Aus Richtung Döberitz folgt die Heinrich-Heine-Straße in ihrem Verlauf der B102. Auf der einen Seite öffnet sich der Blick hin zur Bahnstation, zum Stadion der Chemiearbeiter und zum Industriepark. Auf der anderen Seite ist aktuell ein Bauprojekt vollendet worden. Die Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft (PWG) ließ hier ein barrierefreies Haus mit zwölf Wohneinheiten (WE) errichten. Damit beauftragt war die Rampf Bau GmbH. Die Firma baute schlüsselfertig. Die Schlüssel übergibt sie am Freitag, 20. August 2021.

Geschäftsführer Heiko Ebers erhält Schlüssel von Baufirma Rampf

Empfänger ist Heiko Ebers, der seit August 2020 die Geschäfte der PWG führt. In dieser Tätigkeit war es sein erstes Projekt, bei dem er als Bauherr in Erscheinung trat. Als Angestellter des Unternehmens kennt er praktisch alle Häuser aus seiner bereits sehr langen Arbeit für die PWG. Er ist im Grunde schon länger dort tätig, als es das Unternehmen überhaupt gibt.

PWG ist größte Vermieterin in Premnitz

Die PWG ist größter Vermieterin in der Stadt. Ihr gehören 1.441 Wohnungen, inklusive der neuen in der Heinrich-Heine-Straße 37. In besten Zeiten, als allein die Kernstadt von Premnitz mehr als 12.000 Einwohner hatte, belief sich der Wohnungsbestand noch auf knapp 2.000. Vor 1990 befanden sich die Wohnungen in der Zuständigkeit der Premnitzer Außenstelle der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) Rathenow. Das war der Betrieb, in dem Heiko Ebers zunächst als Tischler tätig wurde.

Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft mbH vor 30 Jahren gegründet

Nach der Rückgabe der Gebäude 1991 an die Stadt Premnitz - also vor 30 Jahren – wurde die Premnitzer Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Erster Geschäftsführer wurde, bis zu seiner Wahl zum Bürgermeister, Roy Wallenta. Zu seinem Nachfolger (im Jahr 2000) wurde Dietmar Kästner. Als er 2020 in den wohlverdienten Ruhestand ging, wurde Heiko Ebers dessen Nachfolger.

Bevölkerungsverlust zwang zum Stadtumbau - zuletzt 2,3 Millionen Euro investiert

Der seit 1989 erfolgte Bevölkerungsverlust beläuft sich in Premnitz auf 23 Prozent. Um die Jahrtausendwende setzte ein Stadtumbauprozess ein, der bis heute andauert. Die PWG leistet ihre Beiträge. Das Projekt in der Heinrich-Heine-Straße wurde noch durch Kästner in die Wege geleitet. Zuvor hatte das Unternehmen zwölf Stadtvillen am Mühlenweg errichten lassen.
In Ebers’ erstem Jahr als Geschäftsführer - er hatte sich im Laufe der Jahre durch Lehrgänge und Ausbildungen beruflich weiterentwickelt - lag das aktive Geschehen auf der neuen Baustelle. Start war im Oktober 2020. Die PWG investierte rund 2,3 Millionen Euro.

Heizen mit durch Müllverbrennung erzeugte Fernwärme

Das vollunterkellerte Haus hat Erdgeschoss und zwei Obergeschosse - pro Etage je zwei Drei- und Zweiraumwohnungen mit Balkonen. Es verfügt über Aufzüge vom Keller bis ins zweite Obergeschoss. Jede Wohnung ist mit Fußbodenheizung ausgestattet. Energieträger ist Fernwärme, die die Stadtwerke liefert und im Kraftwerk der EEW Energy from Waste Premnitz GmbH durch Müllverbrennung erzeugt wird. Das Haus ist energieeffizient. Es kann den KfW-40-Wärmeschutzstandard vorweisen.

Im Stadtzentrum soll ein Dichter-Eck entstehen

Längst ist klar, wer dort einziehen kann. Wegen der hohen Bewerberzahl kam ein Losverfahren zum Einsatz. Laut Plan der PWG wird auf dem Nachbargrundstück in Richtung Erich-Weinert-Straße, die auf die Heinrich-Heine-Straße zuläuft, ein praktisch identischer Bau entstehen.
Durch Abriss des nahen Baumarkts soll freie Fläche für eine Eckbebauung zwischen Erich-Weinert- und Johannes-R.-Becher-Straße entstehen. Wegen der Namensgeber für die drei Straßen ist in der Planung und Neugestaltung des Areals von der PWG von einem Dichter-Eck die Rede.

Investition im Teilbereich „Zentrum“

Bis zum Rückbau stand in der Heinrich-Heine-Straße 37 ein Wohnhaus aus frühen DDR-Zeiten. Abriss und Neubau sind Bestandteil des Premnitzer Stadtumbaukonzeptes bis 2030. Das Dichter-Eck gehört zum Teilbereich „Zentrum“, wie Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) berichtet, der gleichsam Vorsitzender des PWG-Aufsichtsrates ist. Von 2002 bis 2018 habe die Havelkommune fast 2,5 Millionen Euro Förderung vom Land für den Stadtumbau erhalten.
Aktuell setzt Tebling auf finanzielle Förderung beim Abriss des Hummel-Baumarktes. Allerdings würde das Projekt nicht mangels Förderung scheitern, so Ebers. Der Abriss werde so oder so erfolgen.

Strategie 2030 mit Hilfe des Landes Brandenburg umsetzen

Perspektivisch, da sind sich Heiko Ebers und Ralf Tebling einig, werde es im „Zentrum“ zu weiterem Rückbau kommen. Viele Wohnhäuser seien nicht mehr zeitgemäß. Beide sprechen von einem Umstrukturierungsgebiet. Der Begriff findet sich in der Stadtumbaustrategie 2030. Auch wird sich der Stadtumbau fortsetzen, sofern weitere entsprechende Gelder aus dem brandenburgischen  Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung nach Premnitz ins westliche Havelland fließen.