Der vierjährige Willi aus Neuruppin hat akute Leukämie und braucht besondere hygienische Bedingungen, um zurück nach Hause kommen zu können. Seine Eltern haben ein Trainingszentrum für Western-Reitsport in Neuruppin. Freunde der Familie haben über eine Crowdfunding-Plattform einen Aufruf gestartet, um das Geld zu sammeln, das für den Umbau ihres Hauses nötig ist.
Über 76.000 Euro sind bereits zusammengekommen. 150.000 Euro braucht die Familie für den Umbau. Die Spendenden kommen aus der gesamten Bundesrepublik. Manchmal sind es andere Reiterhöfe, manchmal Unternehmen, aber auch zahlreiche Privatpersonen.

Spenden gegen Ohnmacht und Hilflosigkeit

Die höchste Summe der Crowdfunding-Aktion über www.gofundme.com #WirfuerWilli hat mit 5000 Euro bisher das MJS Gestüt von Bellin in Fehrbellin, in der Nähe von Neuruppin, gespendet. „Jeder, der Kinder hat, kann sich nur im Ansatz vorstellen, was Pola, Etienne und der tapfere kleine Willy, der sich so sehr sehnt, nach Hause zu dürfen, gerade durchmachen“, sagt Monic Schmidheiny vom Gestüt von Bellin. Mit einer Spende könne man für einen kurzen Moment die Ohnmacht und Hilflosigkeit abstreifen und diese gegen Hoffnung, Zuversicht und Mitgefühl austauschen. „So können wir alle Pola und Etienne zeigen, dass sie nicht alleine sind und wir alle Willy in unserem Herzen tragen“, erklärt Schmidheiny.
Der Reiterhof Gohrs aus Burg Stargard in Mecklenburg-Vorpommern, der auch auf Westernreiten spezialisiert ist, spendete 3000 Euro.

Bürgermeister aus Neuruppin spendet privat

Die M&F Rhinluch Agrar aus Fehrbellin beteiligte sich mit einem Beitrag in Höhe von 1000 Euro an der Aktion. Auch die Versicherung Tänzer & Tänzer aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz war mit 500 Euro unter den Spendern.
Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle taucht als einer der ersten Spender in der Liste der Crowdfunding-Plattform auf, mit einer privat gespendeten Summe von 200 Euro. Einen Tag nach dem Start der Spendenaktion habe er über Social-Media-Kanäle davon erfahren, erklärt er. „Ich bin selbst Vater und konnte mich in die Lage hineinversetzen, erst recht, wenn eine solche Diagnose auch noch kurz vor Weihnachten gegeben wird“, antwortet Ruhle auf die Frage, was ihn zum Spenden bewogen hat. Ein Bekannter von Willis Eltern ist der Bürgermeister nicht. Bislang, sagt Ruhle, gebe es keinen persönlichen Kontakt zu der Neuruppiner Familie.

Aufruf vor 450 Gästen des Neujahrsempfangs

Bei der elfjährigen Lena aus Neuruppin, die wegen ihrer Erkrankung an Leukämie eine Stammzellenspende brauchte, war die Unterstützung im vergangenen Jahr ähnlich groß. Die Stadt hatte damals den Aufruf gestartet, sich als Stammzellenspender bei der DKMS registrieren zu lassen. Dies kann das Leben von Leukämie-Kranken retten und ist daher immer sinnvoll.
Willi benötigt allerdings keine Stammzellenspende, sodass eine solche Aktion momentan nicht geplant sei, erklärt der Bürgermeister. Helfen möchte die Stadt trotzdem: „Eine erste Hilfsaktion stellte der Spendenaufruf vor hunderten Gästen im Rahmen unseres Neujahrsempfangs am 6. Januar dar“, so Ruhle. „Ob weitere Hilfe benötigt wird, muss in allererster Linie Willis Familie entscheiden.“
„Bemerkenswert ist, dass auch unsere Freunde aus der Partnerstadt Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz über Willi berichten und zu Spenden aufrufen“, findet der Bürgermeister. Das sei gelebte Städtepartnerschaft.

Partnerstadt Bad Kreuznach ruft zur Hilfe für Willi auf

Über den Medienverteiler der Städte schickten die Bad Kreuznacher einen Aufruf, den sie auch auf ihrer Homepage und bei Facebook einstellten. Emanuel Letz, Oberbürgermeister von Bad Kreuznach, hatte auf dem Neujahrsempfang von Willi und dem Anliegen seiner Eltern erfahren und sich entschlossen, sich im Namen der Stadt an der Spendenaktion der Partnerstadt zu beteiligen.
„Am Schicksal des kleinen Willi nimmt Neuruppin großen Anteil. Die Ärzte haben bereits mit einer Chemotherapie begonnen und bekämpfen diese lebensbedrohende schwere Erkrankung“, heißt es in dem Aufruf Bad Kreuznachs. „Beim Neujahrsempfang warb Neuruppins Bürgermeister Nico Ruhle bei den 450 Gästen für eine Spendenaktion“, sagt Letz, der mit einer kleinen Delegation Ehrengast in der brandenburgischen Partnerstadt war. Kurzerhand startete er den Appell „Bad Kreuznach hilft Willi“.
In einer Rede in der Kulturkirche in Neuruppin, wo der Neujahrsempfang stattfand, erklärte Letz: „Es sind die Freundschaften an der Basis, die Kontakte von Mensch zu Mensch, die im Rahmen der Städtepartnerschaften geschlossen werden, mit deren Hilfe wir Grenzen überwinden, physisch und auch im Kopf.“ Wer auf der Crowdfunding-Plattform mit seiner Spende dem Aufruf aus Bad Kreuznach folgt, möge bitte „Bad Kreuznach hilft Willi“ dazuschreiben, so die Bitte des Oberbürgermeisters.

Familie von Willi von Anteilnahme überwältigt

Die Familie von Willi äußerte sich am Montag über die Spendenseite zu Wort – und zeigte sich überwältigt von der Anteilnahme. „Die Welle der Unterstützung von allen Seiten für Willi und unsere kleine Familie ist einfach gigantisch, wir sind einfach überwältigt und dankbar“, so die Eltern des kleinen Willi.
Die Unterstützung „jeglicher Art stärkt den Rücken und wärmt die Herzen und hilft in die Zukunft zu schauen“, heißt es im Statement der Hirschfelds. Und sie gibt Hoffnung: „Willis erste Chemotherapie ist in vollem Gange und wir werden uns durch diesen Alptraum durchkämpfen und die Leukämie besiegen“, zeigt sich die Familie kämpferisch.