Suchtberatung Wildau: Welche Drogen nehmen Jugendliche in Königs Wusterhausen?

Steffen Heindorf berät Süchtige in der Beratungsstelle an der TH Wildau.
Maria Häußler- Suchtberatung LDS sitzt an der TH Wildau, mit weiteren Standorten in Lübben und Luckau.
- Hauptthemen: Alkohol, Cannabis, MDMA im Revival – zudem Benzodiazepine und schwache Opioide.
- Vapes werden bei Jugendlichen häufiger genutzt – Einstieg in mögliche Nikotinabhängigkeit.
- Klientenzahlen im Norden um Königs Wusterhausen höher, Nähe zu Berlin spielt eine Rolle.
- Angebot reicht von Beratung über ambulante Therapie bis Vermittlung in Entgiftung oder Reha.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Die Suchtberatungsstelle für den Landkreis Dahme-Spreewald sitzt an der TH Wildau, nahe Königs Wusterhausen. Weitere Standorte gibt es in Lübben und Luckau. Die Einrichtung ist Anlaufstelle für Erwachsene und Jugendliche bei Problemen mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten – aber auch bei nicht stoffgebundenen Süchten, etwa Essstörungen oder Glücksspiel- und Mediensucht. Auch Angehörige oder Freunde können sich dorthin wenden. Schwerpunkt sind zudem die zahlreichen Selbsthilfegruppen. Suchtberater Steffen Heindorf erläutert, welche Möglichkeiten die Beratungsstelle hat und welche Anliegen besonders häufig ankommen.
Herr Heindorf, Jugendliche rauchen laut einer Studie 2025 erstmals wieder mehr. Das bezieht sich vor allem auf Vapes. Spielen diese auch in der Beratung zunehmend eine Rolle?
Wenn die Leute an Suchtberatung denken, denken sie in der Regel nicht an Nikotingeschichten. Deshalb ist das häufig kein Grund, dass sie uns aufsuchen. Aber Vapes werden durchaus zunehmend problematisch betrachtet. Mein Kollege sagt, das nimmt bei Jugendlichen gerade zu. Das wird sich vermutlich hier in KW mit dem Bundestrend überschneiden. Die Vapes sind bunt, sie schmecken toll. Es ist ein Einstieg in eine mögliche Nikotinabhängigkeit.
Sind Vapes denn gesünder als Zigaretten?
Das ist eine gute Frage. Ich denke: Wenn man auf Qualität achtet, ist dieses elektrische Dampfen weniger schädlich. Nikotin ist zwar der Suchtstoff, mit all seinen Nachteilen und mit all seinen negativen Auswirkungen, aber das Problematische beim klassischen Rauchen ist auch das, was bei der Verbrennung entsteht. Beim Vapen ist es eher der dadurch erleichterte Einstieg, der es so bedenklich macht.
Was konsumieren Jugendliche in der Region – und sehen Sie einen Wandel?
Die Klassiker immer noch: Alkohol an erster Stelle. Sicher Cannabis an zweiter Stelle. Das ist traditionell schon immer so. Die Legalisierung hat aber unter anderem den Effekt, dass weniger Leute wegen der Cannabis-Problematik zu uns kommen. Eltern setzen damit gleich, dass Cannabis weniger gefährlich ist. MDMA hat seit mehreren Jahren so ein Revival. Und neu ist, dass in den letzten Jahren auch in dieser Altersgruppe Medikamentengeschichten zunehmend eine Rolle spielen. Mit Medikamenten sind Benzodiazepine, niedrig potente Opioide gemeint.

Einweg-Vape
Marijan Murat/dpa-tmn/dpaDrogenaffinitätsstudie 2025 des Bundesinstituts für öffentliche Gesundheit
Nach der Studie lag der Anteil der rauchenden Zwölf- bis 17-Jährigen im Jahr 2025 bei 9,6 Prozent. 2021 waren es noch 6,1 Prozent. In der Altersgruppe der 18- bis 25-Jährigen ging der Anteil der Rauchenden im selben Zeitraum von 29,8 auf 26,3 Prozent zurück. Deutlich zugenommen hat dabei vor allem das Rauchen unter Mädchen.
Zugenommen hat zudem das Vapen. Der Konsum von Mehrweg-E-Zigaretten ist spürbar gestiegen. Bei männlichen Jugendlichen erhöhte sich der Anteil seit 2021 von 2,9 auf 6,7 Prozent, bei weiblichen Jugendlichen von 1,8 auf 7,8 Prozent. Auch unter jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren nahm der Konsum zu.
Der Cannabiskonsum ist laut der Studie seit der Legalisierung bei Jugendlichen nicht gestiegen. Allerdings bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25 Jahren: Der Anteil junger Männer, die innerhalb des letzten Jahres Cannabis konsumierten, stieg von 20,6 Prozent (2015) auf 31,6 Prozent im Jahr 2025. Bei jungen Frauen gab es im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 9,7 auf 18,8 Prozent.
Wo im Landkreis Dahme-Spreewald wird am meisten konsumiert? Gibt es Drogen-Hotspots?
Die Klientenzahlen sind im Norden des Landkreises, also hier in der Region um KW deutlich höher als die im Südbereich des Landkreises. Der Norden ist städtisch geprägt mit einer großen Nähe zu Berlin. Die Wege sind im ländlichen Bereich länger und die Bereitschaft oder die Selbstverständlichkeit, sich Unterstützung zu holen, niedriger. Ich glaube, es gibt keine signifikanten Unterschiede, was die Häufigkeit des Auftretens von Sucht betrifft. Was wir vielleicht hier haben, ist, dass Alkohol prozentual noch ein wenig über dem Bundesdurchschnitt als Suchtmittel konsumiert wird.
