Mörder aus Neuruppin: Serienmörder hinterlässt Spuren in Frankfurt und Altlandsberg

Carl Großmann aus Neuruppin wurde zu einem der berüchtigtsten Serienmörder Berlins. Er beging grausame Verbrechen und hat zudem auch eine Vergangenheit in Frankfurt (Oder) und Altlandsberg.
Polizeihistorische Sammlung Berlin/Florian Luber- Serienmörder Carl Großmann aus Neuruppin beging zwischen 1918 und 1921 grausame Frauenmorde in Berlin.
- 23 zerstückelte Frauenleichen wurden rund um den heutigen Ostbahnhof entdeckt, oft ohne identifizierbare Spuren.
- Großmanns Kindheit war von Gewalt geprägt; er arbeitete früh und lebte später in Frankfurt (Oder) und Altlandsberg.
- Festnahme 1921 in Berlin: In seiner Wohnung fanden sich Leichenteile und weitere grausige Beweise.
- Großmann erhängte sich 1922 in seiner Zelle, die genaue Zahl seiner Opfer bleibt ungeklärt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Zwischen 1918 und 1921 schockiert eine Reihe schrecklicher Frauenmorde den Osten Berlins. Rund um den Schlesischen Bahnhof, dem heutigen Ostbahnhof, tauchen immer wieder Leichenteile auf: auf Parkbänken, in Kanälen, in Abfalleimern.
Insgesamt werden die zerstückelten Überreste von 23 Frauen gefunden, deren Identität sich meist nicht mehr feststellen lässt. Die Opfer sind grausam verstümmelt: Im Mai 1919 wird ein Brustkorb entdeckt, von dem das umliegende Fleisch entfernt wurde.
Die Polizei vermutet bald Carl Großmann als Täter. Doch wer war dieser Mann, der Berlin über Jahre in Angst und Schrecken versetzte?
Kindheit in Neuruppin geprägt von Gewalt
Carl Friedrich Wilhelm Großmann wird am 13. Dezember 1863 in Neuruppin geboren. Sein Vater ist Händler und Hausbesitzer am Neuen Markt 5 in Neuruppin, die Mutter Sophie stammt aus Brüssel. Großmann wächst mit sieben Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen auf. Der Vater gilt als brutal und jähzornig, die Mutter als gutmütig.
Diese und weitere Details zu Großmanns Herkunft und Kindheit finden sich in Matthias Blazeks Buch „Carl Großmann und Friedrich Schumann: Zwei Serienmörder in den zwanziger Jahren“.
Zu lesen ist dort auch, dass Großmann später deutlich älter wirkt, als es seinem tatsächlichen Alter entspricht: schütteres Haar, teils glatzköpfig, ein fast zahnloser Mund und tiefe Falten. Seine Bewegungen seien langsam und unsicher, der Gang schleppend, die Haltung gebeugt. Hinzu käme ein kräftiger Knochenbau. So zitiert Blazek ein medizinisches Gutachten, das vor über hundert Jahren über Großmann angefertigt wurde.
Carl Großmann arbeitet in Neuruppin schon als Kind
Bevor der Neuruppiner aber zum Serienmörder wird, besucht der Händlersohn die Volksschule und arbeitet schon als Kind in einer Tuchfabrik. Bereits mit 16 Jahren verlässt er das Elternhaus und zieht nach Berlin, wo er für circa sechs Wochen bei einem Schlachter im Alexanderplatzviertel tätig ist, den Beruf aber nie richtig erlernt.
In einem Gutachten aus dem Mai 1922 heißt es: „G. (Großmann, Anm. der Redaktion) hat ursprünglich das Elternhaus verlassen, weil er sich mit seinem Vater nicht stellen konnte, und das ist auch kein Wunder. Aus der Familiengeschichte ergibt sich, dass G. in wirklich hohem Grade erheblich belastet ist, namentlich vom Vater her, und ich möchte hier schon einschalten, dass Karl G. selbst auch ein außerordentlich zorniges Temperament hat, wovon ich reichlich Proben bekam.“ Der Gutachter bezeichnet ihn schließlich als „schlecht erzogenen und auch erheblich belasteten Menschen“.
Militärdienst in Frankfurt (Oder) und eine Laube in Altlandsberg
Carl Großmann ist mittlerweile Anfang 20, als er beim 12. Grenadier-Regiment in Frankfurt (Oder) seinen Dienst antritt. Lange währt seine Militärzeit aber nicht. Schon nach einem Jahr wird er 1887 entlassen, weil er eine dreimonatige Gefängnisstrafe wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung zu verbüßen hatte. Die Strafe sitzt er ebenfalls in Frankfurt (Oder) ab. Bis 1895 lebt er dann als Bettler, Hausierer und Kleinkrimineller in Berlin, ehe er als Obdachloser durch Süddeutschland zieht.
Dabei macht er sich mehrfach strafbar, unter anderem wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung und Sexualdelikten. Am 4. Oktober 1899 wird er zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, nachdem er ein zehn- und ein vierzehnjähriges Mädchen missbraucht hat. Die Vierzehnjährige stirbt wenig später an den Folgen der Tat.
Nach seiner Entlassung aus dem Zuchthaus im Jahr 1914 und der Ausweisung aus Bayern kehrt Carl Großmann nach Berlin zurück. In den letzten Monaten des Ersten Weltkriegs findet er am Stadtrand eine neue Unterkunft: Mit seinem Ersparten kauft er eine kleine Laube mit Garten in der Kolonie „Klein Landsberg“ bei Altlandsberg. Etwa ein Jahr lang lebt er dort und verkauft die Laube wieder.
In dieser Zeit bringt Großmann immer wieder Frauen auf das Grundstück. Später wird dort bei einer Durchsuchung eine Handtasche gefunden, die Frieda Schubert, einem seiner Opfer, gehörte. Diesen Mord gesteht Großmann nach dem Fund der Handtasche.
Wo sich dieses Grundstück genau befindet, konnte auch diese Recherche nicht eindeutig verifizieren, weder beim Grundbuchamt noch beim Altlandsberger Heimatverein.
Festgenommen in Berlin, Zahl der Opfer bis heute ungeklärt
Ins Visier der Ermittler gerät Großmann schließlich am 21. August 1921, nachdem seine Berliner Nachbarn Schreie hören und die Polizei alarmieren. In seiner Wohnung finden die Beamten die Leiche der 35-jährigen Marie Nitsche – gefesselt, am Bett festgebunden und mit einer Reibekeule erschlagen.
Als Motiv gibt er an: „Ich habe bloß Rache genommen, denn das Aas hat mich bestohlen.“ Und weiter: „Ein Mörder bin ich nicht, ich bin ein Totschläger.“

