Kinder in Königs Wusterhausen
: Tochter „leidet“, Mutter erlebt wahre Odyssee

Was tun, wenn Kinder leiden und niemand so richtig helfen kann? Eine Mutter aus Königs Wusterhausen schildert den langen Weg zur Diagnose und die Kreissprecherin rät, wie es schneller geht.
Von
Marlene Wetzel
Königs Wusterhausen
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Die Folgen einer materiellen Armut treffen nicht zuletzt Kinder besonders starkt. In Frankfurt (Oder) ist die Kinderarmutsquote zwar bis 2021 rückläufig, aber die Stadt hat noch viele Aufgaben vor sich.

Wohin können sich Eltern in Königs Wusterhausen wenden, wenn ihre Kinder Verhaltensauffälligkeiten zeigen? Eine Mutter schildert ihren Weg. (Symbolbild)

Patrick Pleul/dpa
  • Mutter aus Königs Wusterhausen schildert langen Weg zur Diagnose ihrer Tochter.
  • Kind zeigte starke Auffälligkeiten in Kitas, fühlte sich erst in Integrationskita wohl.
  • Datenschutz und fehlende Zuständigkeiten verzögerten Abläufe – Arztbrief kam spät.
  • Diagnose lautete „Regulationsstörung“, Förderung läuft über SPZ und Frühförderstellen.
  • Verfahren im Landkreis seit Januar 2026 neu organisiert, empfohlen: zuerst Kinderarzt.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Sie konnte einfach nicht mit anderen Kindern spielen und hat sich so sehr wegen Kleinigkeiten gestresst“, erzählt eine Mutter aus Königs Wusterhausen, die lieber anonym bleiben möchte, um ihr Kind zu schützen. Ihre Tochter Alina (Name von der Redaktion geändert) ist vier Jahre alt und hat in ihrem kurzen Leben schon einiges mitmachen müssen.

„Ihr Verhalten war einfach auffällig. Das habe nicht nur ich so gesehen, sondern auch die Hebamme. Es hat nicht nur die ganze Familie beeinflusst, sondern auch den Kita-Alltag. Vor allem aber habe ich gesehen, wie sehr sie leidet“, fährt Alinas Mutter fort. „Doch wir konnten keinen Platz finden, wo sie sich wohlgefühlt hat.“

Heute besucht Alina ihre dritte Kita, eine Integrationskita, und es geht ihr viel besser. Doch bis dorthin war es ein langer Weg durch den Behördendschungel. Ohne die Unterstützung von anderen Mamas hätte Alinas Mutter nicht mehr weitergewusst.

Kinder in Königs Wusterhausen: Eltern müssen sehr aktiv sein

Sie hätten einfach keinen richtigen Ansprechpartner finden können, schildert die KWerin. Die Leute, inklusive Kinderarzt, hätten Dinge gesagt, wie: „Ach, das wird schon, sie ist ein bisschen sensibel, aber das wächst sich raus.“ Doch sie habe gemerkt, dass da etwas einfach nicht passt. „Und dann steht man da, und man weiß einfach nicht, was man machen soll oder kann.“

In der ersten Kita, die Alina in Königs Wusterhausen besucht hat, seien die ohnehin schon überlasteten Erzieher mit ihrer Tochter überfordert gewesen. Sie habe oft geweint, und niemand habe so richtig gewusst, warum eigentlich. Aber wegen der Ausrichtung der Kita, oder besser wegen des Konzepts der Kita, habe man keine offiziellen Berichte erstellen können.

In der zweiten Kita habe sie zum ersten Mal endlich das Gefühl bekommen, jemand höre ihr wirklich zu. Die Leiterin habe ihr versichert, dass sie einen Weg für Alina fänden. Der entscheidende Tipp aber sei von anderen Mamas gekommen, nämlich, dass sie erst mal zum Gesundheitsamt des Landkreises müsse.

Auf ihre Bitte hin schrieb die Kita einen Entwicklungsbericht, mit dem sie zum Gesundheitsamt ging, wo sich der Arzt die Situation zunächst einmal angeschaut habe. Theoretisch könnten Familien aber auch mit dem Kinderarzt anfangen und gleichzeitig mit der Kita sprechen, weiß Alinas Mutter. Das Problem sei der Datenschutz gewesen: Weder das Gesundheitsamt noch die Kita hätten die Kinderärztin nach den Befunden fragen dürfen. Ebenso wenig hätte sich die Kita beim Gesundheitsamt erkundigen können.

