Die Familien zweier Mitarbeiter aus der Ukraine herauszuholen, das war die Idee von Stefan Lösch. Der Betriebsleiter der Firma OBE Oberhavel Bus Express GmbH, Oranienburg, sendete am Sonntag (27. Februar) eine Nachricht mit der Frage nach Unterstützung an alle seine Telefonbuchkontakte. Er erweiterte den Aufruf, bat um Hilfsgüter, um auf dem Hinweg eine Leerfahrt zu vermeiden. Jemand postete die Aktion auf Facebook.

Rund 30 Tonnen Hilfsgüter in 24 Stunden

Und schon am Sonntagabend trafen zahlreiche Spenden auf dem Gelände der Firma an der Veltener Straße 28 in Germendorf ein. „Inzwischen haben wir drei Busse – einen stellt uns der Verkehrsbetrieb Hohen Neuendorf zur Verfügung – voller Hilfsgüter, insgesamt rund 30 Tonnen, erhalten“, sagt Silvana Hein.
Die OBE-Chefin und ihr Team von 20 Mitarbeitern sind überwältigt. „Am Montagvormittag hat sich eine Warteschlange von fast 100 Metern mit Rückstau in den Kreisverkehr gebildet. Die Menschen brachten Lebensmittel, Matratzen, Medikamente, Kleidung, Spielzeug“, so Silvana Hein.

Manche hatten Tränen in den Augen

Stefan Lösch erzählt sichtlich bewegt: „Es waren viele Menschen, die ursprünglich aus der Ukraine stammen. Manche kamen vier, fünf Mal, erzählten von ihren Familien, hatten Tränen in den Augen, sind fassungslos angesichts des Einmarschs russischer Truppen in der Ukraine“. Wie sie, Stefan Lösch und viele Europäer hätten sie diesen Krieg nie für möglich gehalten.
Der Aggression senden sie eine Welle der Hilfsbereitschaft entgegen. „Wir sind sehr berührt und danken allen, die unsere spontane Aktion unterstützen“, betont Silvana Hein. „Unsere Busse starten am Montagabend so gegen 19 Uhr Richtung polnisch-ukrainische Grenze. Wir brauchen gut 15 Stunden Fahrzeit“, rechnet Stefan Lösch.
Er wird einen der Hilfstransporte lenken. Insgesamt wechseln sich sechs Männer, jeweils zwei, am Steuer der drei Busse ab. „Wir setzen darauf, dass wir gut bis zur Grenze kommen. Unsere zwei Kollegen, die ursprünglich aus der Ukraine stammen, wollen wir per PKW vorfahren lassen, damit sie alles, so gut es geht, organisieren können und die Spenden direkt ankommen.“

Auf dem Rückweg Menschen in Sicherheit bringen

Auf dem Rückweg möchten die Busfahrer 150 Menschen aus der Ukraine mitnehmen und sie zu einem Ankunftszentren in Berlin bringen. „Es ist ungewiss, ob es uns gelingt. Wir wissen nicht, ob die Leute, die wir in Sicherheit bringen möchten, es über die Grenze nach Polen schaffen. Am Grenzübergang zwischen der Ukraine und Polen stehen Menschen inzwischen mehr als drei Tage mit nur einem Koffer und sonst nichts an. Mehr als 30 Kilometer lang war der Stau am Montag.“ Silvana Hein, Stefan Lösch und das Team der Oberhavel Bus Express GmbH hoffen sehr, dass ihre Aktion gelingen wird. „Wann wir zurück sein werden, wissen wir noch nicht. Aber wenn’s funktioniert, setzen wir es fort und wir werden einen Zwischenbericht senden, damit die Spender über den Verlauf unseres Hilfstransports Bescheid wissen.“
Darüber würde sich beispielsweise das Spinnennetz Institut freuen. Geleitet wird dieser freie Träger der Jugendhilfe vom Ukrainer Taras Golditchuk. Sein Team brachte am späten Montagnachmittag unter anderem noch Kleidungsspenden und Wasser in der Veltener Straße 24.
„Die Busse sind voll. Ich denke, dass es uns so gelingt zu helfen“, denkt Silvana Hein. Ihr im Jahr 2016 gegründetes Unternehmen vermittelt unter anderem Busreisen im Reise-, Linien- und Gelegenheitsverkehr, oder Busse mit Fahrern für Chartertouren. Schwierig während der Corona-Pandemie.
Mit Linienverkehrsfahrten im Auftrag der Oberhavel Verkehrsgesellschaft und Einsätzen im Schienenersatzverkehr hat sich die Firma über die vergangenen zwei Jahre retten können.
Eine Übersicht, wie Sie den Flüchtlingen und den Menschen in der Ukraine helfen können, finden Sie hier.
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