Toter Dieb in Eichwalde
: Tod nach Verfolgungsjagd — endet Herzversagen immer tödlich?

Nach dem Tod eines mutmaßlichen Taschendiebs in Eichwalde fragte MOZ.de einen Kardiologen, ob akutes Herzversagen immer tödlich enden muss.
Von
Jana Scholz
Eichwalde/Königs Wusterhausen
Jetzt in der App anhören
Kardiologe aus Königs Wusterhausen, Dr. Oliver Gunkel (links) erklärt die Diagnose akutes Herzversagen nach dem tragischen Tod eines Taschendiebs in Eichwalde.

Dr. Oliver Gunkel (links), Kardiologe aus Königs Wusterhausen, erklärt die Diagnose akutes Herzversagen nach dem tragischen Tod eines Taschendiebs in Eichwalde.

Dennis Lloyd Brätsch|Dr. Oliver Gunkel|Montage Jana Scholz/MOZ.de
  • Ein 63-jähriger mutmaßlicher Taschendieb stirbt in Eichwalde an Herzversagen nach Verfolgungsjagd.
  • Rechtsmedizin bestätigt erhebliche Vorschädigung des Herzens.
  • Kardiologe Oliver Gunkel erklärt, Herzversagen muss nicht immer tödlich sein; Überlebenschance bei 50%.
  • Herzversagen kann durch Krankheiten wie Herzinfarkt oder Drogen wie Kokain ausgelöst werden.
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind führende Todesursache in Deutschland.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Der verdächtigte Dieb von Eichwalde, der am Sonntagvormittag einer 83-jährigen Frau Handtasche und Rucksack entriss, starb bei dem Versuch, seinem Verfolger zu entkommen, auf offener Straße an akutem Herzversagen. Das hat die durchgeführte rechtsmedizinische Autopsie seines Leichnams ergeben.

Bei dem Verstorbenen, der inzwischen als 63-Jähriger aus dem Raum Südbrandenburg identifiziert werden konnte, soll bereits eine erhebliche gesundheitliche Vorschädigung des Herzens vorgelegen haben, sodass auch die eingeleiteten Reanimationsmaßnahmen sein Leben nicht haben retten können. Doch bedeutet Herzversagen automatisch den Tod?

Kardiologe aus Königs Wusterhausen klärt auf

MOZ.de hat bei einem Facharzt in Königs Wusterhausen nachgefragt. Oliver Gunkel ist Kardiologe mit einer Privatpraxis in der Königs Wusterhausener Eichenallee und ist darüber hinaus seit vielen Jahren als leitender Facharzt unter anderem in der Berliner Charité oder dem Helios Klinikum in Bad Saarow tätig.  Gunkel sagt, akutes Herzversagen müsse nicht unbedingt tödlich enden: „Es ist das tägliche Tun vieler Ärzte dafür zu sorgen, dass möglichst viele Betroffene diese Situation überleben. Die Chance, nach einem sogenannten kardiogenen Schock, zu überleben liegt bei 50 Prozent.“

Doch was ist eigentlich akutes Herzversagen? Der Mediziner erklärt: „Das Herz ist mehr oder weniger plötzlich nicht mehr in der Lage, den Körper und die lebenswichtigen Organe ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Diese Unterversorgung führt innerhalb kurzer Zeit zum Funktionsausfall der Organe.“

Was kann zu akutem Herzversagen führen?

Der Begriff akutes Herzversagen bezeichnet laut dem Arzt nicht eine Krankheit des Herzens, sondern meint den akuten Funktionsverlust des Herzens als Kreislaufpumpe infolge der verschiedensten Erkrankungen. Gründe dafür könnten unter anderem ein Herzinfarkt sein, wo die Muskelfunktion eines Teils des Herzens zu akuter Pumpschwäche führt. Aber auch eine Verengung der Aortenklappe, schwerer Bluthochdruck, Kammerflimmern oder, in seltenen Fällen, eine Herzmuskelentzündung können dazu führen.

