Kein Zeichen
: Oberkrämer lehnt Regenbogenflagge ab

Gemeindevertreter stimmen mehrheitlich gegen Beflaggung des Rathauses. SPD bringt Thema in den Kreistag.
Von
Marco Winkler
Oberkrämer
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Kein Zeichen aus Oberkrämer: BfO und CDU stellten sich geschlossen gegen die Regenbogenflagge.

Marco Winkler

Für vier Wochen wollte die Fraktion symbolisch gegen Ausgrenzung Stellung beziehen. „Laut der Antidiskriminierungsstelle des Landes erfahren 80 Prozent der queeren Menschen regelmäßig Benachteiligungen und Diskriminierungen“, argumentierte Patrick Zechel von den Linken. „Gerade auf dem Land“, schob er nach, und nahm damit Bezug zur Stellungnahme von Oberkrämers Gleichstellungsbeauftragten Silke Taube, die sich im Vorfeld für den Antrag stark machte. Ab dem 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, sollte an der Verwaltung die symbolträchtige Regenbogenfahne wehen.

Der Antrag schlug schon vor der endgültigen Entscheidung der Gemeindevertreter Wellen. Kritik übte, wie mehrfach berichtet, Carsten Schneider (parteilos, SPD-Fraktion) am ablehnten Abstimmungsverhalten seines Fraktionskollegen Karsten Peter Schröder im Hauptausschuss. „Wir haben intensiv in der Fraktion diskutiert“, so Schröder am Donnerstag. „Alle, die dagegen sind, sind nicht gleich homophob. Warum etwas akzeptieren und tolerieren, wenn es ganz normal ist?“ Als Symbol würde es ausreichen, die Flagge an einem Tag zu hissen. Jörg Ditt (Grüne) widersprach: „Wir sind vom Normalzustand weit entfernt.“ Die Flagge wäre ein Bekenntnis. „Nicht mehr und nicht weniger, aber eben wichtig“, so Ditt. Carsten Schneider ging etwas weiter: „Ich erwarte von einem Bürgermeister, der sich für Frauen und Senioren einsetzt, dass er sich auch für sexuelle Minderheiten einsetzt.“

„Wir müssen nicht permanent demonstrieren, dass wir offen sind“, sagte Wolfgang Krüger (CDU). Er sieht mit der Flagge die Neutralität einer Verwaltung nicht gewahrt. Mit derselben Argumentation meldete sich Matthias Schreiber (BfO) zu Wort. Er sprach im Namen der gesamten Fraktion: „Wir reden hier von einer Privatsache. Sexualität ist privat und soll es auch bleiben. Die Verwaltung ist ein neutraler Ort.“ Patrick Zechel hingegen sieht das Problem nicht nur in den eigenen vier Wänden, sondern auch auf der Straße. Dagegen vorzugehen, wenn jemand als „Schwuchtel“ angegriffen wird, sei eine gesellschaftliche Aufgabe.

Für den Antrag der Linken, die Flagge vier Wochen zu hissen, stimmten Schneider, Ditt, Zechel und Wolfgang Geppert (FWO/Grüne) mit Ja. CDU und BfO votierten geschlossen dagegen. Margitta Bergmann (parteilos) bezeichnete den Antrag als „überflüssig“. Die SPD enthielt sich – mit Absicht. Karsten Peter Schröder stellte den Antrag, die Flagge an nur einem Tag zu hissen. Mir drei zusätzlichen SPD-Stimmen wurde dieser Antrag mit 7 Ja- und 12 Nein-Stimmen abgelehnt.

Jusos und SPD kritisierten im Vorfeld die ablehnende Haltung in Oberkrämer. In die Kreistagssitzung am 13. März bringt die SPD-Kreistagsfraktion einen Antrag ein, der die Flaggenhissung am 17. Mai vor der Kreisverwaltung vorsieht.

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