Miersdorfer See in Zeuthen
: Müll, Lärm, Randale – wird das Freibad  zum „Chaos-See“?

Der Miersdorfer See in Zeuthen soll rund um die Uhr geöffnet werden – aus Kostengründen. Vor Ort hat man Angst um den See. Der Bürgermeister verteidigt seinen Plan.
Von
Till Eichenauer
Zeuthen
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Heiko Fuchs vom Angelverein am Miersdorfer See, steht am Freibad Miersdorf.

Das Freibad am Miersdorfer See in Zeuthen: Heiko Fuchs, Vorsitzender des Angelvereins am Ort, ist besorgt.

Till Eichenauer
  • Zeuthen: Freibad Miersdorf soll aus Kostengründen rund um die Uhr geöffnet bleiben.
  • Anwohner befürchten Vandalismus, Lärm und Vermüllung, starten Petition.
  • Angelvereinschef Heiko Fuchs sorgt sich um Tierwelt und Sicherheit.
  • Bürgermeister Philipp Martens betont, dass Regeln bestehen und überwacht werden.
  • Jugendclubleiter Sven Genschow sieht Bedarf für klare Öffnungszeiten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Ich habe Angst, dass er das nicht verkraftet.“ Heiko Fuchs spricht vom Miersdorfer See wie über einen alten Freund, um den er sich Sorgen macht. Der Vorsitzende des Anglervereins fürchtet, dass sein See, um den er sich seit Jahrzehnten kümmert, zugrunde geht. Grund ist der Plan des Bürgermeisters von Zeuthen (Dahme-Spreewald), den See rund um die Uhr zugänglich zu machen.

Bisher hat ein Rettungsschwimmer in der Badesaison den Betrieb am Miersdorfer See überwacht, das Bad morgens auf- und abends abgeschlossen. Aber die Gemeinde Zeuthen muss sparen und will die Bademeister für den „Miersi“ bald nicht mehr bezahlen. Zudem soll das Freibad ab dem 27. Mai nachts nicht mehr abgeschlossen werden.

Die Anwohner des Sees rechnen deshalb mit dem Schlimmsten: Vandalismus, Vermüllung, Krach bis in die Nacht. Um die Öffnung zu stoppen, haben sie eine Petition gestartet. Der Angelverein hilft beim Sammeln der Unterschriften. Weit über 100 habe man schon, sagt Heiko Fuchs, der einen „Chaos-See“ befürchtet, wenn es keine Schließzeiten mehr gibt.

Am Miersdorfer See hat man Angst um die Tierwelt

Die größte Sorge des Angler-Chefs gilt dem See selbst: „Man stelle sich mal vor, es fliegt ein Moped da hinein. Das Öl und das Benzin würden alles töten, was dort lebt. Dann brauchen wir einen Container für die ganzen toten Fische.“ Zudem habe der Eisvogel seine Bruthöhlen am südlichen Ufer, sagt Heiko Fuchs. Tatsächlich wirkt der beschauliche Miersdorfer See wie die Kulisse einer Bier-Werbung. Auf die kleine Insel in der Mitte des Sees ziehen sich die Gänse zum Brüten zurück, auch Fledermäuse leben dort.

Heiko Fuchs will auch nicht alle Jugendlichen pauschal verteufeln. In seinem Angelverein seien junge Leute, die sich um den See kümmern. Sein Negativbeispiel für eine unkontrollierte Öffnung ist aber der Siegertplatz an der Dahme, wo es immer wieder zu Lärm und Müll gekommen sei. „Jetzt wo es den Pavillon gibt und das Ordnungsamt immer mal patrouilliert, ist es besser.“

Heiko Fuchs vom Angelverein am Miersdorfer See, steht am Freibad Miersdorf.

Eine steile Böschung am See in Miersdorf. Der Abhang wurde zum Schutz des Eisvogels und zur Sicherheit spielender Kinder abgesichert.

Till Eichenauer

Zudem hat Heiko Fuchs Sicherheitsbedenken: „Alle Leitern wurden abgebaut, warum verstehe ich nicht. Wen jetzt jemanden die Kräfte beim Schwimmen verlassen, der kommt an der hohen Brüstung nicht mehr raus.“ Auch der neue Steg macht ihm Sorgen. Wer von dort ins flache Wasser springt, mit dem Kopf zuerst, ist in Lebensgefahr. Zu DDR-Zeiten sei bereits jemand bei einem ähnlichen Vorfall gestorben, erinnert er sich. „Die Warnschilder werden die übermütigen Jugendlichen kaum abhalten“, vermutet der 60-jährige Angler.

