Gegen den Angeklagten war bereits ein Strafbefehl über 4 000 Euro ergangen, gegen den er Widerspruch eingelegt hatte. Deshalb kam es zur Hauptverhandlung. Der Mann, der zu einer 17-köpfigen Besuchergruppe aus dem Bodensee-Wahlkreis der AfD-Bundestagsfraktionsvorsitzenden Alice Weidel gehörte, hatte nach Angaben eines Guides der Gedenkstätte die Führung immer wieder gestört. Unter anderem soll er gesagt haben, "Gaskammern gab es damals nur in den USA". Nach zahlreichen Diskussionen über historisch belegte Fakten brach der Guide die Tour ab. Der Guide, sein Kollege und ein Teilnehmer des Bundespresseamtes, das die Fahrt organisiert hatte, waren als Zeugen geladen. Die Anklage lautete: Volksverhetzung in Tateinheit mit Störung der Totenruhe.
Einen vergleichbaren Vorfall habe es zuvor in der Gedenkstätte noch nicht gegeben, sagte Stiftungssprecher Horst Seferens. Er sprach von "typischen revisionistischen Argumentationsmustern" bei dem 69-Jährigen. Eine Reaktion von Alice Weidel auf den Vorfall gegenüber der Gedenkstätte habe es nicht gegeben.
Rund 15 Vertreter nationaler und internationaler Medien waren am Dienstag im Amtsgericht erschienen, um über den Prozess zu berichten.