Influencerin in Königs Wusterhausen
: Blinde Frau zeigt die Stolperfallen der Stadt

Die blinde Influencerin Jasmin Steppat dokumentiert in Königs Wusterhausen Hindernisse, die für Sehende oft unsichtbar bleiben. Warum sie dafür im Netz angegriffen wird und auswandern will.
Von
Till Eichenauer
Königs Wusterhausen
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Jasmin Steppat kommt ursprünglich aus Königs Wusterhausen und ist sehbehindert. In den sozialen Medien zeigt sie, welche Hindernisse in ihrer Heimatstadt blinden Menschen Probleme machen.

Jasmin Steppat kommt ursprünglich aus Königs Wusterhausen und ist sehbehindert. In den sozialen Medien zeigt sie, welche Hindernisse in ihrer Heimatstadt blinden Menschen Probleme machen.

Till Eichenauer
  • Blinde Influencerin zeigt in Königs Wusterhausen unsichtbare Hindernisse im Alltag.
  • Leitstreifen und Treppen am Bahnhof führen in die Irre, Ansagen reichen oft nicht.
  • Enge Gehwege, Baustellen und Marktstände erschweren den Weg – Rücksicht ist nötig.
  • Online wird sie angegriffen, obwohl sie Barrieren sichtbar machen will.
  • Sie findet schwer Jobs als Erzieherin, lernt Social Media und träumt von Fuerteventura.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der Blindenstock gleitet über den geriffelten Leitstreifen auf der Karl-Marx-Straße in Königs Wusterhausen. „Der ist falsch verlegt und führt mich direkt auf die Straße“, sagt Jasmin Steppat. Was den allermeisten Bewohnern in Königs Wusterhausen wohl noch nie aufgefallen ist, ist für die 29‑Jährige eine echte Gefahr.

Die junge Frau hat sich zur Aufgabe gemacht, in ihrer Heimatstadt auf die versteckten Schwierigkeiten für Menschen mit Sehbehinderung hinzuweisen. „Ich bin seit meiner Geburt sehbehindert“, sagt sie deshalb selbstbewusst in die Handykamera. „Auf dem linken Auge bin ich blind und auf dem rechten sehe ich noch 10 Prozent.“

Die kurzen Clips, in denen sie auf die Hürden im Alltag blinder Menschen hinweisen, werden auf Instagram und Tiktok zehntausendfach geklickt. Ein wichtiges Thema dort: der Bahnhof in Königs Wusterhausen. „Diese Treppe hier ist echt blöd. Man muss schräg laufen, und wenn es voll ist, kommt man nicht ans Geländer. Da bin ich schon öfter gestolpert“, sagt Jasmin Steppat.

Leitstreifen am Bahnhof Königs Wusterhausen führen ins Nichts

Weiter geht es auf dem S‑Bahn-Gleis. „Das ist die absurdeste Stelle am Bahnhof“, sagt Steppat. Dort läge zwar für ein paar Meter ein Leitstreifen für Blinde, der wird dann aber einfach zu einem weißen Strich aus Farbe auf dem Boden, den man nicht mehr ertasten kann.

Und überhaupt ist die Orientierung am Bahnhof oft schwer. Wer nichts mehr sieht, kann nur schwer herausfinden, welcher Zug gerade einfährt. „Da gibt es einmal eine Ansage und wenn man die verpasst, hat man keine Ahnung. Gerade in Berlin bin ich schon oft in die falsche S‑Bahn eingestiegen“, so Steppat.

Jasmin Steppat kommt ursprünglich aus Königs Wusterhausen und ist sehbehindert. In den sozialen Medien zeigt sie, welche Hindernisse in ihrer Heimatstadt blinden Menschen Probleme machen.

Jasmin Steppat kommt ursprünglich aus Königs Wusterhausen und ist sehbehindert. In den sozialen Medien zeigt sie, welche Hindernisse in ihrer Heimatstadt blinden Menschen Probleme machen.

