Bundespräsident in Neuruppin: Steinmeier ist da – was Bürgermeister Ruhle erwartet

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r) geht durch die Innenstadt von Neuruppin und macht mit einem Passanten ein Selfie-Foto.
Bernd von Jutrczenka/dpa- Bundespräsident Steinmeier besucht Neuruppin für drei Tage und verlegt seinen Amtssitz dorthin.
- Er trifft Bürger und Politiker, besucht Unternehmen, Kulturstätten und ein Mehrgenerationenhaus.
- Neuruppins Bürgermeister Ruhle hofft auf Dialoge und hebt Entwicklungen seit der Wiedervereinigung hervor.
- Steinmeier soll als moralische Instanz gemeinsame Werte in Politik und Gesellschaft betonen.
- Der Besuch ist Teil der Reihe „Ortszeit Deutschland“ und die 16. Station.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist in Neuruppin eingetroffen. Das Staatsoberhaupt verlegt seinen Amtssitz für drei Tage in die Fontanestadt. Bürgermeister Nico Ruhle (SPD) erhofft sich vom dreitägigen Besuch des 69-Jährigen möglichst viele Begegnungen zwischen Politik und Bürgern.
Steinmeier führt bis Donnerstag (3. Juli) seine Amtsgeschäfte im Rahmen der Besuchsreihe Ortszeit Deutschland von Neuruppin aus. Dabei will er unter anderem mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen und politische Vertreter treffen.
Frank-Walter Steinmeier drei Tage in Neuruppin
Der Bundespräsident reiste mit der Regionalbahn an. „Wir kennen die Stadt nicht gut genug, deswegen kommen wir wieder“, sagte Steinmeier bei seiner Ankunft mit Blick auf einen früheren Besuch in der Fontanestadt.
In der Kreisstadt von Ostprignitz-Ruppin wolle er nicht nur oberflächliche Gespräche führen. „Wir kommen nicht, um große Reden zu halten, wir kommen mit dem Angebot an Zeit.“
Für drei Tage verlegt Steinmeier seinen Amtssitz in die Stadt im Norden Brandenburgs. Auf dem Programm steht auch der Besuch eines Unternehmens, eines Mehrgenerationenhauses und des Amtsgerichts sowie von Kulturstätten. Neuruppin ist im Rahmen der Besuchsreihe bereits die 16. Station des Präsidenten und nach Senftenberg die zweite in Brandenburg. Zuvor hatte er seinen Amtssitz unter anderem bereits nach Delitzsch in Sachsen, Stendal in Sachsen-Anhalt, Weiden in Bayern und Rottweil in Baden-Württemberg verlegt.

Frank-Walter Steinmeier in Neuruppin: Monika Deiniger hatte in der Karl-Marx-Straße auf den Bundespräsidenten gewartet. Sie konnte kurz mit ihm plaudern und war danach ganz aufgeregt.
Burkhard KeeveIn der Innenstadt griff Steinmeier in der Apotheke, im Bücherladen und an der Würstchenbude zu. Es gab Kräutertee aus der Apotheke sowie Kristine Bilkaus „Halbinsel“ und Christoph Heins „Narrenschiff“ aus dem Literaturgeschäft. Kurz nach 11 Uhr biss der Bundespräsident in eine Bratwurst mit Senf. „So früh schon eine Bratwurst?“, fragte einer der Journalisten. „Naja, ist doch egal“, antwortete Steinmeier. Und etwas später: „Vielleicht ein bisschen früh für eine Bratwurst.“ Einen Passanten fragte er nach seinen Mittagsplänen. „Pellkartoffeln und Quark und mal schauen, was wir auf dem Markt so finden“, lautete die Antwort.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier geht zusammen mit Nico Ruhle (M, SPD), Bürgermeister der Stadt Neuruppin, durch die Innenstadt von Neuruppin und spricht in der Fontane-Buchhandlung mit der Buchhändlerin Jana Kolar-Voigt (l).
Bernd von Jutrczenka/dpaDie Begegnungen in Neuruppin waren größtenteils herzlich. „Sie sind mir schwer sympathisch“, sagte eine ältere Frau und streichelte dem Bundespräsidenten den Rücken. Einer Touristin gratulierte Steinmeier zur Wahl ihres Urlaubsziels Neuruppin: „Da haben sie die richtige Entscheidung getroffen.“
Steinmeier zeige mit diesem Besuch aus Sicht von Ruhle, wie wichtig es sei, an die Basis zu gehen. „Ich kann ihn darin nur bestärken“, wird er vom Evangelischen Pressedienst zitiert. Kontakte von Bürgerinnen und Bürgern mit Verantwortungsträgern seien in den vergangenen Jahren nicht so geschehen, wie er es sich wünsche.
Verwaltungsintern bedeute der Steinmeier-Besuch „eine gewisse Anspannung“, sagte Ruhle. Er nehme in der Stadt aber eine sehr positive Stimmung wahr. Besondere Vorbereitungen für den Besuch habe es nicht gegeben. „Wir werden ein ungeschöntes Bild abgeben.“
Das sagt Bürgermeister Nico Ruhle vor dem Steinmeier-Besuch
Der Bürgermeister geht davon aus, dass die Bürgerinnen und Bürger seiner Stadt den Kontakt zum Staatsoberhaupt suchen und auch Unmut äußern werden. „Der gemeine Neuruppiner ist nicht auf den Mund gefallen.“ Persönlich hoffe er, dass in Gesprächen aber auch zum Ausdruck kommen werde, was sich in den 35 Jahren seit der Wiedervereinigung positiv entwickelt hat. „Da erscheint mir das Bild zuweilen zu negativ.“
Vom Bundespräsidenten als „moralische Instanz“ erwartet Ruhle, dass er versucht, gemeinsame Werte zu betonen. „Wir alle merken, die Fliehkräfte in der Politik und der Gesellschaft sind enorm geworden. Wir sind in einer Bewährungsprobe, was die Staatsform Demokratie angeht.“ Der Bundespräsident sei die geeignete Person, diese Herausforderung auf den Punkt zu bringen.

