Landtagabgeordneter: Lüttmann macht Klimaschützern Mut

Zusammenarbeit: Judith Brandt leitet das Wahlkreisbüro von Björn Lüttmann. Zugleich gehören beide der SPD-Stadtfraktion an, die von Judith Brandt zusammen mit Matthias Hennig geführt wird. Das "Team Lüttmann" gibt es seit 2014.
Klaus D. GroteAm Montag zog Lüttmann in Oranienburg seine Bilanz des vergangenen Jahres und blickte auf 2020. Der 44-Jährige hat ein ereignisreiches Jahr erlebt. Seit der Kommunalwahl im Mai ist er erstmals Stadtverordneter. Seine SPD wurde zwar wieder stärkste Fraktion, musste aber deutliche Stimmenverluste hinnehmen. Die Europawahl wurde für die Sozialdemokraten zum Desaster, auch wenn das Ergebnis in Oranienburg nicht ganz so trüb ausfiel. Bei der Landtagswahl verlief es ähnlich. Doch Lüttmann verteidigte sein Direktmandat mit großem Vorsprung und sicherte sich damit das für ihn persönlich wichtigste Wahlergebnis.
Seit dem Start der neuen Koalition ist Lüttmann den bürokratisch aufwändigen Job als parlamentarischer Geschäftsführer los. „Ich kann mich jetzt mehr inhaltlicher Arbeit widmen“, sagt er. Am Mittwoch leitet er erstmals den Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz. An der Seite von Ex-Sozialminister Günther Baaske, der Ministerin-Tochter Elske Hildebrandt und des neuen Potsdamer Abgeordneten David Keller sehe er sich in der Verantwortung der früheren Sozialministerin Regine Hildebrandt. Es gehe um wichtige Themen, sagt Lüttmann und nennt als Erstes die Pflegeversicherung. Immer mehr Rentner müssten für einen Pflegeplatz Unterstützung des Amtes beantragen, obwohl sie über eine eigentlich auskömmliche Rente verfügen. „Das sind Menschen, die ihr Leben lang unabhängig waren.“ Der Bund müsse über den Beitrag zur Pflegeversicherung die Kosten senken, fordert der Abgeordnete, der am 1. Mai seine zwanzigjährige Parteizugehörigkeit feiert. Zugleich verweist er auf den Koalitionsvertrag, der den Kommunen Unterstützung für mehr Beratung zur Pflege zusage.
Kitaplätze werden knapp
Im Sinne des Verbraucherschutzes wolle er sich auch um einen Ausgleich in der Landwirtschaft bemühen. Es müsse das Ziel sein, weniger Pestizide und andere Gifte zu verwenden. Das dürfe aber nicht bedeuten, dass es dann für regionale Unternehmen unmöglich werde, auskömmlich zu wirtschaften, sagt Lüttmann.
Zum Thema Soziales gehöre für ihn auch die ausreichende Versorgung mit Schul- und Kitaplätzen. Das werde in Oranienburg durch neue Baugebiete aber zunehmend schwierig. Der Bau weiterer Einrichtungen reicht allein nicht: Die Stadt sucht nach neuen Erzieherinnen und Erziehern – auch, um einen besseren Personalschlüssel zu erreichen.
Für das neue Jahr erwartet Lüttmann außerdem endlich den Baustart für den Radweg in Wensickendorf Richtung Wandlitz, der in der Nachbargemeinde schon fortgeschritten sei. Auch müsse der Neubau der Schleuse Friedenthal starten, wenn das Ziel der Eröffnung 2021 erreicht werden solle. Er hoffe auf Lösungen für die Zuwegung zur Gedenkstätte Sachsenhausen und bat zugleich um Verständnis für das lange Verfahren. „Die Lage ist kompliziert“, sagte Lüttmann. Allein wegen der unterschiedlichen Flächeneigentümer. „Am Ende werden alle Seiten mit einem Kompromiss leben müssen“, so Lüttmann.
Ein kleines Pendant zur großen Kenia-Koalition im Landtag gebe es in Oranienburg noch nicht. Er wolle aber mit den Landtagsabgeordneten Nicole Walter-Mundt (CDU) und Heiner Klemp (Grüne) bei Themen für Oranienburg und mit den übrigen Abgeordneten des Kreises für Oberhavel sprechen. Auch mit den Bürgern wolle er im Gespräch bleiben. Die erste Sprechstunde im neuen Jahr findet am 29. Januar (voraussichtlich um 17 Uhr) bei der Volkssolidarität in Liebenwalde statt.
Gewinner im Wahlkreis
Mit 24,9 Prozent hatte Björn Lüttmann (SPD) bei der Landtagswahl am 1. September den Wahlkreis 9 direkt gewonnen.
Seinen stressigen Job sowie drei anstrengende Wahlkämpfe bezahlte Lüttmann mit seiner Gesundheit. Ende des Jahres erlitt er einen Hörsturz. Künftig wolle er deshalb etwas weniger Termine wahrnehmen, mehr Auszeiten nehmen und mehr Sport treiben.⇥ kd