Der traditionelle Stadtempfang am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit in Oranienburg ist in diesem Jahr coronabedingt abgesagt worden. Die Ehrenpreise der Stadt wurden am Freitagabend aber dennoch an verdiente Bürger und Vereine verliehen – in kleinerem Rahmen in der Oranienburger Stadtbibliothek.
Ehrenpreise der Stadt Oranienburg verliehen

Auszeichnungen Ehrenpreise der Stadt Oranienburg verliehen

Schweigeminute für Initiatorin der Oranienburger Stolpersteine

Nach der Begrüßung durch Bürgermeister Alexander Laesicke herrschte allerdings zunächst Stille im Saal. Laesicke bat die etwa 30 geladenen Gäste um eine Schweigeminute für die am Montag verstorbene Initiatorin des Oranienburger Stolperstein-Projektes Minette von Krosigk. Erst vor einer Woche war sie vom Landkreis Oberhavel mit dem Toleranzpreis ausgezeichnet worden. Den Ehrenpreis der Stadt erhielt sie am Freitagabend nun posthum.

Oranienburg

Schicksale vor dem Vergessen bewahrt

„Minette von Krosigk hat Oranienburger Schicksale vor dem Vergessen bewahrt“, sagte Finanzdezernent Christoph Schmidt-Jansa in seiner Laudatio. Seit 15 Jahren hatte Minette von Krosigk mit Schülern und Auszubildenden die Tragödien von Oranienburgern recherchiert, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt, drangsaliert, deportiert oder vertrieben wurden. „Archive wurden durchforstet, Grundstücksakten, Verwaltungsakten, Meldekarteien, historische Adressbücher sowie Zeitzeugenberichte ausgewertet“, erinnerte Schmidt-Jansa. „Sie führte eigene Interviews mit Zeitzeugen und hat sogar Überlebende und Nachfahren in den USA und England ausfindig gemacht, um mehr über die Familiengeschichten zu erfahren.“ Heute erinnern 69 Stolpersteine in Oranienburg an diese Menschen. Ein von Minette von Krosigk geplantes Buch, das die Geschichten der Menschen erzählt, wurde nicht mehr vollendet. Dennoch: „Für ihren unermüdlichen, dauerhaften und akribischen Einsatz gebührt ihr für immer unser Dank und unsere Anerkennung“, sagte Schmidt-Jansa.
Den Preis nahm der Sohn der Geehrten, Christian Strandke, entgegen. Er dankte in einem kurzen Grußwort all jenen, die das Engagement seiner Mutter unterstützt hätten und kündigte an, die Dokumentation seiner Mutter über das Schicksal der vom NS-Regime verfolgten Oranienburger zu vollenden. Dafür werde die Familie die 2.000 Euro einsetzen, mit der der Toleranzpreis des Landkreises dotiert war.

Ehrenpreis für Germendorfer Feuerwehr

Den Ehrenpreis für Vereine nahm Cornel Gratz für die Germendorfer Feuerwehr aus den Händen von Stefanie Rose entgegen. Die für den Brandschutz zuständige Dezernentin wies in ihrer Laudatio auf das vielfältige Engagement der Germendorfer hin. So organisiere die Feuerwehr Knutfest und Osterfeuer, unterstütze Martinsumzug, Drachenbootrennen und Fußballturniere.
Zudem bieten die Kameraden in der Grundschule eine Brandschutz-AG an und unterhalten neben der Jugendfeuerwehr einen eigenen Mini-Löschzug. „In Germendorf ist bereits jedes dritte Kind Mitglied in der Ortsteilfeuerwehr. Um Nachwuchsfeuerwehrkräfte muss man sich hier also keine Sorgen machen“, sagte die Dezernentin. „So viel Engagement soll und muss anerkannt werden“, lobte Stefanie Rose.

Auszeichnung für den Gründer des Käferclubs

Den dritten Ehrenpreis erhielt Jürgen Jancke, der schon zu DDR-Zeiten 1988 den Käferclub in Oranienburg gründen wollte. „Wie verrückt musste man sein“, fragte Baudezernent Frank Oltersdorf in seiner Laudation, um die Antwort gleich mitzuliefern: „Total verrückt. Denn in einem Land, in dem Trabant, Wartburg, Skoda und Lada zu Hause waren, konnte die Stasi eine Huldigung des VW Käfer, des damals meistverkauften Autos der Welt, nicht durchgehen lassen.“
Den Käferclub gründete Jancke dann zwei Jahre später. In diesem Jahr wurde 30-jähriges Bestehen gefeiert. Doch Jancke kümmerte sich nicht nur um seine Oldtimer, sondern brachte sich auch in Debatten zur Stadtentwicklung ein, ist freiwilliger Ortschronist der Stadt Oranienburg, schrieb zwei Bücher und sammelt Postkarten. Er engagiert sich in der SPD und war Vorsitzender des Seniorenbeirats. Er hat sich den Preis mehr als verdient, sagte Frank Oltersdorf. Jancke selbst sagte, er sei gerührt, als einfacher Bürger in den Kreis derjenigen aufgenommen worden zu sein, die sich für Oranienburg verdient gemacht haben.