Er hatte bereits am Wahlabend gegenüber dieser Zeitung diesen Schritt gefordert, als die CDU im Land nur 15,6 Prozent der Stimmen geholt hatte. Gemeinsam mit seiner Parteifreundin und Fraktionskollegin Saskia Ludwig hatte der Unternehmer aus Kremmen in dieser Woche mehrfach gegen Senftleben rebelliert. Jetzt hat dieser resigniert und die Ämter als Partei- und Fraktionschef aufgegeben. Jan Redmann soll ihm an der Fraktionsspitze folgen. Wie wird der Rücktritt von Senftleben von Politikern aus Oberhavel bewertet? Wie sehen Akteure von möglichen Koalitionsparteien diese Entwicklung und wie schätzen diese die Rolle von Oberhavels CDU-Chef ein?
Frank Bommert, CDU-Landtagsabgeordneter, Vorsitzender der CDU Oberhavel und Kreistagsabgeordneter aus Sommerfeld:
"Ich habe erwartet, dass er früher Verantwortung übernimmt. Weil er so lange gewartet hat, hat er der Partei keinen großen Dienst erwiesen und sich selbst geschädigt. Mit mir hat er seit dem Landesparteitag, auf dem er versucht hat, mich kaltzustellen, nicht mehr geredet. Jetzt müssen wir sehen, wie es weitergeht. Aber wenn jetzt Jan Redmann antritt, um Fraktionschef zu werden, trete ich am Dienstag auch an. Redmann war Senftlebens rechte Hand. Es kann nicht sein, dass die Nummer 2 die Geschäfte übernimmt, wenn die Nummer 1 nicht mehr zur Verfügung steht. Nicht mit mir! Niemand aus der Riege, die das schlechte Wahlergebnis verursacht hat, sollte antreten. Senftleben hat die politische Verantwortung. Grabenkämpfe sehe ich nicht. Das Verhandlungsteam für die Sondierungen steht ja erst einmal, nur ohne Senftleben, da muss jemand nachrücken. Es sind ja erst nur Sondierungen und noch keine Koalitionsverhandlungen." Nach Bommerts Aussagen sehen das alle sechs Rebellen um Saskia Ludwig so wie er.
Nicole Walter-Mundt, Oranienburg, CDU-Vize in Oberhavel, Fraktionsvorsitzende im Kreistag:"Diese Konsequenz war nach dem Wahlergebnis zu erwarten. Ich zolle Ingo Senftleben vor seiner Entscheidung großen Respekt. Aber ich bin dagegen, jetzt Steine auf nur eine Person zu werfen. Es sind Fehler gemacht worden, das ist richtig. Jetzt muss sich die Partei damit beschäftigen. Sie muss selbstkritisch sein, aber statt um Personen, um die Sache diskutieren."
Andreas Noack, SPD-Landtagsabgeordneter und Kreistagsabgeordneter aus Velten:
"Wer wie Senftleben mit dem Wahlplakat antritt ,Maurer, Brückenbauer, Ministerpräsident’ – der hat einen Anspruch. Wenn dann das Ergebnis nicht eintrifft, dann muss man Konsequenzen ziehen. Dazu braucht man keine fünf Tage Zeit, das hätte Senftleben gleich tun müssen. Ich kenne Frank Bommert durch die Arbeit im Kreistag seit vielen Jahren. Er hat einen eigenen Kopf. Einerseits ist er bodenständig, aber ob er seiner Partei einen Gefallen getan hat, müssen andere entscheiden. Wir als SPD müssen jetzt sehen, ob wir mit der CDU eine stabile Regierung bilden können. Da gilt es zu beurteilen, ob die CDU überhaupt regierungsfähig ist."
Inka Gossmann-Reetz, SPD-Landtagsabgeordnete und Stadtverordnete aus Hohen Neuendorf:
"Die CDU soll das selber regeln. Ich kommentiere das nicht."
Clemens Rostock, Landessprecher der Grünen aus Hennigsdorf, neu gewählter Landtagsabgeordneter und zurzeit bei den Sondierungsgesprächen in Potsdam dabei:
"Ich bin erschüttert, wie die CDU mit Ingo Senftleben umgegangen ist. Ich kenne Frank Bommert aus der Arbeit im Wahlkreis. Er steht mit dem CSU-Mann Franz-Josef Strauß als Vorbild eher für eine konservative Union, die sich rechts außen bewegt.  Bommert steht nicht für eine liberale-moderne CDU." Die Grünen haben sich am Freitag mit der SPD zu Sondierungsgesprächen getroffen, am Dienstag gibt es Gespräche mit der Linken und mit der CDU. "Wir warten jetzt ab, wie es bei der CDU weitergeht. Dann werden wir entscheiden, ob die Christdemokraten ein Partner sein können."
Ines Hüber, Bürgermeisterin in Velten und stellvertretende SPD-Landesvorsitzende:
"Zunächst ist die Personalie Senftleben ein CDU-internes Problem. Ich gehe davon aus, dass die Christdemokraten an einer Regierung beteiligt sein wollen. In den Gesprächen geht es uns um Inhalte. Und wir wollen Stabilität und Verlässlichkeit. Da müssen wir sehen, ob die CDU jetzt ein verlässlicher Partner ist"