Zeuthens Bürgermeister Philipp Martens kennt die Sorgen der Anwohner. Zuletzt war eine Abordnung von Betroffenen bei ihm. In wenigen Tagen ist ein weiteres Treffen geplant. Auf Anfrage von MOZ.de erklärt er: „Das Interesse von den Bürgern und der Gemeinde ist das gleiche. Wir wollen keine Vermüllung des Platzes und die Sicherheit und Ordnung müssen gewahrt bleiben.“

Der Miersdorfer See in Zeuthen

Die Geschichte des Miersdorfer Sees reicht bis ins Jahr 1801 zurück. Zu dieser Zeit wurde der heutige See als Tongrube für die Ziegelproduktion genutzt.

Im Jahr 1905 oder 1906 brach plötzlich eine unterirdische Quelle in der Tongrube auf und füllte den Tagebau in kürzester Zeit mit Wasser.

Seit den 1930er-Jahren wird der Miersdorfer See als Badesee genutzt.

Zeuthens Bürgermeister Philipp Martens: „Es gibt Regeln“

Phillip Martens betont auch: „Es gibt Regeln am See: Kein Angeln, kein Camping, keine Glasflaschen. Und nachts kein Alkohol und keine Musik.“ Für die Durchsetzung würden Polizei und Ordnungsamt sorgen, so der Bürgermeister. „In den Sommermonaten hat das Ordnungsamt Abend- und Nachtschichten und wird immer mal vorbeikommen.“ Und wenn etwa eine Ruhestörung gemeldet wird, komme die Polizei und dann werden „Bußgelder bis zu 150 Euro verhängt“.

Laut Martens, dessen Gemeinde sparen muss, sollen die Arbeitszeiten der Bademeister zunächst reduziert werden. Im folgenden Jahr werden die Stellen dann ganz gestrichen. „Wir machen also nicht direkt einen Kaltstart, sondern fahren erstmal auf Sicht“, so Martens.

Siegert-Platz in Zeuthen als Vorbild

Auf die abgebauten Leitern angesprochen, beruhigt Philipp Martens. Dicht an der Mauer könne man am Miersdorfer See überall stehen. „Die Leitern verleiten aber, die Jugendlichen von der Umrandung ins Wasser zu springen, weil man schnell wieder herauskommt. Das Springen ist aber grundsätzlich verboten.“ Zudem werde der Bereich, in dem geschwommen werden darf, weiterhin abgegrenzt, damit niemand zur Insel oder zu den Privatgrundstücken schwimmt.

Mit Blick auf den Siegertplatz in der Ortsmitte hofft Philipp Martens auf eine ähnliche Entwicklung: „Wir sind im Gesprächen mit einem zukünftigen Betreiber in der Gastronomie, ab Sommer.“ Der Bürgermeister hofft, dass durch mehr Menschen am Ort die Lage beruhigt und sich potenzielle Störenfriede beobachtet fühlen.

Heiko Fuchs vom Angelverein am Miersdorfer See, steht am Freibad Miersdorf.

Abgebaute Leiter am Freibad Miersdorf in Zeuthen.

Till Eichenauer

Sven Genschow, leitet den Jugendclub in Zeuthen. Er rechnet damit, dass die Jugendlichen in Zeuthen den Platz am Miersdorfer See tatsächlich öfter nutzen werden, wenn er nicht mehr abgeschlossen wird. „Junge Menschen in Zeuthen haben nicht viele Plätze, an denen sie sich aufhalten können.“ Der Jugendclub in der Dorfstraße ist nur 500 Meter vom See in Miersdorf entfernt. Deshalb verlegt Sven Genschow im Sommer gerne die Jugendarbeit dorthin.

Klare Regeln für das Freibad am Miersdorfer See

Auch der Sozialarbeiter plädiert dafür, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit es ein friedliches Miteinander am Ufer gibt. „Es braucht klar geregelte Öffnungszeiten, etwa bis 22 Uhr – um das durchzusetzen, müsste man den Platz aber nachts tatsächlich auch wieder abschließen.“ Auch er kennt die Situation am Siegert-Platz, an dem es früher immer wieder Konflikte mit den Anwohnern gab. Die Situation habe sich aber mit der Zeit gebessert.

Für Sven Genschow ist es aber wichtig, die Jugendlichen in Zeuthen nicht vorzuverurteilen und Ihnen einen Vertrauensvorschuss zu gewähren. „Es ist keine gute Idee, Jugendliche gleich zu stigmatisieren, anstatt Ihnen die Hand zu reichen.“ Zudem müsse man auch akzeptieren, dass Jugendliche sich nicht immer so regelkonform verhalten wie Erwachsene: „Das sind junge Menschen – die probieren sich eben auch mal aus.“