Einkaufen in Glienicke
: Diese respektlosen Sprüche gehören zum Alltag an der Kasse

Respektlose Kommentare und mehr strapazieren die Nerven des Personals. Kassiererinnen eines Supermarktes in Glienicke reden jetzt Klartext und sagen, was sie nervt!
Von
Jürgen Liebezeit
Glienicke
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"Herzlichst!" steht auf den Jacken des Personals in der Edeka-Filiale im Sonnengarten in Glienicke/Nordbahn.  Doch der Umgang mancher Kunden mit den Mitarbeitenden ist alles andere als herzlichst. Das sind die nervigsten Sprüche an der Kasse.

„Herzlichst!“, steht auf den Jacken des Personals in der Edeka-Filiale im Sonnengarten in Glienicke/Nordbahn. Doch der Umgang mancher Kunden mit den Mitarbeitenden ist alles andere als herzlichst. Das sind die nervigsten Sprüche an der Kasse.

Jürgen Liebezeit
  • Kassiererinnen in Glienicke berichten von respektlosen Sprüchen und übergriffigem Verhalten.
  • Kunden machen oft anzügliche Bemerkungen, was das Personal frustriert.
  • Inhaberin Sabine Nemitz-Pollmann schützt Mitarbeiter, indem Namen nicht vollständig angezeigt werden.
  • Marktleiterin Madlen Jannaschk fordert mehr Freundlichkeit von Kunden.
  • Trotz einiger negativen Erfahrungen, gibt es auch viele freundliche und dankbare Kunden.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Es gibt Sprüche von Kunden, die das Personal an der Kasse im Supermarkt zur Weißglut treiben – nicht nur in stressigen Zeiten wie jetzt vor Weihnachten. Manchmal sind sie witzig und lieb gemeint, viel häufiger aber respektlos und anmaßend.

Wir haben bei Kassiererinnen in der Edeka-Filiale von Sabine Nemitz-Pollmann in der Galerie Sonnengarten in Glienicke nachgefragt, was sie richtig nervt. Die Frauen reden jetzt Klartext, geben aber auch Tipps für die vermeintlich schnellste Kasse.

Sprüche gehen bewusst unter die Gürtellinie

Die Kassiererinnen berichten nicht nur von genervten Menschen mit schlechter Laune, sondern auch von übergriffigem Verhalten und Anmachsprüchen, die bewusst unter die Gürtellinie zielen. „Wenn ich mit ‚Madame‘ oder ‚Fräulein‘ angesprochen werde, fühle ich mich nicht ernst genommen“, sagt beispielsweise die 18-jährige Leah, die mit dem Job im Supermarkt ihr Lehramtsstudium finanziert.

Oft bekomme sie Sprüche mit eindeutig sexuellem Hintergrund zu hören. Sechs ist immer gut, kommt fast schon reflexartig, wenn der Betrag die Ziffer 6 enthält.

Anmache schockt Kassiererin in Glienicke

Die Frage „Sind Sie offen für mich?“ ist nicht auf die Kasse gemünzt, sondern auf die Person, die gerade die Kasse schließt, um eine Pause machen zu können. „Ich meine nicht die Kasse, ich meine Sie“, kommt als Erklärung hinterher.

„Das ist mir erst letzte Woche wieder passiert“, berichtet Leah von unangenehmen Momenten, denen sie nicht aus dem Weg gehen kann. „Einige meinen, dass ihre Sprüche lustig sind. Sind sie aber nicht. Ich war geschockt.“ Sie war so perplex, dass sie den Mann nicht mehr zur Rede stellen konnte.

"Ich habe auch passendes Kleingeld!" Nicht das Kassenpersonal ist bei diesem Spruch genervt, es sind eher die wartenden Kunden. Inzwischen kommt das dank Kartenzahlung aber immer letzter vor. Mehr Zeit raubt im Supermarkt aktuell das Abheben von Bargeld.

„Ich habe auch passendes Kleingeld!“ Nicht das Kassenpersonal ist bei diesem Spruch genervt, es sind eher die wartenden Kunden. Inzwischen kommt das dank Kartenzahlung aber immer seltener vor. Mehr Zeit raubt im Supermarkt aktuell das Abheben von Bargeld.

Jürgen Liebezeit

Manchmal reflektiert sie das Geschehen auch erst in der Pause. „An der Kasse bin ich voll konzentriert. Da blocke ich solche Sprüche unterhalb der Gürtellinie meistens kommentarlos ab.“ Zufrieden ist sie mit dieser Lösung aber nicht.

Konsequente Maßnahme der Supermarkt-Inhaberin in Glienicke

Die Belästigung endet nicht am Ausgang vom Supermarkt. Es sei auch schon probiert worden, sie über das Internet zu kontaktieren, sagt Leah. Deshalb hat Inhaberin Sabine Nemitz-Pollmann entschieden, keine kompletten Namen mehr aufs Namensschild zu drucken. Das soll die Recherche erschweren.