Allerdings sind es nicht nur direkte Erkrankungen des Herzens, die zum akuten Pumpversagen führen können. „Es können viele Erkrankungen der Lunge und des Brustkorbes über eine Überbeanspruchung der rechten Herzkammer zum akuten Herzversagen führen. Man spricht dann vom akuten Rechtsherzversagen“, so Doktor Gunkel. Prominentes Beispiel dafür ist eine akute Lungenembolie.

  • Kriminaltechniker der Polizeidirektion Süd sichern Spuren am Tatort und untersuchen die Leiche des Taschendiebs.

    Kriminaltechniker der Polizeidirektion Süd sichern Spuren am Tatort und untersuchen die Leiche des Taschendiebs.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Kriminaltechniker sicherten bis in den Abend Spuren am Tatort.

    Kriminaltechniker sicherten bis in den Abend Spuren am Tatort.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Die Lessingstraße war komplett gesperrt. Ein Zelt wurde aufgebaut.

    Die Lessingstraße war komplett gesperrt. Ein Zelt wurde aufgebaut.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Polizei und Kriminaltechniker am Tatort.

    Polizei und Kriminaltechniker am Tatort.

    Dennis Lloyd Brätsch
  • Die Leiche wird obduziert. Die Leiche wurde abtransportiert.

    Die Leiche wird obduziert. Die Leiche wurde abtransportiert.

    Dennis Lloyd Brätsch
1 / 5

Kokain begünstigt Herzversagen, Cannabis aber auch …

Der 63-jährige mutmaßliche Taschendieb von Eichwalde soll laut Polizei immer wieder wegen Verstößen gegen das Betäubungsgesetz straffällig geworden sein. Das heißt, dass zum Tatzeitpunkt auch Substanzen im Spiel gewesen sein könnten. Laut dem KWer Kardiologen begünstigen Drogen je nach Substanzgruppe auf die unterschiedlichsten Arten.

„Bekanntes Beispiel sind Herzinfarkte und Blutdruckkrisen mit Herzversagen unter Kokain. Cannabisrauchen hat eine Atherosklerose-fördernde Wirkung, die mindestens der von Tabakrauchen gleichkommt. Synthetische Drogen können Rhythmusstörungen auslösen, die zum Herzversagen führen können, es gibt zahlreiche weitere Beispiele“, so Gunkel gegenüber MOZ.de.

Wie merke ich, dass mit dem Herzen etwas nicht stimmt?

Wie bei jeder Krankheit gibt es auch beim Herz-Kreislauf-Apparat Symptome. Allerdings hängen diese von der zugrunde liegenden Herzerkrankung ab. Luftnot, Brustschmerz, Engegefühl, Schwellungen der Beine oder unerklärte Ohnmachtsanfälle sind die schon sehr frühen Warnzeichen für den Bluthochdruck, den Klappenfehler oder den Herzinfarkt. Der Arzt erklärt weiter, es gebe „auf der anderen Seite Erkrankungen, die zu schwer vorhersagbaren bösartigen Rhythmusstörungen führen können, die sich nicht ankündigen.“ Der Mediziner erklärt: „Von einem plötzlichen Herztod, beziehungsweise einem reanimationspflichtigen akuten Herzversagen kann man sprechen, wenn sich erst innerhalb 24 Stunden vor dem Ereignis Symptome wahrnehmen lassen – oder eben gar keine Symptome vorher auftreten.“

Das Herz ist die Todesursache Nummer eins

Nach wie vor stehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen an erster Stelle der Todesursachen in Deutschland. Laut dem Kardiologen aus Königs Wusterhausen sinke die mittlere Lebenserwartung in unserem Land derzeit wieder. Der erfahrene Arzt würde sich wünschen, dass gesundheitspolitisch und gesellschaftlich viel stärkere Anstrengungen unternommen würden, um die Entstehung von Herzerkrankungen zu bekämpfen und die Erkennung und Behandlung von bereits vorliegenden Erkrankungen zu verbessern.

MOZ.de am Morgen
Montag - Samstag um 7.00 Uhr
Starten Sie gut informiert in den Tag mit MOZ.de am Morgen, dem Newsletter der Märkischen Onlinezeitung. Wir informieren Sie über regionale Nachrichten und geben einen Ausblick auf die wichtigsten Ereignisse des Tages.