Hat Gott ein Geschlecht?: So feministisch ist die Kirche in Königs Wusterhausen

Gott, Göttin oder G*tt: Wie offen ist die evangelische Gemeinde von Königs Wusterhausen für gendersensible Sprache in der Kirche?
Lena Müller- Streit um gendersensible Sprache in der evangelischen Gemeinde Königs Wusterhausen.
- Pfarrerin Lena Müller nutzt Begriffe wie „Ewige“ und „heilige Geistkraft“ in Predigten.
- Pfarrer Ingo Arndt predigt eher klassisch – er nennt „Herr“, „Vater“, „Sohn“ und „Jünger“.
- Im Gottesdienst am 26. Juli 2026: Arndt setzt aktuelle Themen, gendert bei Beispielen teils.
- Gemeindestimmen gehen auseinander: manche begrüßen Gendern, andere lehnen es deutlich ab.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„G*tt, unser mütterlicher Vater, Hirte und Hebamme, deine Namen seien uns heilig“, heißt es in einem an das Vaterunser angelehnten Gebet, das die Landesjugendpfarrerin der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Lena Müller, für das „feministische Andachtskollektiv“ geschrieben hat. Müller ist sowohl für Königs Wusterhausen als auch für Berlin zuständig.
„Ich finde es ja nicht falsch, in männlichen Bildern von Gott zu sprechen. Aber das ist eben nur eine Seite. Weibliche Gottesbilder, die sich übrigens ebenfalls in der Bibel finden lassen, gehören genauso dazu“, erklärt Müller. Weil Gott für sie nicht per se männlich ist, nutzt sie in ihren Predigten mal den Begriff „Ewiger“, mal „Lebendige“ und den „heiligen Geist“ ersetzt sie durch die „heilige Geistkraft“.
Zum einen möchte sie, dass sich alle Menschen dadurch in der Kirche repräsentiert fühlen, zum anderen glaubt sie, das Bild von der Kirche dadurch auffrischen und Menschen neu erreichen zu können. Auch die älteren Gemeindeglieder hätten sich schnell an ihre Sprache gewöhnt und würden neugierig, wenn sie von starken Frauenfiguren aus der Bibel oder etwa der Reformationszeit erzähle, sagt die Landesjugendpfarrerin.
Kein einheitliches Gender-Konzept in evangelischer Kirche
In einem Telefonat über die Zukunft der Dorfkirchen mit Ingo Arndt, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Königs Wusterhausen, fällt auch dessen Sprache auf. Statt „Pfarrer“ oder „Pfarrerin“ nutzt er etwa „Pfarrperson“, eine genderneutrale Bezeichnung für den Pfarrer oder die Pfarrerin. Darauf angesprochen lacht er und gibt zu, dass er auf seine Sprache achten würde. Predigt er dann auch so – und falls ja, wie finden das die Gemeindemitglieder?
Am Sonntagvormittag, 26. Juli 2026, 10.30 Uhr in der Kreuzkirche von Königs Wusterhausen am Kirchplatz: Rund 40 bis 50 Menschen, alte und junge, sind zum Gottesdienst gekommen. In einem kurzen Gespräch, bevor es losgeht, sagt Pfarrer Arndt, dass es kein einheitliches Konzept von der evangelischen Kirche zu gendersensibler Sprache gebe.

