Winselnder Hund in Schwedt
: Polizeieinsatz wegen Welpen – was Hundebesitzer wissen sollten

Die Ungewissheit, ob ein Welpe aus Angst oder vor Schmerzen winselt, brachte Nachbarn in Schwedt um den Schlaf. Die Polizei soll helfen, ist aber machtlos.
Von
Oliver Voigt
Schwedt
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Welpen müssen erst lernen, dass ihre Bezugsperson sie nur alleine lässt, um wieder zu kommen (Symbolfoto).

Oliver Voigt

Zu einem Einsatz der etwas anderen Art wurde die Polizei in der Nacht zum Sonnabend (22. Juli) in Schwedt gerufen. In der Ehm-Welk-Straße fanden einige Mieter keine Ruhe, das wehleidige Geheul eines Welpen zerrte nicht nur an ihren Nerven, vielmehr tat das Tier den Bewohner schon leid. „Einige von uns haben selbst Hunde, doch dieses Wimmern und Jaulen war für uns kaum erträglich“, so einer der Mieter, die sich bereits aus Sorge am Treppenaufgang versammelt haben.

Klingeln und Klopfen an der betreffenden Wohnungstür brachte nichts ein. Niemand öffnete, der vielleicht sieben Monate alte Hund begann verzweifelt an der Tür zu kratzen. Das Tier schien sich in seine Angst hineinzusteigern, vielleicht waren es aber auch Schmerzen, die das Tier so elendig winseln ließen, erinnert sich ein Bewohner.

„Wir fühlten uns so hilflos, darum haben wir die Polizei gerufen“, sagt einer der Nachbarn, nach dessen Meinung „der kleine Welpe in dieser Nacht leider stark vernachlässigt wurde“. Doch auch die Beamten konnten niemanden zum Öffnen der Wohnung bewegen. Die Besitzerin war nicht da. Die Polizei machte den Aufenthaltsort des Welpen während des Einsatzes auf dem Balkon aus.

Feuerwehreinsatz ist nicht gerechtfertigt

Auf die Bitte der Mieter, vielleicht die Feuerwehr zu benachrichtigen, damit diese sich vielleicht Zutritt zum Welpen verschaffen können, klärten die Polizisten die um ihren Schlaf gebrachten Mieter auf, dass ein solcher Einsatz nicht gerechtfertigt sei. Zu dem gleichen Urteil kommt Alexander Trenn von der Schwedter Feuerwehr auf Nachfrage der Märkischen Oderzeitung. „Akute, gegenwärtige Gefahr ist das Stichwort für die Feuerwehr. Die kommt zum Einsatz, wenn ohne Zeitverzug dringende Hilfe benötigt wird. Im Falle des noch jungen Hundes, der nach Einschätzung der Polizei lediglich das Alleinsein nicht kennt, konnte nicht von einer entsprechenden Gefahrenlage ausgegangen werden, entsprechend gab es auch kein Einsatzszenario für die Feuerwehr.“

Der Hund heulte also weiter, auch noch um 5:30 Uhr, als einer der Bewohner des Aufgangs zur Arbeit musste, war das Tier noch zu hören. Ruhe kehrte erst ein, als die Besitzerin am Vormittag wieder zu Hause war.

Mieter appellieren an Verantwortungsbewusstsein der Hundehalterin

Warum der Hund, der offensichtlich noch nicht an eine solche Situation gewöhnt ist, dennoch alleine gelassen wurde, bleibt unklar. Die Mieter in der Nachbarschaft hoffen, dass es bei diesem einen Vorfall bleibt und sich die Halterin ihrer Verantwortung bewusst wird.

„Hunde sind soziale Tiere und bauen starke Bindungen zu ihren Bezugspersonen auf. Wenn sie eine besonders enge Bindung haben und sich unsicher fühlen, wenn diese Person nicht in ihrer Nähe ist, kann dies zu einer sogenannten Trennungsangst führen“, weiß Jasmin Rohde vom den Schwedter Tierschützern.

Dabei handele es sich um eine reale Angstreaktion, die der Hund nicht kontrollieren kann. Es gibt aber Mittel und Wege, seinem geliebten Vierbeiner diese Angst zu nehmen oder ihm zu helfen, damit umzugehen. „Alleine bleiben will gelernt sein“, sagt Rohde, Hunde würden nicht mit dieser Fähigkeit geboren.

Training als Vorbeugung

Das Training sollte so früh wie möglich beginnen. Wer dabei auf Hilfe angewiesen ist, findet diese oft schon im Gespräch mit anderen Hundehaltern, in Hundeschulen, aber auch bei Tiertherapeuten. Halter, die sich in solch einer Situation überfordert sehen und nicht reagieren, ziehen oft nicht nur den Unmut der Nachbarn auf sich, es kann durchaus so weit eskalieren, dass die Hausverwaltung drastische Maßnahmen wie ein Haltungsverbot fordert oder gar die Wohnung kündigt.

Weil es sich im aktuellen Fall bislang um eine einmalige Sache handele, schrillen auch noch keine Alarmglocken. „Wir raten den betroffenen Bewohner den direkten Kontakt zur Hundehalterin zu suchen. Meist hilft ein nachbarschaftliches Gespräch“, erklärt Ursula Wyrembek.

Im Wiederholungsfall das Ordnungsamt informieren

Die Leiterin der Schwedter Tierschützer kennt solche Vorfälle zur Genüge. „Erst wenn sich derartige Situationen häufen, sollte das zuständige Ordnungsamt und der Vermieter informiert werden“, rät Wyrembek. Wenn die entsprechenden Parteien dann im Rahmen einer Überprüfung das Tierwohl gefährdet sehen, werden sie den Tierschutzverein hinzuziehen.