„Derzeit gibt es wohl noch fünf niedergelassene Hausarztpraxen in Premnitz selbst, in Mögelin oder Döberitz keine einzige. Vor wenigen Jahren waren es noch sieben. Zum Jahresende gibt ein Hausarzt seine Praxis aus Altersgründen auf, und eine weitere Praxis könnte 2022 schließen“, so Marcel Kibbert (DMP/FDP), Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Stadtentwicklung. 
Schon jetzt müssten Premnitzer zum Hausarzt nach Brandenburg/Havel fahren. „Gerade der Aufbau einer neuen Praxis ist für junge Hausärzte schwierig. So weit ich weiß, wird durch die Krankenkassen erst am Ende des ersten Vierteljahres abgerechnet. Dann bekommen die Ärzte erst ihr Honorar“, so Kibbert weiter.

Richtlinie zur Vergabe von Zuschüssen gefordert

DMP/FDP brachte am Dienstag einen mit allen Fraktionen abgestimmten Vorschlag ein, der die Stadtverwaltung auffordert, eine Richtlinie zu erstellen, die die Vergabe von Zuschüssen zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in Premnitz ermöglicht. Der Vorschlag erhielt im Ausschuss fünf Stimmen bei sechs anwesenden Mitgliedern.
Die CDU begrüßt den Vorschlag grundsätzlich auch, sieht aber noch etwas Diskussionsbedarf bei dessen konkreter Ausgestaltung. Nach erfolgter Vorstellung der Beschlussvorlage im Ausschuss für Soziales und Finanzen stimmen die Abgeordneten in der Stadtverordnetenversammlung am 9. September 2021 darüber ab.

15.000 Euro als Anreiz für Hausärzte

Die Beschlussvorlage sieht vor, bei Neugründung oder Übernahme einer niedergelassenen Hausarztpraxis einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 15.000 Euro zu zahlen. Damit soll ein Anreiz zur Niederlassung von Allgemeinmedizinern in der Stadt geschaffen werden. Vorbild ist die entsprechende Förderung des Landkreises Havelland in Höhe von bis zu 25.000 Euro bei Ansiedlung oder Übernahme einer Facharztpraxis.

Mehr als 1000 Einwohner schon über 80

„In den letzten Monaten haben sich immer wieder gerade ältere Menschen an uns gewandt. Sie finden keinen neuen Hausarzt. Der Seniorenrat versucht das Problem schon länger in die öffentliche Diskussion zu tragen und hat sich schon an die Kassenärztliche Vereinigung gewandt. Auch eine öffentliche Veranstaltung zu diesem Thema mit Bürgermeister Ralf Tebling gab es schon“, resümierte Frank Hoffmann am Dienstag.
Hoffmann agiert als sachkundiger Einwohner für den Seniorenrat im Ausschuss für Wirtschaft und Stadtentwicklung und kann die jüngste Initiative nur begrüßen. Tatsächlich sind insbesondere Ältere vom Hausärztemangel betroffen, da sie weniger mobil sind als jüngere Leute. Von den rund 8.500 Einwohnern in der Premnitzer Kernstadt und den Ortsteilen Döberitz und Mögelin sind rund 1.000 bereits über 80.