Die Kreuzkirche der evangelischen Kirche von Königs Wusterhausen.
Marlene WetzelEr selbst sei eher konservativ unterwegs, vor allem, weil er von den hauptsächlich älteren Gemeindemitgliedern verstanden werden möchte. „Am Ende brauchst du Bilder“, findet er. Auch müsse man damit umgehen, dass, wie in der Gesellschaft insgesamt, bestimmt ein Drittel der Gemeindemitglieder die AfD wählen würde.
Nichtsdestotrotz nennt er seine jungen Kolleginnen, die sich in ihrer Ausbildung zur Pfarrerin, teilweise mit feministischer Theologie beschäftigen würden, explizit „Pfarrerinnen“. Er verwendet also nicht das sogenannte generische Maskulinum „Pfarrer“ und meint damit auch Frauen, sondern achtet darauf, auszudrücken, dass es sich bei den gemeinten Personen eben um Frauen handelt.
Gottesdienst in Königs Wusterhausen eher klassisch
Der Gottesdienst fällt dann recht klassisch aus. Thematisch geht es darum, selbst Verantwortung zu übernehmen, Lösungen zu suchen und Hilfe anzubieten, statt jemandem die Schuld zuzuweisen. Dabei wählt Arndt hochaktuelle Themen wie den Anschlag auf den Berliner CSD am 25. Juli 2026, Waldbrände und Menschen, die auf der Flucht sind.
Von G*tt, Lebendige oder heiliger Geistkraft keine Spur, stattdessen nutzt Arndt die Begriffe „Herr“, „Vater“, „Sohn“ und „Jünger“. Einzig in seiner Predigt stellt er infrage, ob es richtig sei, „diejenige“, die immer für andere da war und schließlich vor Stress erkrankt, für ihre Krankheit selbst verantwortlich zu machen. An dieser Stelle nutzt er also explizit die weibliche Form.
Wenn er von Beispielen aus der Gemeinde erzähle, sei es ihm wichtig, das Geschlecht zu nennen und mal männliche und mal weibliche Perspektiven einzunehmen, erklärt Arndt nach dem Gottesdienst. Er verrät, dass er das Anliegen der feministischen Pfarrerinnen verstehe, sehe aber auch die Grenzen und befürchte Widerstände bei den Gemeindemitgliedern. Für viele sei gendersensible Sprache zu ungewohnt und der Zusammenhang nicht nachvollziehbar, vermutet er.
Unterschiedliche Meinungen zu geschlechtersensibler Sprache
Im Gemeindehaus nebenan, kommen einige, die den Gottesdienst besucht haben, bei Café und Kuchen zusammen. Die 19-jährige Noemi begrüßt, dass Pfarrer Arndt, zumindest bei Beispielen von Gemeindemitgliedern gendert. Den älteren Gemeindemitgliedern sei das ihrer Meinung nach aber nicht so wichtig. Sie selbst fände es gut, wenn er in der Kirche noch mehr gegendert werden würde, und glaubt, dass es die evangelische Kirche verjüngen würde.
Die 17-jährige Emely hat vor zwei Jahren zum Glauben gefunden und sich gerade taufen lassen. Wie so oft ist sie an diesem Sonntag alleine zum Gottesdienst gekommen. Sie sagt, dass sie nichts dagegen hätte, wenn Arndt mehr gendern würde, dass sie sich bisher aber auch nicht damit befasst habe und sich auch nicht direkt dafür einsetzen würde. Wenn sie die Bibel lese, falle ihr dennoch auf, dass die meisten Protagonisten Männer seien, das würde sie aber nicht beeinträchtigen.

Maria Neumann, Angelika Moritz und Frank Moritz sind Mitglieder der evangelischen Kirche von Königs Wusterhausen und haben unterschiedliche Meinungen zum Gendern im Gottesdienst.
Marlene WetzelOb gendersensible Sprache die Kirche verjüngen würde? „Nein“, glaubt sie, „vielleicht würden dann mehr Leute in die Kirche kommen, aber nicht wegen Jesus.“ Ein 24-jähriger Mann, der nur seinen Spitznamen „Ente“ verraten möchte und ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Team Jesus“ trägt, hält gendersensible Sprache für sinnbefreit. Es sei doch allen klar, dass mit dem generischen Maskulinum alle gemeint seien – und es sei effizienter.
Außerdem denkt er: „Wir müssen so sprechen, wie Jesus, unser Messias, gesprochen hat, denn es hatte ja einen Grund, warum er die Sprache gewählt hat, die er gewählt hat. Unsere Worte stehen für Gottes Wort und wir entfernen uns von ihm, wenn wir nicht seine Worte nutzen.“
Gendern bei echten Beispielen willkommen
Schließlich meint er, die Kirche würde ihre Werte verlieren, wenn sie sich dem Gendern öffne. „Unser Ziel ist es, mehr Leute zu Gott zu holen, aber wenn wir deshalb anfangen zu gendern, schießen wir uns ins eigene Knie.“ Würde der Pfarrer Arndt noch mehr gendern, würde er sich eine Kirche suchen, die traditionelle Sprache verwendet. Dennoch begrüßt er es, wenn Arndt in seinen echten Beispielen die weibliche Form nutzt, und meint, das passe in den „Flow“.
Ähnlich denkt auch Maria Neumann, 86 Jahre alt. Ihrer Meinung nach stelle gendersensible Sprache das Zusammenleben von Mann und Frau infrage, so wie Gott es vorgegeben habe und wie das Leben gelinge. Kurzfristig könne das gut gehen, aber langfristig nicht.
Frank Moritz, ist 64 Jahre alt und gibt zu, dass er sich mit dem Thema gendersensible Sprache im Gottesdienst noch nie beschäftigt habe. „Es war schon immer so“, setzt er an, stellt dann aber fest, dass das nicht das beste Argument sei.
Wenn man beginne, die Sprache infrage zu stellen, verliere alles seinen Sinn, sagt er zögernd, und meint dann, man könnte sie anpassen, er fände es aber trotzdem nicht gut. Seine Frau Angelika Moritz hingegen denkt, inklusive Sprache würde mehr junge Menschen in die Kirche bringen, aber der Ursprung des Christentums dürfe nicht verwässert werden.



