Schnurgerade stehen die Bäume entlang der Straße. Manchmal scheint die Sonne durch sie hindurch, manchmal geht sie gerade unter. Einige Bäume sind kahl, andere satt-grün. Es sind sehr unterschiedliche Motive, die die elf erwachsenen Teilnehmer des Fotografie-Kurses der Neuruppiner Jungendkunstschule zusammengetragen haben. Die Bilder haben aber eines gemeinsam: Sie zeigen Alleen, die sich im Landkreis Ostprignitz-Ruppin befinden. Zu sehen sind die Werke ab Freitag in der Galerie am Bollwerk in Neuruppin.

Ausstellung ist Teil von „Kunst am Anger“

Die Ausstellung ist Teil des Landkultur-Projektes „Kunst am Anger“, das schon in mehreren Orten rund um die Fontanestadt Station gemacht hat. In Nietwerder wurden Einwohner und ihre Tiere gezeichnet, in Krangen entstand Kunst von Franziska Zänker, in Molchow gab es eine Wahrnehmungswerkstatt, und in Lichtenberg kreierte Künstler Matthias Zágon Hohl-Stein eine ungewöhnliche Bank. Nun also Neuruppin. Die Ausstellung in der Galerie am Bollwerk zeigt laut Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) schützenswerte Alleen.
Dass diese wirklich Aufmerksamkeit brauchen, erklärte Karin Schönemann von der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Sie ist unter anderem für den Alleenschutz zuständig. Sechs solcher Strecken in Ostprignitz-Ruppin würden sogar als Naturdenkmal gelten. „Da muss es dann einen Wow-Effekt beim Betrachter geben“, so Schönemann. Eine solche Straße ist die Linden- und Kastanienallee, die zum Gestüt in Neustadt führt. Aber beispielsweise auch die Lindenallee zum Denkmal in Hakenberg oder die Straße von Karwe nach Seehof seien besonders schützenswert.

Allen mitunter in schlechtem Zustand

Nicht alle Alleen seien in bestem Zustand, bilanziert Karin Schönemann. Einige seien mitunter 200 bis 250 Jahre alt. Der Verkehr entlang der Bäume habe in dieser Zeit stark zugenommen. Außerdem sei der Untergrund vor Ort versiegelt worden. „Das ist ein großes Problem“, so Schönemann. „Die Pflege der Alleen ist in den letzten Jahrzehnten nicht so gewesen, wie man sich das gewünscht hätte.“ Sie würde sich freuen, wenn sich die jeweiligen Baulastträger den Naturschutzwert bewusster machen würden. „Das ist unser Pfund, mit dem wir hier in Brandenburg wuchern können“, sagt die Kreis-Mitarbeiterin. „Extra für diesen Anblick kommen Menschen nach Brandenburg.“

Bilder stammen von elf Kurs-Teilnehmern

Ganz komprimiert gibt es den nun also in der Neuruppiner Galerie. Mathias Richter hat die Kursteilnehmer betreut, die sich auf die Suche nach dem eindrucksvollsten Alleen-Motiv begeben haben. Die Bilder von insgesamt elf Erwachsenen sind nun zu sehen. Diese treffen sich einmal wöchentlich in der Jugendkunstschule. „Manche sind schon seit zwei Jahren dabei“, so Richter. Bereits vor dem Corona-Lockdown sei die Idee zu einer Alleen-Ausstellung aufgekommen. Die Zwangspause im Frühjahr habe dem Projekt dann in die Hände gespielt: Die Hobby-Fotografen hatten Zeit, sich ins Auto oder aufs Fahrrad zu setzen und loszuziehen, um ihre Motive zu finden. „Das war ideal“, sagte Mathias Richter. Per Internet hielten die Kurs-Teilnehmer Kontakt und tauschten sich aus.
„So einfach ist es gar nicht, eine schöne Allee schön zu fotografieren“, erklärt Mathias Richter. Das Licht mache eine Menge aus, ebenso der eigene Standpunkt und die Brennweite, die an der Kamera eingestellt wird. „Ich bin froh, dass wir so eine tolle Auswahl haben“, so Richter.

Ausstellung kann auch durch Orte wandern

Noch bis zum 22. November kann die Ausstellung mit dem Titel „Unterwegs“ in der Galerie am Bollwerk besichtigt werden. Auf eine große Ausstellungseröffnung wurde laut Organisatorin Cornelia Lambriev-Soost wegen der Corona-Pandemie verzichtet. „Auch wenn jeder Kurs-Teilnehmer nur einen Besucher mitgebracht hätte, wären wir zu viele Menschen hier in der Galerie gewesen.“ Allerdings handelt es sich bei „Unterwegs“ um eine Wanderausstellung. Gnewikow sei laut Lambriev-Soost bereits daran interessiert, die Schau zu zeigen.
Wer auch anderen einen Eindruck von den ungewöhnlichen Alleen in Ostprignitz-Ruppin verschaffen möchte, hat dazu dank des Landkreises die Gelegenheit. Dieser hat ein Postkarten-Set mit Motiven aus der Ausstellung gefördert.