Bombe in Oranienburg
: RE5, RB32 und RB12 betroffen – Einschränkungen bei der Bahn

Es soll in Oranienburg eine weitere Bombe entschärft werden. Nicht nur 4300 Menschen müssen ihre Häuser verlassen. Auch bei der Bahn kommt es zu Einschränkungen.
Von
Marco Winkler
Oranienburg
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Es soll in Oranienburg eine weitere Bombe entschärft werden. Auch die Bahn ist vom eingerichteten Sperrkreis betroffen.

Julian Stähle/dpa

In Oranienburg steht die nächste Entschärfung einer Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg bevor. Am Mittwoch, 13. März 2024, soll der fünfeinhalb Meter tief liegende Blindgänger, der im Ortsteil Lehnitz gefunden wurde, unschädlich gemacht werden.

Im eingerichteten Sperrkreis liegt zwar nicht der Bahnhof Oranienburg, aber die Bahnstrecke nach Borgsdorf. Es kommt zu Einschränkungen auf den Linien RE5, RB12 und RB32 sowie beim Schienenersatzverkehr der S-Bahn.

+++ UPDATE: Die Bombe muss entschärft werden +++

Kitas, Schulen und Turm betroffen

Ab 8 Uhr greift am 13. März ein Sperrkreis mit einem Radius von 1000 Metern. 4300 Menschen, die rund um die Fundstelle am Inselweg in Lehnitz leben, müssen ihre Häuser und Wohnungen verlassen. Mehrere soziale Einrichtungen sind betroffen und müssen evakuiert werden.

Dazu zählen: die Kitas Butzelhausen, Friedrich Fröbel und Lehnitz, die Oberschule und die Grundschule Lehnitz (mit Hort), der Eltern-Kind-Treff in der Kitzbüheler Straße, das Friedrich-Wolf-Haus, das Altersgerechte Wohnen in der Robert-Koch-Straße, die Gemeinschaftsunterkunft Lehnitz und die Turm Erlebniscity. Der S-Bahnhof Lehnitz liegt ebenso im Sperrkreis wie die Gleisanlagen.

Aus diesem Grund kommt es zu Ausfällen bei der Bahn, auf die sich Berufstätige einstellen sollten. Bei den S-Bahn-Kunden ist der Ausfall nichts Neues. Seit 17. Februar fährt die S1 aufgrund von Baumaßnahmen schon nicht mehr. Sie soll erst am 29. März wieder rollen. Von der Bombenentschärfung ist der eingerichtete Ersatzverkehr mit Bussen zumindest leicht betroffen. Die S1-Busse fahren den S-Bahnhof Lehnitz am 13. März zuletzt um 7.50 Uhr an, teilt die Stadt Oranienburg mit.

Weitreichendere Folgen gibt es beim Regionalexpress RE5: Er kommt aus Richtung Rostock zuletzt um 10.40 Uhr in Oranienburg an und fährt weiter nach Berlin. Um 10.44 Uhr ist die letzte Abfahrt nach Rostock angesetzt.

Die nach Templin fahrende Regionalbahn RB12 fährt in Oranienburg zuletzt um 10.22 Uhr los, die Gegenrichtung (Ostkreuz) setzt sich um 9.30 Uhr letztmalig vor der Entschärfung in Bewegung. Die Flughafenlinie RB32 „startet bis maximal 10.45 Uhr nach Schönefeld“, so die Stadt.

Die Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg wurde auf einem Privatgrundstück am Inselweg in Lehnitz gefunden. Container schützen die Anwohner.

Stadt Oranienburg/Sebastian Welzel

Die Stadt hat derweil Anlaufstellen für im Sperrkreis lebende Menschen eingerichtet. Dazu dienen der Saal des Bürgerzentrums in der Albert-Buchmann-Straße 17 und der Saal des Regine-Hildebrandt-Hauses in der Sachsenhausener Straße 1.

Ein Bus-Shuttle wird für den Tag der Entschärfung eingerichtet. Es handelt sich um eine einmalige Fahrt. Die Haltestellen: Birkenwerderweg (Höhe Adlerweg) um 07.45 Uhr, S-Bahnhof Lehnitz (Höhe Gaststätte Schweizer Haus) um 8 Uhr, Bürgerzentrum (Albert-Buchmann-Straße 17) Ausstieg. Nach der erfolgreichen Entschärfung und Sperrkreis-Aufhebung fährt der auf der gleichen Strecke zurück.

Info-Telefon zur Bombenentschärfung in Oranienburg

Am Montag, 11. März, richtet die Stadt ein Info-Telefon für Fragen zum Sperrkreis und zur Evakuierung ein. Das Bürgertelefon ist an diesem Tag von 8 bis 15 Uhr und am Dienstag, 12. März, von 7 bis 15 Uhr freigeschaltet. Die Nummer: 03301 600900.

Für Oranienburg ist es die 230. Bombenentschärfung seit der Wende. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes teilt am 12. März offiziell mit, ob es wirklich zur Entschärfung kommen muss oder ob die Bombe abtransportiert werden kann. Im August 2023 konnte die Entschärfung einer 250-Kilogramm-Bombe abgesagt werden, da der Zünder nicht mehr intakt war.

Bombe in Oranienburg – Zahlen und Fakten

● Von den 21.300 Großbomben, die im Zweiten Weltkrieg auf die Stadt fielen, waren mehr als 4000 mit chemischem Langzeitzünder ausgestattet.

● Der schwerste Angriff war am 15. März 1945. Knapp 5700 Bomben warfen Maschinen der US Army Air Forces über Oranienburg und Umgebung ab.

● 1981 ging eine 500-Kilogramm-Bombe in die Luft und beschädigte einen Bungalow, 1991 gab es bei einer Selbstdetonation drei Verletzte.

● 1997 wurde direkt unter einem Hort eine Bombe gefunden.

● 2000 dauerte die Sprengung einer 500-Kilo-Bombe 20 Stunden. Die Menschen konnten erst nachts wieder in ihre Häuser.

● 2015 entschärfte der KMBD vier 250-Kilo-Bomben in einem fast 16-stündigen Marathoneinsatz.

● 2023 mussten zehn Bomben entschärft werden.

● Seit der Wende wurden 230 Bomben entschärft, 250 werden noch im Boden vermutet.