Warum kommen die Leute zu Ihnen in die Beratung?
Der Hauptteil kommt selbstmotiviert. Allerdings ist die Erfahrung, dass schon etwas passieren muss. Normalerweise gab es einen Vorfall: Der Führerschein wurde abgenommen oder die Frau macht Druck. Dann gibt es Leute, die kommen über die Gerichtshilfe oder mit einer Bewährungsauflage. Manche Jugendliche kommen auch, weil die Eltern das einfordern. Wir bieten auch eine Beratung für Angehörige an. Häufig sind sie in einer Ohnmachtssituation, sie wissen einfach nicht mehr, was sie tun sollen oder können.
Gibt es denn eine bestimmte Gruppe, die besonders häufig in die Beratung kommt?
Man hat natürlich im Kopf, dass vor allem Sozialhilfeempfänger oder vom Leben benachteiligte Menschen kommen würden. Die gibt es auch, aber es sind nicht die Einzigen. Letztendlich zieht es sich wirklich durch sämtliche soziale Schichten – unabhängig von Herkunft, Status, finanzieller Situation, und auch unabhängig vom Alter oder Beruf. Sucht ist eine gesellschaftsverbindende Geschichte.
Wie läuft die Beratung ab – und was sind die ersten Schritte?
Zu Anfang klären wir Fragen wie: Worum geht es eigentlich? Was ist die Motivation, hierherzukommen? Was erhoffen sie sich? Wir bestimmen das Ziel der Beratung nicht. Das müssen die schon selber machen. Und dann schauen wir, was wir tun können, damit die Leute ihr Ziel erreichen. Da wir ja mit Menschen zu tun haben, ist das immer eine sehr individuelle Geschichte. Häufig ist es so, dass die Leute noch eine Tendenz haben, zu bagatellisieren. Hier haben sie das Gefühl, darüber sprechen zu können, ohne irgendwie bewertet zu werden oder ohne irgendwelche Konsequenzen zu fürchten. Dann wird auch klarer, wo Hilfestellungen ansetzen können.
Suchtberatungsstellen im Landkreis Dahme-Spreewald
LDS-Nord
Wildau, Königs Wusterhausen, Heidesee, Schenkenländchen, Mittenwalde, Zeuthen, Eichwalde, Schulzendorf, Schönefeld, Bestensee
Kontakt: Hochschulring 2, 15745 Wildau
Telefon: 03375 2466170
E-Mail: suchtberatung-lds@tannenhof.de
LDS-Süd
Lübben, Amt Lieberose/ Oberspreewald, Gemeinde Märkische Heide, Amt Unterspreewald, Luckau, Gemeinde Heideblick
Kontakt: Beethovenweg 14, 15907 Lübben (Spreewald)
Telefon: 03546 4068
E-Mail: gesundheitsamt@dahme-spreewald.de
LDS-Luckau
Kontakt: Nonnengasse 3, 15926 Luckau
Telefon: 03546 20 2834
Welche Hilfestellungen bieten Sie konkret an?
Manche Leute brauchen einfach bloß eine Beratungssequenz – fünf, sechs, sieben Termine –, um sich da zu stabilisieren, um sich klarer zu werden. Andere Leute brauchen durchaus einen therapeutischen Ansatz, also wenn man von einer Suchterkrankung dann ausgehen kann. Da bieten wir selbst eine ambulante Variante an. Oder es gibt Varianten einer stationären Rehabilitation, und dann werden sie hinvermittelt – mit unserer Unterstützung. Manchmal ist es auch erstmal eine Entgiftung von drei Wochen. Was ich häufig als Aufgabe mitgebe, ist, sich zu überlegen, was die Aufgabe von dem Suchtmittel ist. Dann geht es immer um die Frage, wer kontrolliert hier was und wen? Dann hilft ein Plan, um den Konsum schrittweise zu reduzieren und die Kontrolle ein Stück weit zurückzugewinnen.
Wie sprechen Sie mit Jugendlichen?
Im Jugendkontext ist die sogenannte motivierende Gesprächsführung ein Hilfsmittel. Die kommen meistens, weil sie von Eltern oder von wem auch immer geschickt werden, und haben häufig so eine Widerstandshaltung. Die motivierende Gesprächsführung hat das Ziel, dass der junge Mensch darauf kommt, dass es ein Problem gibt, das er bearbeiten will. Das ist der Idealfall. Letztendlich ist Beratung gerade im jugendlichen Kontext immer Beziehungsarbeit. Wenn ich als Berater es schaffe, zu zeigen, dass ich wirklich ein Interesse daran habe, wie es perspektivisch mit dir weitergeht, und ich mich zurückhalte mit Bewertungen, dann kann man auch aus so einem Zwangskontext eine fruchtbare Geschichte machen.
Wie oft hat eine Beratung Erfolg?
Die werden nicht erfasst, aber es gibt durchaus Erfolgsgeschichten. Erfolg heißt nicht nur Abstinenz. Es ist auch ein Erfolg, wenn die Leute hier rausgehen und ihren Fokus so ein bisschen geschärfter haben bezüglich dieser Thematik. Häufig ist der Weg aus der Sucht ein Prozess. Das ist in der Regel nicht mit einem Versuch oder mit dem ersten Versuch oder mit der ersten Intervention erledigt.
Es gibt auch ganz klassisch die Erfolge, dass die Leute eine Zufriedenheit in ihrer Abstinenz entwickeln. Das ist eigentlich das Ziel.
Wir bieten ja diese ambulante Therapie an, da hat man schöne klassische Beispiele. Für junge Menschen haben wir auch eine Selbsthilfegruppe, von ehemaligen Klienten, die diesen Weg gegangen sind.


