Mit hochrangigen Politikern wird am 11. November in Oberhavel vorzeitig die offizielle Verkehrsfreigabe des nördlichen Berliner Rings (A10) und der A24 zwischen dem Dreieck Pankow und Neuruppin gefeiert.
Abgeschlossen sind die Bauarbeiten deshalb aber noch nicht. Mindestens noch bis Jahresende wird es Einschränkungen geben. Mit dem Ausbau wurde vor viereinhalb Jahren im Frühjahr 2018 begonnen.

Hoher Besuch auf der Autobahn

Bundesverkehrsminister Dr. Volker Wissing (FDP), Guido Beermann (CDU), Minister für Infrastruktur und Landesplanung in Brandenburg, Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der DEGES (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH), Stephan Krenz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Autobahn GmbH des Bundes, sowie Dr. Thomas Stütze, Geschäftsführer der Havellandautobahn GmbH, werden zu der Zeremonie zwischen dem Dreieck Oranienburg und der Anschlussstelle Birkenwerder erwartet. Die Veranstaltung auf der Autobahn beginnt um 8.30 Uhr. Zuschauer können von der A10-Brücke aus das Zerschneiden des symbolischen Bands verfolgen. Parkplätze sind im Bereich des Bernsteinsees.
Auftraggeber trifft Auftragnehmer: Daniel Markau (l.) Projektleiter bei der Deges, und Dr. Thomas Stütze, Geschäftsführer der Havellandautobahn GmbH
Auftraggeber trifft Auftragnehmer: Daniel Markau (l.) Projektleiter bei der Deges, und Dr. Thomas Stütze, Geschäftsführer der Havellandautobahn GmbH
© Foto: Jürgen Liebezeit
Der Standort für die Feier ist bewusst gewählt. Denn mit dem sich unmittelbar anschließenden Bauabschnitt 7 ist das komplizierteste Teilstück während der gesamten Bauzeit endlich geschafft. Ab 11. November rollt der Verkehr zwischen dem Dreieck Oranienburg und Mühlenbeck wieder auf beiden Fahrbahnseiten – vorerst noch auf jeweils zwei Spuren für jede Richtung. Die dritte Spur und der Standstreifen werden bis Dezember noch für Restarbeiten benötigt.
Synchron mussten zwei Kranführer arbeiten, um den Brückenschlag am Oder-Havel-Kanal zu meistern.
Synchron mussten zwei Kranführer arbeiten, um den Brückenschlag am Oder-Havel-Kanal zu meistern.
© Foto: Miha Schiro
Der Bauabschnitt 7 hatte es in sich: auf dem fünf Kilometer langen Teilstück wurden insgesamt sieben Brücken und Durchlässe abgerissen und neu gebaut. „Das war sicherlich die größte Herausforderung“, sagt Dr. Stütze rückblickend. Das Zusammenspiel vieler einzelner Gewerke (Beton, Asphalt, Ingenieurbauwerke, Lärmschutz, Verkehrsführung) auf einem sehr engen Raum habe für Ingenieure und Arbeiter zu vielen einzelnen Teilaufgaben geführt, die „zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden mussten“. Spektakulär waren beispielsweise der Abriss und der Bau der S-Bahn- und Fernbahn-Brücken. Beim Einhub der bis zu 225 Tonnen schweren Tröge kamen im September und November 2020 sogar zahlreiche Schaulustige zur Baustelle.
Dieser Superkran war im Herbst 2020 in Birkenwerder im Einsatz. Die Tröge für die Bahn wurden eingesetzt. Der Kran kann 600 Tonnen heben.
Dieser Superkran war im Herbst 2020 in Birkenwerder im Einsatz. Die Tröge für die Bahn wurden eingesetzt. Der Kran kann 600 Tonnen heben.
© Foto: Jürgen Liebezeit
Einer der größten Baulastkräne in Deutschland war damals im Einsatz. Der Megakran hat eine Tragkraft von 600 Tonnen. Bereits im Vorfeld der tagelangen Sperrung gab es damals Kritik. Die Autobahnbauer musste die nördliche A10 erstmals an Werktagen sperren. Verkehrsplaner und Politiker aus Oberhavel befürchteten ein Verkehrschaos, das am Ende aber in dem befürchteten Ausmaß nicht eintraf. Es wurde sogar europaweit vor der Vollsperrung gewarnt.
Staufalle Birkenwerder. Die Dimensionen der Anschlussstelle Birkenwerder sind erst aus der Drohnenperspektive deutlich zu sehen. Unten rechts ist die neue B96-Brücke zu erkennen. Das Foto entstand im Juli 2021. Wegen einer Vollsperrung der A10 entwickelte sich ein Mega-Stau. Die Ersatzbrücke ist inzwischen wiedr abgerissen.
Staufalle Birkenwerder. Die Dimensionen der Anschlussstelle Birkenwerder sind erst aus der Drohnenperspektive deutlich zu sehen. Unten rechts ist die neue B96-Brücke zu erkennen. Das Foto entstand im Juli 2021. Wegen einer Vollsperrung der A10 entwickelte sich ein Mega-Stau. Die Ersatzbrücke ist inzwischen wiedr abgerissen.
© Foto: Frank Lagrange
Für Frust haben bei den Verkehrsteilnehmern nicht nur die zahlreichen Vollsperrungen der Autobahnen gesorgt, sondern auch die Staus rund um die Brückenbaustellen. Immer noch gibt es Probleme im Bereich Birkenwerder. „Ich bin froh, dass es bald geschafft ist“, sagt Birkenwerders Bürgermeister Stephan Zimniok. Er hofft, dass auch die Restarbeiten bis Jahresende erledigt werden. Er erwartet beispielsweise die schnelle Öffnung der Brücke am Wensickendorfer Weg, eine Lösung für die Überführung an der Fichteallee sowie eine „Grüne Welle“ im Bereich der Anschlussstelle Birkenwerder. Die sei nämlich zu Beginn der Bauarbeiten angekündigt worden. Grundsätzlich lobte er aber das Tempo und die Kooperation der Projektgesellschaft.