Blick in die Wohnung von Carl Großmann in Berlin, in der 1921 die Polizei grausige Spuren seiner Verbrechen entdeckte.
Polizeihistorische Sammlung Berlin/ Foto: Florian LuberBei der Durchsuchung der Wohnung stoßen die Ermittler auf weitere, zum Teil grausige Funde: mehrere Frauenkleider, menschliche Körperteile im Kohleherd und zwei abgeschnittene Frauenhände unter dem Bett.
Alles deutet auf mindestens drei Frauenmorde allein in den letzten drei Wochen vor der Durchsuchung hin. Im September 1921 wird Großmann schließlich wegen vier Morden angeklagt.
Während die Staatsanwaltschaft darauf drängt, möglichst schnell die Todesstrafe durchzusetzen, möchte die Polizei zunächst weitere Verdachtsfälle klären.

Blick in die Wohnung von Carl Großmann in Berlin, in der 1921 die Polizei grausige Spuren seiner Verbrechen entdeckte.
Polizeihistorische Sammlung Berlin/ Foto: Florian LuberInmitten dieses Streits über den Umfang der Ermittlungen nimmt der Fall eine Wendung. Der Prozess beginnt am 1. Juli 1922, wird jedoch nie zu Ende geführt. Am 5. Juli erhängt sich Carl Großmann in seiner Zelle und nimmt so viele Geheimnisse mit ins Grab.
Die Zahl seiner Opfer bleibt bis heute ungewiss, ihr Schicksal ungeklärt. „Die tatsächliche Zahl der Opfer Großmanns wird hier und da auf 20 bis 100 geschätzt“, bilanziert beispielsweise Matthias Blazek in seinem Buch.
Was bleibt, ist das Bild eines Mannes, der Berlin in Angst und Schrecken versetzte. Sein Verteidiger Erich Frey sagte später über den Tag, als er seinen Mandanten und dessen Vogel, einen Zeisig, in seine Obhut nahm: „An diesem Tag übernahm ich die Sorge für eine Bestie und für ein kleines unschuldiges Tier, das stummer Zeuge unvorstellbarer Untaten gewesen war.“



