißt es vom Verein.

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Diese Visualisierung soll zeigen, wie es auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens in Tegel vielleicht aussehen könnte, wenn die Expo 2035 in Berlin stattfinden würde.

EXPO 2035 Berlin GmbH

Beispiele könnten innovative Wohnraumprojekte, luftreinigende Mooswände in Einkaufszentren und autonome Logistiksysteme sein. Kern der Bewerbung ist laut Verein ein vorgeschlagenes EXPO-Beschleunigungsgesetz.

„Damit wird ganz Berlin zur Sonderinnovationszone. Alle Projekte der Stadtgesellschaft, die nachweislich auf die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele bis 2035 einzahlen, erhalten Vorrang bei Genehmigungen und Planungsverfahren“, erklärt Daniel-Jan Girl.

Auch BER könnte zum Expo-Standort werden

Der Global Goals Berlin Verein sowie die 2024 gegründete Expo 2035 Berlin GmbH nennen dabei drei potenzielle EXPO-Hauptgelände: das Areal des ehemaligen Flughafens in Tegel, den CleanTech Business Park in Marzahn und das Umfeld des Flughafens BER am südöstlichen Stadtrand.

Die Initiative will dazu nach eigenen Angaben dem Aufsichtsrat der Tegel Projekt GmbH ein konkretes Kauf- und Pachtangebot für die benötigten Flächen vorlegen. Denn im Falle einer Bewerbung werde eine Umsetzungsgesellschaft aus Bund, Land, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gegründet, heißt es. Diese pachtet das jeweilige Areal vom Land Berlin bis nach 2035.

Auf einem Teil des fast 500 Hektar großen Tegel-Geländes soll jedoch schon die Urban Tech Republic mit bis zu 1000 großen und kleineren Unternehmen entstehen, in das ehemalige Empfangsgebäude soll zudem die Berliner Hochschule für Technik (BHT) einziehen.

„Wir begrüßen grundsätzlich die Idee einer dezentralen Expo in ganz Berlin und haben den Initiatoren im Sinne eines konstruktiven Austauschs bereits vor längerer Zeit Flächen im 3. und 4. Bauabschnitt der Urban Tech Republic angeboten“, sagt Frank Wolters, Geschäftsführer der Berlin TXL Management GmbH.

Rund 40 Unternehmen schon auf Tegel-Gelände

Gleichzeitig sehe man aber eine deutliche Lücke zwischen den Ankündigungen der Expo-Initiatoren und der ausbleibenden Konkretisierung, die für ein Vorhaben dieser Größenordnung zwingend erforderlich sei.

Zur angekündigten Absicht eines Kauf- beziehungsweise Pachtangebots für das Tegel-Gelände sagt Wolters: „Es handelt sich nicht um eine grüne Wiese oder um frei verfügbare Flächen, sondern um Grundstücke, die wir im Auftrag des Landes Berlin gezielt erworben haben, um die langfristige und längst begonnene Entwicklung mit der Urban Tech Republic und dem Schumacher Quartier mit bis zu rund 5.000 Wohnungen zu sichern.“

Aufgabe der Tegel Projekt GmbH sei es, Verlässlichkeit für Berlins bedeutendstes sozial-ökologisches Innovationsprojekt sicherzustellen, und nicht wechselnde Event-Logiken über ein bereits laufendes, abgestimmtes Entwicklungsgeschehen zu stellen, betont Wolters.

Berlin TXL sei jetzt schon ein eng verzahntes System mit erheblichen technischen, infrastrukturellen und regulatorischen Abhängigkeiten. „Energieversorgung, Forschung, Gewerbe und Wohnen greifen hier unmittelbar ineinander“, erklärt Wolters. Rund 40 Unternehmen seien vertraglich gebunden, weitere Ansiedlungen in Vorbereitung.

Zusätzliche Milliarden für Infrastruktur

Insbesondere die Sicherstellung der Energieversorgung im Berliner Nordwesten sei keine „kleinere Entwicklung“, sondern nicht verhandelbarer Baustein der Planung.

Die Expo-Initiatoren wollen mit einer eigenen Gesellschaft das Gelände nach bestehenden Plänen und gesetzlichen Vorgaben entwickeln. Dabei fließen Milliarden Euro in den Bau des Areals und in zusätzliche Infrastruktur, heißt es vom Verein. „Dies steigert den Wert des Areals massiv.“

Ein Bus mit der Beschriftung „Jaaaaa“ der Kampagne zur Bewerbung für eine Weltausstellung „Ja zur Expo 2035 Berlin“ des Vereins Global Goals.

Ein Bus mit der Beschriftung „Jaaaaa“ wirbt in Berlin für die Weltausstellung Expo 2035. Der Vereins Global Goals hat im März die Werbe-Kampagne auf den Weg gebracht.

dpa/Jens Kalaene

Nach Ende der EXPO soll das Areal mit Bauten und Ankermietern an das Land übergeben werden. „Dadurch würde das Land Berlin doppelt profitieren – durch eine planmäßige Fertigstellung des Standorts bis 2035 und durch die erheblichen Wertsteigerungen und Mieteinnahmen“, heißt es von der Expo 2035 GmbH.

Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sagte am Dienstag (5.5.) bei der Vorstellung der Olympia-Bewerbung auf die Frage nach einer Expo-Bewerbung: „Ja, die Expo kann eine Chance für die Metropolenregion sein. Wir sind in Gesprächen mit dem Land Brandenburg und wir müssen einfach gucken, wie es darstellbar ist.“

Olympia und Expo

Die klare Priorität des Berliner Senats liege auf den Olympischen und Paralympischen Spielen, betonte das Stadtoberhaupt erneut.

Die Berliner Grünen kritisieren, dass es bislang kein Treffen von Wegner mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zur EXPO gegeben habe. „Während Olympia als Top-down-Projekt die Menschen in Berlin nicht erreicht, kommt die Initiative für eine EXPO 2035 aus der Mitte der Gesellschaft und wird von der Berliner Wirtschaft getragen“, sagte Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch am Mittwoch (6.5.). „Mit seinem Agieren macht Wegner kaputt, was gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten ein Lichtblick werden könnte.“

Daniel-Jan Girl findet, dass sich Olympische Spiele und Weltausstellung nicht ausschließen: Doch nur die EXPO schaffe durch die langfristige Einbindung der Bürger und die Transformation zur funktionierenden Modellstadt die soziale Basis, die für Olympia fehle, so der Geschäftsmann. „Wer Olympia wirklich will, muss die EXPO vorschalten.“