Mauerfall: Zwischen dem Gestern und Heute

Zur Ausstellungseröffnung im Rathaus Birkenwerder gehörte auch ein Gespräch mit Zeitzeugen rund um den Mauerfall. Alexander Dieck (li.) moderiert die Veranstaltung.
Aileen HohnsteinZeitzeugen der Geschichte
Auch Peter Staamann, Ute Lüty und Tobias Schürhoff stehen neben ihm im vollen Rathaussaal und haben mit ihren Erinnerungen dazu beigetragen, dass die Ausstellung zustande kam.
Schon 2011 wurde diese erstmals in Birkenwerder gezeigt. Die Historiker und Eheleute Manuela Dörnenburg und Bernt Roder hatten es sich damals zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der friedlichen Revolution in Birkenwerder festzuhalten. Etwa 20 Personen hatten sich aktiv daran beteiligt, zum einen waren es Zeitzeugen, zum anderen hilfreiche Unterstützer, die das ehrenamtliche Projekt zum Erfolg führten. Seit Freitag wird die Ausstellung zum 30-jährigen Jubiläum der Maueröffnung erneut gezeigt. „Es ist so eine schöne Ausstellung speziell für Birkenwerder, weil die Leute vor Ort mit Fotos und ihren Geschichten in Erscheinung treten und wir erfahren können, warum sie damals politisch aktiv geworden sind“, sagt SPD-Vorsitzende Susanne Kohl, die eine der Initiatoren für die Wiederaufnahme der Schau ist.
„Heute wollen wir mit der Ausstellung im Hier und Jetzt ankommen“, sagt Manuela Dörnenburg. Zur Auftaktveranstaltung fragt Moderator Alexander Dieck deshalb die vier Protagonisten unter anderem, wie sie nach 30 Jahren auf die Geschehnisse zurückblicken, welche Wünsche und Träume sich seitdem erfüllt oder zerschlagen haben. Tobias Schürhoff war vor 30 Jahren in der achten Klasse, hatte aber trotz seines jungen Alters schon mitbekommen, dass die DDR wankte: „Wir wussten schon lange, dass die Zukunft des Landes nicht mehr so weit in die Ferne zielt.“ Trotz der Unsicherheiten, die sich durch den gesellschaftlichen Umbruch der Wende ergeben haben, sieht er die Chancen, die sich dadurch ergeben haben: „Das Gute der Zeit ist, dass man alles werden kann, was man sein möchte.“
Es war nicht alles gut
„Ich bin stolz, dass wir das alles so geschafft haben. Für mich existiert die Mauer in den Köpfen nicht“, sagt Hans-Joachim Lorentz. Ute Lüty blickt differenzierter auf die Zeit zurück: „Hinterher ist man immer schlauer. Vielleicht hätten wir einiges anders machen, vielleicht nicht so hastig alles über Bord werfen sollen.“
Peter Staamann engagierte sich im Neuen Forum, weil er etwas dazu beitragen wollte, um die bestehenden Zustände in der DDR zu ändern. „Es war ein großes Risiko, was wir damals eingegangen sind. Wenn ich zurücksehe, hat es sich aber gelohnt“, sagt er. Dieter Rahn, neben Peter Staamann Gründungsmitglied der Bürgerbewegung Neues Forum Birkenwerder, ist als Zuschauer zur Ausstellungseröffnung gekommen. „Es ist positiv und richtig, was vor 30 Jahren passiert ist. Aber was daraus gemacht worden ist, war nicht alles gut“, sagt Staamann und fürchtet, dass die Gesellschaft heute immer weiter auseinanderdriftet und die nächste Revolution nicht mehr friedlich bleibt.
Veranstaltungen bis Ende November
Die Ausstellung wird bis 30. November im Rathaus Birkenwerder, Hauptstraße 34, gezeigt. Es gibt auch begleitende Veranstaltungen im Rathaus:
11. November, 19 Uhr: Filmvorführung "Montags in Dresden". Die Regisseurin ist dabei.
21. November, 19 Uhr: Lesung "Ostfrauen verändern die Republik"
27. November, 19 Uhr: Filmvorführung "Durchbruch Lok 234"
30. November, 14 Uhr: Finissage, Lesung und Gespräch "Wie erlebte ich den 9. November 1989 und wo stehe ich heute?"⇥aho