Verkehr: Glienicker wehren sich gegen Berliner Blumenkübel

Der Schleichverkehr in der Schildower Straße auf Berliner Seite: Anwohner sind genervt.
privatBrief nach Berlin
Am 11. März will die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Reinickendorf die umstrittenen Blumenkübel als Verkehrssperre beschließen, um den Autoverkehr durch das Waldseeviertel (Hermsdorf) zu unterbinden. Die Schleichwege von Glienicke nach Berlin und umgekehrt wären an der Schildower und der Elsestraße gekappt. Bürgermeister Hans G. Oberlack (FDP) und Gemeindevorsteher Uwe Klein (SPD), die Chaos auf der B 96 befürchten, wollen per Abgeordnetenvotum einen Brief an die BVV schicken. Darin heißt es, dass „einseitige Maßnahmen in Bezug auf den länderüberschreitenden Verkehr kontraproduktiv“ sind. Die Berliner sollen den Beschluss nicht fassen. Gemeinsam solle das Problem besprochen und nach Lösungen gesucht werden.
Oberlack und Klein heben die Bemühungen der Gemeinde hervor, ihrerseits für Verkehrsberuhigung zu sorgen. Sie führen den jährlich 500 000 Euro kostenden Kiezbus an, der Schildow mit Frohnau verbindet, sowie den geplanten Parkhausbau am S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle. Damit soll der ÖPNV für Pendler an Attraktivität gewinnen. Zudem werde die Strecke nach Reinickendorf im Verkehrskonzept der Kommunen Glienicke, Birkenwerder, Hohen Neuendorf und Mühlenbecker Land berücksichtigt.
SPD/Piraten wollen Linksverbot
Eine Alternative zum Berliner Vorhaben präsentiert die Fraktion SPD/Piraten. Nach deren Idee soll – aus Schildow kommend – das Linksabbiegen von der Haupt- und der Karl-Liebknecht-Straße in die Karl-, Schiller- und Lessingstraße verboten werden. Das sind von Glienicke aus die Verkehrsadern, die ins Waldseeviertel führen. Für dessen Anwohner wäre das zeitlich befristete Pilotprojekt ein „deutliches Zeichen“ aus Glienicke, um den „wachsenden Verkehr von den Wohngebieten auf die Hauptstraßen zu verlagern“. Der Feierabendverkehr kann wie gewohnt durch das Waldseeviertel nach Hause gelenkt werden. Nur am Morgen müssten Pendler aus Schildow und Glienicke Hauptstraße und B 96 in Richtung Berlin nehmen.
Resultat: Der Morgenverkehr an der Grundschule nimmt zu. Schulelternsprecher Martin Jablonski-Zimare sieht hier ein Problem: Die Verkehrssicherheit auf dem Schulweg sei gefährdet. Er habe Verständnis für die Anwohner der Wohnsiedlung. „Aber wir können die Betroffenen nicht zu Lasten anderer entlasten.“ Seit Jahren fordere er mehr Querungshilfen und Tempo 30 innerorts. Sperrungen, wie angedacht, seien nur eine punktuelle Lösung: „Wir brauchen ein Gesamtkonzept.“ Das sollte die schlechte B 96-Ampelschaltung beinhalten, die Schleichwege erst erforderlich mache. Seine Bedenken hat er im Auftrag der Eltern- und Schulkonferenz an Berlins Abgeordnete geschickt. „Sie haben es zur Kenntnis genommen, eine Einladung zum Dialog blieb aus.“
Grüne sehen Einbahnstraßen
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will den SPD-Antrag geändert wissen – und ihn mit Einbahnstraßen umkehren. „Es handelt sich um keine optimale Lösung, aber um eine Verteilung der Bürden auf mehrere Schultern“, heißt es im Antrag. Die Einbahnregelung soll auf der Alten Schildower Straße ab Jungbornstraße nach Hermsdorf und auf der Lessingstraße ab Karl-Marx-Straße nach Berlin gelten. Die morgendliche Verkehrslast würde bleiben. Den Grünen ist das wichtig, da sich der Verkehr in der Früh besser verteilen könne. Auch, um nicht sämtliche Autolast an der Grundschule und dem Seniorenheim vorbeizuführen. Für Anwohner der betroffenen Wohngebiete in Glienicke und Hermsdorf sei „zum Ausgleich“ der aus Berlin herausführende Verkehr nachmittags und abends weg. Die Feierabendfahrer müssten dann die Hauptrouten benutzen. Das sei eine „deutliche Entlastung“ für die Anwohner, so die Grünen. Zeitlich verteile sich der Verkehr abends „breiter“, die Belastung der Pendler würde "deutlich geringer ausfallen“ als beim Reinickendorfer Kübel-Vorschlag.
Bürgerinitiative begrüßt Sperre
Karl Michael Ortmann von der Bürgerinitiative des Waldseeviertels begrüßt genau diese Blumenkübel, die am Ende der Berliner Senat zulassen muss. „Wir haben 18 Monate darum gerungen“, sagt er. An Tempo 30 im Viertel halte sich niemand (Info-Kasten). Dass der Berliner Vorstoß auf Ablehnung in Glienicke stößt, das wundert ihn nicht. „Niemand will Wähler vor den Kopf stoßen“, sagt er. Er weist darauf hin, dass es sich um einen Probebetrieb handele. „Wir werden sehen, ob die Welt für Pendler dann zusammenbricht“, so Ortmann.
Bürgerinitiative hat gezählt und gemessen
Die Bürgerinitiative "Schildower Straße" hat nachgezählt: Zwischen 7 und 8 Uhr würden mehr als 600 Kraftfahrzeuge die Schildower Straße nach Berlin passieren. Zeitgleich würden 300 Autos von der Hauptstraße auf die B 96 biegen (reguläre Route).96 Prozent der Fahrer seien zu schnell. Durchschnittsgeschwindigkeit in der 30er-Zone laut Initiative: 44 Kilometer in der Stunde.⇥win