Birkenwerder

Die Bilanz der Projektgesellschaft nach nicht einmal fünf Jahren Bauzeit, die zum größten Teil bei laufendem Verkehr stattfand, kann sich sehen lassen. Mehr als fünf Millionen Kubikmeter Sand und Gestein wurden bewegt. 38 Brücken mussten erneuert und fast 20 Kilometer Lärmschutzwände aufgestellt werden. Teilweise sind die Wände fast zehn Meter hoch. Anlieger unmittelbar hinter den Bauwerken freuen sich über eine geringere Lärmbelästigung, müssen nun aber mit mehr Schatten auf dem Grundstück leben.

Ausgleich für Rodungen

Für die umfangreichen Rodungen an der Autobahn wurden als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen Aufforstungen, Gehölzpflanzungen, Entsiegelungen und Gewässerrenaturierungen auf einer Gesamtfläche von mehr als 430 Hektar umgesetzt. Zusätzlich urden mehr als 250 Ameisennester sowie Zauneidechsen durch Spezialisten in neue Habitate umgesetzt.
Aufreger Ampel: Die Baustellenampeln an der Anschlussstelle Birkenwerder waren nicht immer optimal aufeinander abgestimmt. Das soll nach Ende der Bauarbeiten besser werden.
Aufreger Ampel: Die Baustellenampeln an der Anschlussstelle Birkenwerder waren nicht immer optimal aufeinander abgestimmt. Das soll nach Ende der Bauarbeiten besser werden.
© Foto: Jürgen Liebezeit
Der nördliche Berliner Ring und die A24 gehören zu den meistbefahrenen Strecken der Hauptstadtregion. Die A10 wurde zwischen den Dreiecken Pankow und Havelland auf fast 30 Kilometern sechsstreifig ausgebaut. Der vierspurige, ebenfalls gut 30 Kilometer lange Abschnitt der A24 zwischen Neuruppin und Kremmen wurde komplett erneuert, wobei die Seitenstreifen verbreitert wurden, um Teilabschnitte im Bedarfsfall je nach Verkehrsaufkommen temporär für den Verkehr freizugeben. Dazu gibt es extra ein ferngesteuertes optisches Spursystem. Das Dreieck Havelland wurde bereits 2014 ausgebaut.

A114 vorzeitig fertig

Obwohl das Ende des Projektes mit dem symbolischen Zerschneiden einer Flatterleine gefeiert wird, wird weiterhin an mehreren Stellen gebaut. Verkehrseinschränkungen gibt es deshalb noch im Bauabschnitt 2 (Neuruppin-Fehrbellin), im Bauabschnitt 4 (Rastplatz Linumer Bruch) sowie Bauabschnitt 7 (Bereich Birkenwerder-Mühlenbeck) und Bauabschnitt 9 (Dreieck Pankow). Es müssen unter anderem noch Leitplanken und Verkehrsschilder aufgestellt sowie Markierungen aufgebracht werden. Vereinzelnd sind auch noch Maßnahmen an den Fahrbahnen notwendig.
Am 1. November ist die A114 zwischen Dreieck Pankow und Berliner Stadtgrenze vorzeitig für den Verkehr freigegeben worden.
Neben dem Ausbau hat die Projektgesellschaft Havellandautobahn auch die Erhaltung und den Betrieb der Projektstrecke für 30 Jahre übernommen. Der Vertrag endet im Februar 2048. Die vom Bund getragenen Projektkosten belaufen sich in diesen drei Jahrzehnten auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro. Die reinen Baukosten für den Ausbau schlagen mit mindestens 640 Millionen Euro zu Buche.