Till Eichenauer

Heute lebt die 29-Jährige in Berlin-Köpenick. Ihre Schulzeit hat sie aber an der Blindenschule in Königs Wusterhausen verbracht. „Ich finde es gerade in einer Stadt mit einer Schule für blinde Menschen besonders wichtig, dass man auf Barrierefreiheit achtet.“

Allein auf dem Weg entlang der Bahnhofstraße gibt es für Jasmin Steppat einige Hindernisse. So steht etwa überraschend ein Marktstand auf dem Gehweg. Für Sehende kein Problem. Die junge Frau muss ihn erst mit dem Blindenstock ertasten und sich einen Weg drumherum suchen. Auch die Baustelle im oberen Teil der Bahnhofstraße ist für Steppat nicht ganz leicht: „Wenn es eng wird auf dem Gehweg mit Gegenverkehr, ist das Stress für mich.“

Jasmin Steppat kommt ursprünglich aus Königs Wusterhausen und ist sehbehindert. In den sozialen Medien zeigt sie, welche Hindernisse in ihrer Heimatstadt blinden Menschen Probleme machen.

Auf engen Gehwegen, wie hier in der Bahnhofstraße in Königs Wusterhausen, hat Jasmin Steppat etwas Probleme. Das Zeichen auf ihrer Brust zeigt anderen, dass sie eine Sehschwäche hat.

Till Eichenauer

Im Alltag ist sie oft auf die Rücksichtnahme von anderen angewiesen und braucht auch manchmal etwas Unterstützung. Aber auch das ist nicht immer einfach: „Wenn ich nach Hilfe frage, wollen mich viele sofort am Arm nehmen und irgendwohin führen.“ Das sei gut gemeint, aber oft zu viel des Guten. „Es reicht auch völlig aus, mir einfach zu erklären, wo ich lang muss.“

„Die Menschen fühlen sich einfach persönlich angegriffen.“
Jasmin Steppat
Influencerin und Social-Media-Managerin

Wenn Jasmin Steppat Probleme wie diese oder ganz praktische Barrieren in der Stadt in ihren Social-Media-Videos anspricht, bekommt sie im Netz nicht nur Zuspruch: „Gerade bei den Videos über Königs Wusterhausen schreiben Leute dann: Lass KW in Ruhe. Die Menschen fühlen sich einfach persönlich angegriffen, ohne überhaupt zu verstehen, worum es mir eigentlich geht.“

Barrieren für blinde Menschen auch auf dem Arbeitsmarkt

Aber nicht nur im Alltag hat Jasmin Steppat oft Schwierigkeiten – auch im Berufsleben hat sie mit Barrieren zu kämpfen: „Ich bin gelernte Erzieherin, habe in dem Bereich aber keinen Job gefunden, weil mich niemand mit Sehbehinderung in der Kinder- und Jugendarbeit gesehen hat.“ Viele Arbeitgeber hätten wohl Sorge, dass das nicht funktioniert, vermutet sie. Zwischendurch hat sie als Jobcoach etwa für Langzeitarbeitslose gearbeitet.

Um sich eine neue Perspektive zu schaffen, hat sie sich deshalb zuletzt zur Social-Media-Managerin weitergebildet, „weil ich schon meine eigenen Accounts hatte, und gemerkt habe: Das macht mir Spaß.“ Damit will Steppat aus ihrer Leidenschaft für die Videos auf Instagram und Tiktok, nun einen Beruf machen.

Am liebsten wäre es Jasmin Steppat, wenn sie mobil arbeiten könnte. Ihr größter Traum ist es nämlich, auszuwandern – auf die Kanareninsel Fuerteventura. Auf der Urlaubsinsel sei man auch besser auf sehbehinderte Menschen eingestellt als in Ihrer Heimatstadt Königs Wusterhausen: „Ich fühle mich dort sicherer als hier. Das ist traurig, aber wahr.“