Sätze, die das Kassenpersonal immer wieder hört

„Ich wollte nur ein Teil kaufen“, wenn das Band rappelvoll ist und kein Einkaufswagen geholt wurde.

„Kleingeld ist auch Geld“, wenn die umfangreiche Centsammlung im Portemonnaie aufgelöst wird.

„Sechs ist immer gut“, wenn der Betrag die Ziffer 6 enthält.

„Ich habe Zeit, ist ja keiner hinter mir“, wenn die längst überfällig Pause ansteht.

„Ach, da ist noch etwas im Wagen?“, wenn der Kunde gebeten wird, den auffällig gewölbten Einkaufsbeutel hochzuheben.

„Ist umsonst“, wenn der Barcode nicht funktioniert.

Ihre ältere Kollegin Maria (lächelt solche Situationen einfach weg und kontert mit einem frechen Spruch. „Ich bin nett, lasse mir nicht alles gefallen“, sagt die 56-Jährige, die nahezu täglich Respektlosigkeit und unflätiges, herablassendes Verhalten erlebt.

Dass Frauen mit dem Handy weiter telefonieren und Männer durch die Sonnenbrille die Decke anstarren, sei fast schon normal. „Ich komme mir dann vor wie Klein Doofi.“ Oft falle ihr das bei der Kundschaft mittleren Alterns auf. „Viele junge Leute und Ausländer kennen dagegen noch die Höflichkeitsform“, berichtet sie anerkennend von einem freundlichen Miteinander.

Hausverbot für den „Grabscher“ aus Glienicke

Die Marktleitung steht hinter dem Personal an der Kasse. So wurde einem Mann, der einer Kassierin eindeutige Avancen machte und sie ungefragt berührte, Hausverbot erteilt. „Da gibt es keine Toleranz“, stellt Marktleiterin Madlen Jannaschk unmissverständlich klar. Sie hat auch kein Verständnis für patzige Fragen und Kommentare der Kunden, weil kurz vor Feierabend ein Produkt ausverkauft ist oder es an der Kasse ein technisches Problem gibt.

„Wir geben immer alles für unsere Kunden, aber der Ton macht die Musik“, bitte sie um mehr Freundlichkeit und Verständnis vor der Kassen und in den Gängen.

Typisch für die Adventszeit: Weihnachtsstern und Süßigkeiten auf dem Fließbahn - vielleicht ist es eine kleine Aufmerksamkeit fürs Kassenpersonal.

Typisch für die Adventszeit: Weihnachtsstern und Süßigkeiten auf dem Fließbahn - vielleicht ist es eine kleine Aufmerksamkeit fürs Kassenpersonal.

Jürgen Liebezeit

Doch auch die Kassiererinnen scheren nicht alle über einen Kamm. „Die meisten sind sehr nett und höflich zu uns“, sagt Leah. Zu Nikolaus oder vor Feiertagen kaufen einige sogar eine kleine Süßigkeit als Dankeschön und Anerkennung für die gute Arbeit.

Das Vorurteil, dass das Kassenpersonal genervt ist, wenn jemand bar und passend zahlen möchte und lange nach dem Kleingeld kramt, stimmt übrigens nicht. Inzwischen zahlen 90 Prozent der Kunden mit der Karte. „Ich habe es passend“, wird dann oft gescherzt.

Griff ins Portemonnaie als Geste des Vertrauens

Ältere Stammkunden hingegen reichen gerne mal ihre Geldbörse rüber, damit die Kassiererin mit geübtem Blick und flinken Fingern die exakte Summe herausnehmen kann. „Das ist für mich eine Geste des Vertrauens“, sagt Maria. Genervt sind dann eher die wartenden Kunden.

Was die Frauen zunehmend beobachten, ist eine gewissen Vereinsamung in der Gesellschaft. „Vielen alleinstehende ältere Glienicker wollen gerne noch ein Wort mit uns wechseln, weil sie mit jemandem reden möchten“, erzählt Leah. „Doch dafür haben wir leider nur selten Zeit.“

Übrigens: Eine Faustregel für die schnellste Kasse gibt es nicht. Das zügige Vorankommen hängt nicht nur vom Personal, sondern oft auch vom Kunden und der Technik ab.  „Die kürzesten Schlangen sind nicht immer die schnellsten“, rät Marktleiterin Madlen Jannaschk generell vom Kassen-Hopping ab.

Wer stressfrei einkaufen will, sollte die Stoßzeiten nach Feierabend und am Samstagnachmittag sowie die Tage vor Feiertagen und Brückenwochenenden meiden und auch nicht kurz vor Ladenschluss noch einen Großeinkauf starten.