Mieten in Berlin: Wohnen am Wasser ‒ 1000 neue günstige Wohnungen in Spandau

Im ersten Bauabschnitt entstehen rund 1000 Wohnungen, die zum größten Teil sozial gefördert werden. Neben Wohnraum in Hochhäuser gehören auch Flächen für Läden und Cafés sowie grüne Begegnungszonen zur Bauplanung.
ioo ArchitektenDer Name Insel Gartenfeld klingt nach Urlaubsromantik. Das neue Stadtquartier liegt auch idyllisch direkt am Wasser. Doch die Insel im Ortsteil Siemensstadt war bisher eher eine Industriebrache. Die Firma Siemens hat auf dem Gelände früher Kabel, Rohre und Drähte produziert. Jetzt soll daraus ein naturnahes Wohngebiet werden, das die sandige Lücke zwischen Spandau und dem ehemaligen Flughafen Tegel durch Wohnungsbau schließt.
Zukünftig sollen rund 10.000 Menschen an der Gartenfelder Straße Wohn- beziehungsweise Gewerberäume finden. Neben den insgesamt rund 3700 Wohnungen entstehen zusätzlich Läden, Cafés, eine Schule, drei Kitas und Kultureinrichtungen - quasi eine kleine Stadt in der Stadt.
Bezahlbarer Wohnraum im neuen Quartier „Neues Gartenfeld“
Das Neubauprojekt ist eines von Spandaus derzeit größten Bauvorhaben. Der Startschuss für den Bau von rund 1000 Wohnungen ist jüngst gefallen. Am Mittwoch (17. April) hat das landeseigene Wohnbauunternehmen Gewobag den Grundstein für den ersten Bauabschnitt des neuen Stadtquartiers „Neues Gartenfeld“ gelegt. „Mit diesem Stadtquartier leistet Spandau erneut einen großen Beitrag zum Wohnungsbau für Berlin“, wird Bezirksstadtrat Thorsten Schatz in der Mitteilung der Gewobag zitiert.

Bei der Grundsteinlegung am 17.04.2024 sollen symbolische Grundsteine die Eigenschaften des neu entstehenden Stadtquartiers auf der Insel Gartenfeld in Berlin Spandau zusammenfassen. Anwesend waren: (v.l.n.r.) Frank Bewig, Bezirksbürgermeister von Berlin-Spandau, Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie Malte Bädelt und Markus Terboven, Mitglieder im Vorstand der Gewobag.
Florian Pohl / City-Press GmbH BildagenturDie neuen Wohnungen sollen zu 90 Prozent geförderten Wohnraum bieten. Das bedeutet, der Mietpreis pro Quadratmeter liegt zwischen sieben und 11,50 Euro. „Wir schaffen auf der Insel Gartenfeld dringend benötigten, bezahlbaren Wohnraum für eine breite Schicht der Bevölkerung, von der Ein- bis zur Fünfraumwohnung und für die verschiedensten Lebensentwürfe“, sagt Malte Bädelt aus dem Vorstand der Gewobag. Den höchsten Anteil machen dabei die Drei-Zimmer-Wohnungen aus. 70 Prozent aller Wohnungen sind barrierefrei erreichbar.
„Gemeinschaftsflächen wie der Marktplatz oder der Boulevard bieten unseren zukünftigen Mieterinnen und Mietern Raum für Begegnungen und schaffen eine Kultur für ein intaktes nachbarschaftliches Miteinander“, beschreibt Markus Terboven, Vorstandsmitglied der Gewobag, die Vision hinter dem Bauprojekt.
Nach knapp zehn Jahren Planung sollen die ersten Wohnungen Mitte 2026 fertiggestellt sein. In weiteren Bauabschnitte werden bis 2028 noch mehr Wohnungen entstehen. Die Gewobag investiert insgesamt über 700 Millionen Euro für die Mischung aus Wohnraum und Gewerbe. Zirka 6000 Quadratmeter in den Erdgeschossen sind für Läden, Cafés oder andere Orte der Begegnung eingeplant.
Nicht nur der Bau der Gewobag startet 2024. Auch die Berliner Genossenschaft begeno16 hat angekündigt, in diesem Jahr mit dem Bau auf der Insel zu beginnen. Unter der Verantwortung der Genossenschaft sollen 400 neue Wohnungen entstehen.
Stadtquartier „Neues Gartenfeld“ ohne Autos
Das Quartier selbst soll größtenteils autoarm sein. Dafür werden zwei Parkhäuser mit 2000 Parkplätzen am Rande der Wohnkomplexe geplant. Von da aus können Anwohnerinnen und Anwohner auf Fahrrad, Roller oder E-Scooter umsteigen. Insgesamt sind über 9000 Fahrradstellplätze auf der Insel angedacht.
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln stehen Anwohnerinnen und Anwohnern jedoch erstmal nur die Buslinien 133, X33 und N33 zur Verfügung, um auch ohne Auto ans Ziel zu kommen. Durch die Reaktivierung der Strecke der ehemaligen Siemensbahn soll die Insel perspektivisch auch per Schiene erreichbar sein. Die ersten Arbeiten hierfür wurden bereits angestoßen. Dennoch ist die S-Bahn frühestens 2029 eine Alternative.
Moderne Gemeinschaftsschule mit historischem Flair
Auch im Bereich Schule geht es auf der Insel Gartenfeld voran. Die Huwoge Wohnungsbaugesellschaft mbH ist damit beauftragt, auf der Insel Gartenfeld eine Gemeinschaftsschule zu errichten, inklusive Sport- und Freiflächen. Rund 1300 Schülerinnen und Schüler sollen hier ab 2029 unterrichtet werden. Seit Dienstag (16. April) steht fest, wie die Schule aussehen wird. Durch ein Wettbewerbsverfahren wurde über den Bau der Schule entschieden. Der Architektenentwurf der Gernot Schulz Architektur GmbH konnte die Jury überzeugen.

In der Gemeinschaftsschule Insel Gartenfeld sollen ab 2029/2030 bis zu 1300 Schülerinnen und Schülern unterrichtet werden. Das Gebäude soll dabei nicht nur ein Lehrort sein, sondern auch ein Quartierszentrum. Die rot verklinkerte Außenfassade soll an die historische Nutzung des Standortes als Industriefläche von Siemens erinnern.
Gernot Schulz Architektur GmbHPreisgerichtsvorsitzender Julian Weyer fasst die Idee folgendermaßen zusammen: „Der Neubau der Schule auf der Insel Gartenfeld ist eine einzigartige Chance, einen Schulbau als ersten Schachzug einer städtebaulichen Entwicklung zu setzen, die neben allen Ansprüchen an ein modernes nachhaltiges Stadtquartier auch die industrielle Historie des Ortes widerspiegeln soll.“