Kinderarzt wartet fünf Monate auf Brief

Nach zwei Terminen beim Gesundheitsamt (im Abstand von mehreren Monaten) sei auch der Kinderarzt endlich überzeugt gewesen und habe Alina eine Überweisung zum sozialpädagogischen Zentrum (SPZ) nach Potsdam ausgestellt. Das könne das Gesundheitsamt nicht. Im SPZ seien schließlich spezielle Diagnostiken gemacht und eine Empfehlung ausgesprochen worden, welche Förderung oder Therapie das Kind benötigt.

Doch wieder hätte der Datenschutz den Weg erschwert: Der Arztbrief des sozialpädagogischen Zentrums gehe zwar an den Kinderarzt – aber nicht ans Gesundheitsamt oder an die Kita. Und in Alinas Fall habe es fünf Monate gedauert, bis der Kinderarzt den Brief erhalten hätte, sagt ihre Mutter. Anschließend habe sie selbst alle Unterlagen zum Gesundheitsamt, zur Kita, zur Frühförderstelle, zur Ergotherapie und anderen Stellen „hin und her“ schicken müssen.

Das ganze Verfahren – vom ersten Gespräch im Gesundheitsamt bis zur Diagnose – hätte über anderthalb Jahre gedauert. Anderthalb Jahre, das ist fast die Hälfte von Alinas Leben. In dem ganzen Prozess müssen Eltern sehr aktiv sein, findet die Mutter.

Diagnose-Verfahren von Kindern in LDS seit 2026 neu konzipiert

Weil Alinas Mutter sich offenbar nicht als Einzige mit dem Prozess schwergetan hat, wurde das Verfahren inzwischen neu konzipiert und seit Januar 2026 umgesetzt. Damit könnten die Abläufe besser aufeinander abgestimmt und die Wartezeiten verkürzt werden. So teilt es Kreissprecherin Stephanie Kunert mit.

Eltern aus dem Landkreis Dahme-Spreewald, die bei ihren Kindern Verhaltensauffälligkeiten feststellen, sollten sich nach Empfehlung der Kreisverwaltung zunächst für eine medizinische Einordnung an den behandelnden Kinderarzt wenden. Dieser überweise dann zu einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten/Psychiater oder auch zur Vorstellung in ein SPZ. Über die Terminvermittlung der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg könne bei den niedergelassenen Ärzten gegebenenfalls eine Beschleunigung erzielt werden. In medizinisch dringlichen Fällen auch über einen Vermittlungscode des behandelnden Kinderarztes.

Gleichwohl gebe es auch andere Wege, so Kunert, etwa über das Sozialamt. Sofern der Landkreis zuständig sei und eine Anspruchsberechtigung bestehe, könne das Sozialamt das Gesundheitsamt mit der medizinischen und heilpädagogischen Begutachtung des Kindes beauftragen.

Das Gesundheitsamt selbst habe aber keinen Behandlungsauftrag und könne auch keine Überweisungen ausstellen Es könne lediglich die Vorstellung bei einem Kinder- und Jugendpsychotherapeuten/Psychiater oder in einem SPZ empfehlen.

Frühförderung im Landkreis Dahme-Spreewald

Informationen zum Ablauf der Antragsstellung der Frühförderung erhalten die Eltern auf der Homepage des Landkreises: www.dahme-spreewald.de. Die für die Antragstellung notwendigen Unterlagen stehen dort zum Herunterladen bereit, können aber auch auf formlose Anfrage zugesandt werden.

Eine weitere Möglichkeit seien die Entwicklungsgespräche in den Kitas. Inzwischen seien alle Kitas in LDS über das Verfahren informiert. Werden Auffälligkeiten im Alltag beobachtet, können die Kitamitarbeitenden die Beantragung einer Frühförderung beim Sozialamt empfehlen und den Eltern zum Beispiel einen Kitabericht mitgeben – so wie in Alinas Fall.

Die hohen Datenschutzauflagen sind jedoch geblieben. Die gesetzlichen Vertreter des Kindes müssen die zuständigen Stellen in dem Prozess jeweils von ihren Schweigepflichten entbinden.

„Alina hat eine Regulationsstörung“, lautet schließlich die Diagnose. Das heißt, dass sie Probleme damit hat, ihr Verhalten, ihre Gefühle und ihre Impulse altersgerecht zu steuern.

Mit der Integrationskita, die Aline nun besucht, ist ihre Mutter überaus zufrieden. Die Gruppen seien kleiner, Heilpädagogen kümmerten sich um die individuellen Bedürfnisse der Kinder. Und das Wichtigste: Ihre Tochter fühlt sich dort wohl.

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