Auszeichnung in Oranienburg
: Stadt vergibt mehrere Preise – Gewinner und ihre Projekte

Oranienburg lebt von den Menschen, welche die Stadt und Ortsteile mitgestalten. Mehrere von ihnen wurden jetzt für ihr Engagement und Ehrenamt ausgezeichnet. Eine Übersicht.
Von
Marco Winkler
Oranienburg
Jetzt in der App anhören

Die Preisträger beim Stadtempfang Oranienburg. Für diese Projekte haben sie einen Preis erhalten.

Marco Winkler

Bei der Frage, was die Stadt Oranienburg auszeichnet, wird aktuell oft auf den Verkehr und das Baugeschehen geschaut, auf die Unterbringung von Geflüchteten und den knappen Wohnraum. Dabei sind es die Menschen und Initiativen, die Oranienburg lebenswert machen. Einige von ihnen wurden ausgezeichnet. Die Gewinner im Überblick.

Traditionell zum 2. Oktober findet in der Orangerie der Stadtempfang statt. Unter den geladenen Gästen einige, die sicherlich etwas vermuteten, aber am Ende doch überrascht waren, auf der Bühne zu stehen. Das Motto des Abends: „Die Mischung macht’s“, bezogen auf die Eingemeindung von sieben Ortsteilen vor 20 Jahren. Zuvor waren lediglich Kernstadt und Sachsenhausen eine Einheit. Seit 2003 gibt es Oranienburg nur noch mit den Ortsteilen – die sich in einer Volksabstimmung für Oranienburg und den Anschluss an eine modernes Trink- und Abwassernetz entschieden haben.

Sonderpreis für Historiker in Oranienburg

Auch wenn es damals nicht unbedingt eine „Liebeshochzeit“ war, wie Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) in seiner Rede sagte, sei der Zusammenschluss ein Erfolgsmodell. Jeder Ortsteil sowie jeder Stadtteil sei Teil eines Puzzles, so Laesicke. Alle dürften stolz über die „Entwicklung von Oranienburg als kommunale Familie sein„.

Für das Engagement und stellvertretend für alle Engagierten, die sich um die vielen Ortschroniken und damit ein wichtiges Stück Oranienburger Regionalgeschichte kümmern, wurde Ortschronist Kurt Müller für sein ehrenamtliches Wirken mit einer Sonderehrung ausgezeichnet. Die Stadt vergab zudem drei Ehrenpreise.

Ortschronist Kurt Müller (Mitte) wurde stellvertretend für alle Ortschronisten mit einem Sonderpreis ausgezeichnet.

Marco Winkler

Einen davon erhielt Enrico Kitschun, der mit der Personal- und Arbeitsvermittlung GS Company seit 2003 Erfolge feiert und ein eigenes Jobportal gegründet hat. Er hat Unternehmergeist im Blut, seit er in jungen Jahren mit selbst gesammelten Pilzen sein Taschengeld aufbesserte. Der gelernte Maurer ist bei den Wirtschaftsjunioren Oberhavel aktiv und mitverantwortlich für die „Schule der Löwen„. Er macht sich für den Nachwuchs stark, gibt Bewerbungstrainings an Schulen.

Ausgezeichnet wird er vor allem für sein Engagement in den Ortsteilen. So hatte er die Idee für ein Beachvolleyballfeld auf dem Sportplatz in Oranienburg-Eden. Er mobilisierte seine Kräfte, initiierte den Edener Stammtisch, motivierte Freiwillige, fand Spender – innerhalb eines Jahres konnte das Projekt umgesetzt werden.

Enrico Kitschun (Mitte) wurde vom Bürgermeister für sein Engagement in Eden und Sachsenhausen ausgezeichnet. Die Laudatio hielt Baudezernent Eric Tenz (rechts).

Marco Winkler

Engagement für Angel-Nachwuchs und Kultur

Etabliert hat Enrico Kitschun zudem das Schnupperangeln in seinem Angelverein Ukelei in Sachsenhausen. Damit begeistert er nicht nur Kinder und Jugendliche – knapp 60 sind im 110 Jahre alten Verein aktiv – für den Sport, er sensibilisiert sie für Themen wie Umweltschutz. Enrico Kitschun sei einer, der Tatkräftige zusammenbringt, ein Motivator, jemand, der Unstimmigkeiten ausräumt und alles zusammenhält, heißt es in der Laudatio.

Ebenfalls einen Ehrenpreis gab es für den Kultuskonsum in Oranienburg. In einer ehemaligen Täschnerei begann im Juni 2004 das Experiment, Kultur nach Oranienburg zu holen. Zwölf Enthusiasten schlossen sich zusammen, gründeten einen Verein, darunter Apotheker, Lehrer, Pfarrer. Etwa einmal im Monat gibt es eine Veranstaltung in der Heidelberger Straße 22.

Stellvertretend für den Kulturkonsum nahmen Christian Rössler und seine Frau den Preis von Sozialdezernentin Stefanie Rose (links) entgegen.

Marco Winkler

Konzerte, Kabarett, Lesungen, Kleinkunst. Mit Erfolg. Inzwischen melden sich Kunstschaffende selbst im Kulturkonsum, um auf kleiner Bühne vor rund 50 Gästen auftreten zu können. Knapp 200 Veranstaltungen haben der Vereinsvorsitzende Stefan Jacker und sein Team – alle im Ehrenamt – bisher organisiert. „Nicht jede Stadt kann mit solch einer kulturelle Perle aufwarten„, heißt es in der Laudatio. Den Preis nahmen stellvertretend für alle Engagierten Christian Rössler und seine Frau entgegen.

Über den dritten Ehrenpreis konnte sich die Bürger-Initiative „Zukunft Bernöwe“ freuen. In der kleinen Siedlung, die als Wohnplatz ausgewiesen ist, leben gut 200 Menschen. 2018 hat sich die Initiative gegründet. Das Ziel: Die Zukunft Bernöwes gestalten. Dabei hat die Initiative Ausdauer bewiesen, um beispielsweise eine funktionierende Glocke auf dem Friedhof zu bekommen. 5000 Euro wurden gesammelt. Später kam noch der passende Glockenstuhl hinzu. Die Initiative sorgte zudem für überarbeitete Schautafeln auf dem Fernradweg Berlin-Kopenhagen.

Andreas Lücke (Mitte) bekam den Ehrenpreis stellvertretend für alle Engagieren in der Bürger-Initiative „Zukunft Bernöwe“. Die Laudatio hielt Finanzdezernent Christoph Schmidt-Jansa.

Marco Winkler

Und sie ist noch längst nicht fertig. Die Stadt gestaltet dank intensiven Gespräch mit der Initiative für 120.000 Euro den Platz vor der alten Feuerwehr neu. Unternehmer und Gründungsmitglied Andreas Lücke hat das Feuerwehrhaus gekauft. Er will es renovieren, einen Imbiss für Radtouristen anbieten, eine Ferienwohnung und einen Gemeinschaftsraum einrichten. Doch nicht nur um sich kümmern sich die Bernöwer. Kürzlich sammelten sie Geld für die an einer seltenen Krebsform erkrankte Luna aus Schmachtenhagen. „Die Welt bewegt sich, wenn Menschen sich dafür einsetzen„, so die Worte der Laudatio, die auf alle Gewinner zutreffen.