Der Preisträger des Kulturpreises des Landkreises Oberhavel 2020 heißt Wieland Förster. Das verkündete die Verwaltung am Montag in einer Pressemitteilung.
Die Jury wählte den 90-Jährigen unter zehn eingereichten Vorschlägen als Preisträger aus und ehrt den Oranienburger damit für sein Lebenswerk. Für den Kulturpreis hatte ihn die Stadt Oranienburg vorgeschlagen. „Mit seiner Gradlinigkeit als Künstler, der immer seine künstlerischen Ideale verfolgt und sich nie politisch vereinnahmen lassen hat, ist Wieland Förster auch als Mensch ein Vorbild“, heißt es in der Begründung. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert und wird im Rahmen einer Festveranstaltung am 17. September verliehen.

Förster verfasste auch Romane und Theaterstücke

„Wieland Förster ist einer der bedeutendsten figurativen Bildhauer Deutschlands“, wird der Juryvorsitzender Manfred Schmidt zitiert. „Darüber hinaus ist er Maler, Zeichner und Schriftsteller. Er schuf Figuren, Denkmäler, Porträts, Landschafts- und Aktzeichnungen sowie Druckgrafiken.“ Außerdem veröffentlichte er zahlreiche Werke in Schriftform, darunter Reisetagebücher, Romane, Essays und Theaterstücke. Viele seiner Werke sind heute an öffentlichen Orten im Osten Deutschlands zu finden. „Wieland Förster ist durch seine gebrochenen, aufgerissenen und zerschlagenen Körper zu einem der wichtigsten deutschen Bildhauer der letzten 70 Jahre geworden. Er verfolgte die Mission, durch sein Schaffen an das Leid des 20. Jahrhunderts zu erinnern.“ Wieland Förster wird 90

Studium der Bildhauerei in Dresden

Förster wurde am 12. Februar 1930 als fünftes Kind eines Kraftfahrers und einer kaufmännischen Angestellten in Dresden geboren. Als Jugendlicher von den Eindrücken des Weltkriegsgeschehens und einer vierjährigen Inhaftierung im sowjetischen Speziallager Bautzen geprägt, verarbeitet Förster nicht zuletzt diese Erfahrungen in seinem künstlerischen Schaffen. Zunächst als technischer Zeichner tätig, begann Förster 1953 ein Studium der Bildhauerei an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden. 1959 bis 1961 war er Meisterschüler an der Deutschen Akademie der Künste Berlin. Anschließend war er freischaffend tätig.

Erste Ausstellung in Greifswald

Schon ab Anfang der 1960er Jahre entstanden unter anderem mehr als 80 Bronze-Porträts und Porträt-Stelen dem Künstler nahestehenden oder bewunderten Menschen, hauptsächlich Kulturschaffende, darunter Walter Felsenstein, Franz Fühmann und Elfriede Jelinek. Nach seiner ersten Ausstellung 1968 in Greifswald hatte Förster mit Ausstellungsverboten und Arbeitsbehinderungen zu kämpfen. Seine Werke sind nicht erst danach auch geprägt von einer politischen Dimension. 1985 ernannte ihn die Akademie der Künste zum Ordentlichen Professor. 1987 verantwortete er am Berliner Ensemble Bühnenbild und Kostüme zu Bert Brechts „Der Untergang des Egoisten Fatzer“.

Archiv an der Berliner Akademie der Künste

Seit 1991 ist Förster Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Im gleichen Jahr trat er wegen der aus seiner Sicht mangelnden Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit aus der Akademie der Künste aus. Im Jahr 1992 wurde das Wieland Förster Archiv an der Berliner Akademie der Künste eingerichtet. 1996 war er Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste in Dresden.

Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

Wieland Förster erhielt für sein künstlerisches Werk zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1973 den Kunstpreis der DDR, 1983 den Nationalpreis der DDR für Kunst und Literatur 2. Klasse, 1996 den Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden, im Jahr 2000 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland, 2009 den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg für sein Lebenswerk, 2010 die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Potsdam und 2012 den Verdienstorden des Landes Brandenburg. Eintrag in das Goldene Buch

Opfer des Stalinismus

Wieland Förster ist heute als Opfer des Stalinismus anerkannt. Im Jahr 2007 beendete er seine bildkünstlerische Arbeit und gab sein Atelier auf. Mit seiner Frau lebt der Neunzigjährige in Wensickendorf.

Zur Ehrung


Der Kulturpreis des Landkreises wird seit 1992 vergeben. Seit 1996 erfolgt die Vergabe im jährlichen Wechsel mit dem Kulturförderpreis.

Zu den bisherigen Preisträgern gehören unter anderen die Keramikerin Hedwig Bollhagen (1993), der Maler Brunolf Metzler (2002), die Schriftstellerin Eva Strittmatter (2004) und der Maler Uwe Beckmann (2010).

Zuletzt ehrte der Landkreis 2014 den Künstler Uwe Müller-Fabian für sein Lebenswerk, 2016 den bekannten Musiker Gernot Bronsert aus Schildow und im Jahr 2018 den international tätigen Musiker Stefan Fehlandt aus Zühlsdorf mit dem Kulturpreis Oberhavel.

Die Auszeichnung erkennt ein Lebenswerk oder besondere künstlerische Leistungen in den Sparten Bildende Kunst, Musik, Literatur, Darstellende Kunst und Soziokultur an.

Preisträger kann werden, wer in Oberhavel wohnt oder in seiner Tätigkeit Kunst und Kultur im Kreisgebiet maßgeblich beeinflusst hat.